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Dr. Magdalena Arrouas Bundesministerium für Gesundheit

Prof. Dr. Bagher Larijani, International Osteoporosis Foundation, Teheran

Prof. Dr. Heinrich Resch, Präsident der ÖGKM

Prof. Dr. Peter Pietschmann, President elect ÖGKM

 
Innere Medizin 6. Dezember 2011

Osteoporose: Einfache Vorsorge

Die kombinierte Gabe von Kalzium und Vitamin D senkt das Risiko für Myokardinfarkt.

In Österreich sind etwa 700.000 Menschen von Osteoporose betroffen. Dennoch wird die Erkrankung häufig nicht oder zu spät erkannt und nur jeder Fünfte medikamentös behandelt. Die Krankheit bleibt oft jahrelang unerkannt, erst wenn es zu einem Knochenbruch kommt, wird sie wahrgenommen. Vier von zehn Frauen und zwei bis drei von zehn Männern haben im Lauf ihres Lebens eine osteoporotische Fraktur. Die Folgen sind durch das Sinken der Lebensqualität und durch die erhöhte Sterblichkeit dramatisch. Eine ausreichende Kalzium- und Vitamin-D-Zufuhr mindert die Gefahren.

 

Prof. Dr. Heinrich Resch, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Knochen und Mineralstoffwechsel (ÖGKM) sowie Vorstand der II. Medizinischen Abteilung am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Wien, veranschaulicht diese Zahlen: „Das statistische Risiko einer Frau, sich den Oberschenkelhals zu brechen, ist genauso groß wie das Erkrankungsrisiko für Brust-, Gebärmutter- oder Eierstockkrebs zusammen.“ Das Tückische an Osteoporose ist, dass die Krankheit oft jahrelang nicht erkannt wird. Resch: „Zum Glück hat sich in den vergangenen Jahren im Bereich der Awareness, aber auch in Bezug auf Diagnose und Therapie sehr viel getan.“

Gefahr durch Kalzium-Monotherapie

Da der Körper für den Aufbau der Knochen Kalzium benötigt, galt die Verabreichung von Kalzium und Vitamin D in den vergangenen Jahren als Basistherapie, wobei Vitamin D sehr oft nur deshalb mitverabreicht wurde, da es den Einbau von Kalzium in den Knochen unterstützt. Legte man früher bei der Substitution von Kalzium das Augenmerk primär darauf, die Balance zwischen Kalzium und Phosphat nicht zu stören, weiß man heute, dass auch die Bedeutung von Vitamin D über die unterstützende Funktion hinaus geht und nicht zu unterschätzen ist.

Eine 2010 im British Medical Journal erschienene Publikation (siehe Literaturhinweis) weist auf einen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Kalziumsupplementen und einer Erhöhung kardiovaskulärer Ereignisse hin. „In dieser Untersuchung wurden nur Studien berücksichtigt, die keine zusätzlich kombinierte Vitamin-D-Supplementation vorsahen“, betont Resch. „Die Myokardinfarktrate bei den mit Kalzium behandelten Patienten war um 30 Prozent höher als in den Placebogruppen. Die Ursachen dieser Kalzium-Myokardinfarkt-Assoziation sind zurzeit nur spekulativ. Wir sollten sie aber trotzdem ernst nehmen, bis die Ursache endgültig geklärt ist, und bis dahin Kalzium ausschließlich in Kombination mit Vitamin D verabreichen.“

Da offensichtlich kein Zusammenhang zwischen kardialen Ereignissen und der verstärkten Aufnahme von Kalzium aus der Ernährung besteht, vermuten Experten derzeit, dass der Unterschied möglicherweise in der Geschwindigkeit des Serumkalzium-Anstiegs liegt, der ja nach Einnahme elementaren Kalziums rascher erfolgt. Darüber hinaus bestätigen sie ein vermehrtes Auftreten von kardialen Ereignissen bei Patienten mit Niereninsuffizienz, die zusätzlich Kalziumsupplemente einnehmen.

Neue Therapieansätze durch Osteoimmunologie

Vitamin D ist aber nicht nur für den Kalziumstoffwechsel und die Verminderung des Myokardinfarktrisikos bei der Kalziumtherapie wesentlich. Es spielt auch eine entscheidende Rolle für die Körperabwehr, denn es moduliert die Funktion von T-Zellen und anderen Immunzellen. Die Wirkweise von Vitamin D ist aber nur ein Beispiel für den engen Zusammenhang, der in vielen Bereichen zwischen dem Immun- und dem Knochensystem besteht.

Diese Wechselbeziehung ist Gegenstand der Osteoimmunologie, einem Forschungsgebiet, das rapide an Bedeutung gewinnt. Prof. Dr. Peter Pietschmann, Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung, Abteilung für Zelluläre und Molekulare Pathophysiologie und President elect der ÖGKM, über die Osteoimmunologie: „In der Osteoimmunologie gehen wir der Frage nach, wie das Immunsystem und seine Komponenten den Knochenumbau regulieren, wie der Knochen auf die Immunzellen (z. B. Lymphozyten) wirkt und welche Faktoren auf welche Weise die Balance zwischen Knochen und Immunsystem beeinflussen. Ziel ist die Entwicklung neuer Behandlungsansätze, die die Knochenzerstörung stoppen.“ Die Osteoimmunologie scheint diesem Ziel Schritt für Schritt näher zu kommen, denn: Mit der Entdeckung des RANKL/RANK/Osteoprotegerin-Systems wurde nicht nur ein wesentlicher Mechanismus des Knochenumbaus erforscht, sondern auch die Verknüpfung von Immun- und Knochensystem aufgezeigt. Pietschmann: „Aktuelle präklinische und klinische Daten sprechen dafür, dass die Blockade des RANKL einen neuen Therapieansatz bei Osteoporose, entzündlichen Gelenkserkrankungen oder Knochenmetastasen darstellen könnte.“

Behandlungsoptionen bei Osteoporose

Zu den medikamentösen Standardtherapien bei Osteoporose zählen vor allem Bisphosphonate. Weiters wird Osteoporose auch mittels Selektiver Östrogenrezeptor-Modulatoren (SERM), Parathormon, Strontiumranelat und Kalzitonin behandelt. Seit Mai 2010 ist ein Rank-Ligand-Inhibitor in der Therapie der Osteoporose in Österreich zugelassen. Vor allem Frauen nach der Menopause und mit erhöhtem Frakturrisiko steht mit diesem Biologikum eine echte Alternative zu bisherigen Therapien zur Verfügung.

 

Literatur: Bolland et al.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed

 

Quelle: Presskonferenz der ÖGKM am 25. November 2011

www.oegkm.at

 

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