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Foto: Astrid Bartl
Prof. Dr. Matthäus Ch. Grasl, HNO-Klinik, MedUni Wien

HNO-Heilkunde. Ein symptomorientiertes Lehrbuch.
Dietmar Thurnher, Matthäus Ch. Grasl, Boban M. Erovic, Piero Lercher 399 Seiten, € 49,95 Springer Verlag, Wien 2011 ISBN 9783211889848

 
HNO 11. November 2011

Nase putzen oder aufziehen?

Die Frage, ob Schnäuzen gut geeignet ist, die Nasenhöhle zu säubern, haben schon viele gestellt.

Beim Schnäuzvorgang wird in der Exspiration, Mund und Nase verschlossen, ein Überdruck in der Nase erzeugt, der sich nach Öffnung der Nase rasch abbaut, wodurch Sekret nach außen befördert wird. Allerdings kann der nasale Überdruck auch pathologisches Sekret bei viraler oder bakterieller Entzündung in die Nasennebenhöhlen oder gar ins Mittelohr drücken. Letzteres geschieht insbesondere bei Kindern, deren Eustachische Röhre (Tuba auditiva Eustachii) kurz und gerade ist.

 

Was ist zu empfehlen, wenn die Nasenatmung durch Sekret, Krusten und/oder durch Schleimhautschwellung blockiert ist? Entscheidend ist die Ursache der Blockade der Nasenatmung, die HNO-fachärztlich abgeklärt werden sollte (bakterielle oder allergische Rhinosinusitis, Nasenseptumdeviation etc.). Es sei denn, es handelt sich um einen klassischen Schnupfen. Dabei soll in erster Linie eine Abschwellung der Schleimhäute erfolgen und dann das gegebenenfalls anfallende Sekret, ohne ein Nasenloch zuzuhalten, unter geringem Druck ausgeschnäuzt werden. Alternativ kann dazu ein durch „Aufziehen“ entstehender Unterdruck in der Nase und im Nasenrachenraum das vorhandene Sekret nach kaudal befördern. Dieses wird meist geschluckt und die Keime im Magen unschädlich gemacht, die ansonsten im Taschentuch landen und oft über Handkontakt weitergegeben werden. Durch exzessives „Aufziehen“ kann bei Kindern jedoch ein chronischer Unterdruck entstehen, der wiederum zu einem Paukenerguss im Mittelohr führen kann.

Bei blutigem Nasensekret ist Schnäuzen kontraproduktiv, da die Blutung verstärkt wird und es meist zu einer Verschmutzung der Kleidung kommt. Krusten sind durch Schnäuzen kaum entfernbar. Hier fördert der Einsatz von Ölen oder Salben die Gleitfähigkeit, erst dann können sie durch vorsichtiges Schnäuzen entfernt werden. Keinesfalls sollen Krusten mit den Fingern oder Wattestäbchen mobilisiert werden, da dies oft zu Schleimhautblutungen führt.

 

Der Originalartikel ist erschienen im Magazin Sport- und Präventivmedizin 03/2011, © Springer-Verlag, Wien.

Von M. Ch. Grasl, Ärzte Woche 45 /2011

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