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© Ljupco Smokovski / shutterstock.com
 
Orthopädie 6. Juni 2012

Eine Frage der Dosis

In moderaten Mengen eingesetzt, kann Nikotin die Knochenheilung fördern.

Jene Substanz im Zigarettenrauch, die für die stimulierende Wirkung verantwortlich ist und damit zur Suchtentstehung beiträgt, regt auch den Knochenstoffwechsel an.

 

Hat eine niedrige Nikotindosis, wie sie in ein paar Zigaretten enthalten ist, vielleicht positive Auswirkungen auf die Heilung eines gebrochenen Beins? „Zigaretten sicher nicht, aber Nikotin allein vielleicht schon“, meint Dr. Rami Kallala vom Leeds Teaching Hospital, Großbritannien. „In bestimmten Dosen kann diese Substanz dem Knochenstoffwechsel und der Frakturheilung zuträglich sein.“ Die positive Wirkung kehrt sich aber ins Gegenteil, sobald eine zu hohe Konzentration im Spiel ist.

Kallala analysierte 54 Studien, die sich mit der Wirkung von Nikotin auf die Knochen befassen (Abstract 5509).

Gift oder Medizin?

Bei Tieren fielen die Resultate überwiegend negativ aus. Aufgezeigt wurde beispielsweise, dass hochdosiertes Nikotin die Synthese bestimmter Kollagene hemmt, was sich schlecht auf die Heilung von Frakturen auswirkte. Nachgewiesen wurde auch der negative Effekt von Nikotin auf die Knochenstruktur und dass die Substanz zum Abbau von Vitamin D beiträgt. „Bei manchen Tierversuchen zeigte sich aber, dass moderate Nikotin-Dosen das Fortschreiten von Osteoporose verlangsamen oder sogar rückgängig machen können“, berichtet Kallala.

Positives war auch bei In-vitro-Studien mit menschlichen Zellen zu beobachten: Hier zeigte sich, dass Nikotin in geringen Dosen die Zellteilung und den Knochenstoffwechsel anregt. Konkret werden die Osteoblasten MG-63 und SAOS-2 stimuliert. Nikotin erhöhte auch die Expression von c-fos und die Synthese von Protein und Kollagen; diese Prozesse sind zuständig für den Knochenaufbau und die Knochen-Remodellierung.

Bei höherer Konzentration kippen die anregenden Effekte jedoch ins Negative: Viele Arbeiten weisen bei höheren Nikotindosen eine hemmende Wirkung oder einen toxischen Effekt für die Knochenzellen nach.

„Die positiven Befunde sind bislang aber nur bedingt aussagekräftig, vor allem weil die Möglichkeiten sehr begrenzt sind, im klinischen Rahmen die isolierte Wirkung von Nikotin im Zusammenhang mit den Knochen zu untersuchen“, meint Kallala. Schlüsse für die Praxis möchte er deshalb noch nicht ziehen.

Quelle: Presseaussendung zum Europäischen Orthopädie-Kongress EFORT, 23.-25. Mai 2012, Berlin

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