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Foto: ©iStockphoto.com/janulla
 
Urologie 24. März 2012

Zirkumzision und Prostatakarzinom

Bei Männern senkt eine Beschneidung das Infektionsrisiko. Und damit auch das Krebsrisiko?

Seit langem gibt es Hinweise für eine Assoziation zwischen der Entwicklung einer Prostatitis und eines Prostatakarzinoms. Erfahrungen unter anderem im Zusammenhang mit der HIV-Infektion legen zudem nahe, dass eine Beschneidung von Männern das Infektionsrisiko senkt. US-Urologen haben jetzt herausgefunden, dass eine Beschneidung vor dem ersten Geschlechtsverkehr offenbar mit einem reduzierten Prostatakrebs-Risiko einhergeht.

Wie bei einigen anderen Tumorarten, etwa Zervixkarzinom und Kopf-Hals-Tumoren, steht die Entstehung eines Prostatakarzinoms im Zusammenhang mit einer Infektion.

Assoziation mit Infektionen

Ergebnissen von bevölkerungsbezogenen Studien zufolge liegt zum Beispiel das Risiko, an einem Prostatakarzinom zu erkranken, bei Männern mit Prostatitis bei etwa 80 Prozent.

Vor wenigen Jahren stellten Wissenschaftler zudem das Konzept vor, dass die proliferative inflammatorische Atrophie (PIA) etwa als Folge einer Infektion eine Vorstufe in der Entwicklung zum Prostatakarzinom ist. Als Erreger kommen Mycoplasmen, Chlamydien, Trichomonaden, HPV und HIV infrage.

Weil bekanntlich Männer durch eine Beschneidung ihr Risiko senken, sich mit dem Aids-Erreger HIV zu infizieren, könnte eine Zirkumzision auch einen Einfluss auf das Prostatakarzinom-Risiko haben – dachten sich US-amerikanische Urologen und werteten Daten zweier bevölkerungsbezogener Fall-Kontrollstudien aus. Eine davon wurde bereits publiziert.

Verhornung wehrt die Keime ab

Die Wissenschaftler analysierten die Daten von 1.754 Männern mit einem Prostatakarzinom in der Anamnese sowie von 1.645 Männern ohne einen solchen Tumor.

Die Altersspanne lag zwischen 35 und 74 Jahren. Bei 91 Prozent der beschnittenen Studienteilnehmer war der Eingriff kurz nach der Geburt erfolgt, wie die Befragung in den beiden Studien ergeben hatte.

Wahrscheinlichkeit um 15 Prozent gesenkt

Das zentrale Ergebnis der Auswertung der Daten: Die Wahrscheinlichkeit, dass vor dem ersten Geschlechtsverkehr beschnittene Männer ein Prostatakarzinom entwickelten, war im Vergleich zu Männern ohne Beschneidung um 15 Prozent niedriger. Dies galt sowohl für die Entwicklung wenig aggressiver als auch aggressiverer Tumoren, deren Malignität unter anderem anhand des Gleason-Scores, des PSA-Wertes und des Tumorstadiums eingestuft wurde.

Feuchtes Milieu beseitigt

Wie erklären sich die Urologen den Effekt der Beschneidung? Sie nehmen aufgrund bisheriger Forschungsergebnisse an, dass es durch die Entfernung der Vorhaut zu einer Verhornung der Haut an der Stelle des Eingriffs kommt, was das Eindringen von Keimen, die für die Karzinogenese relevant sind, deutlich erschwert. Außerdem wird das feuchte Mikromilieu beseitigt, das normalerweise Pathogene länger überleben lässt.

 

Wright, J. L. et al.: Circumcision and the Risk of Prostate Cancer. Cancer 2012; doi:10.1002/cncr.26653.

Springermedizin.de, Ärzte Woche 12 /2012

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