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Foto: Privat
Dr. Thorsten Ropposch Hals-, Nasen- und Ohren Universitätsklinik, Klinische Abteilung für Neurootologie, MedUni Graz
 
HNO 29. September 2011

Wie? Bitte lauter sprechen!

Rauchen ist ein Risikofaktor für die Entstehung von Schwerhörigkeit im Alter.

Es gibt starke Hinweise, dass Rauchen zur Schwerhörigkeit beitragen kann. Eine Pilotstudie an der MedUni Graz hat nun ergeben, dass schon eine einzige Leicht-Zigarette die Funktion des Innenohrs für kurze Zeit schädigt.

 

Die Inzidenz von Hörstörungen, vor allem der altersbedingten Schwerhörigkeit, nimmt immer stärker zu. So leiden etwa 40 Prozent der Bevölkerung ab dem 65. Lebensjahr unter der Altersschwerhörigkeit (Presbyakusis).

Klinisch fällt meist zuerst ein schlechtes Sprachverständnis bei Umgebungsgeräuschen auf, oft begleitet von schlechtem Richtungshören und Tinnitus. Altersschwerhörige Patienten leiden daher an Kommunikationsdefiziten und in weiterer Folge häufig an sozialer Isolation und eingeschränkter Lebensqualität. Außerdem stellt die Presbyakusis ein großes sozioökonomisches Problem dar.

Pathogenetisch sind neben der natürlichen biologischen Degeneration vor allem Lärm, entzündliche Ohrerkrankungen, Hypoxie, Hypertonus, Hypercholesterinämie, Diabetes mellitus und toxische Substanzen für die Entstehung der Altersschwerhörigkeit verantwortlich. Es wurde in großen internationalen Studien herausgefunden, dass chronisches Zigarettenrauchen einen großen Einfluss auf die Entstehung der Presbyakusis nimmt. So hatten Raucher ein signifikant höheres Risiko, eine Altersschwerhörigkeit zu entwickeln, als Nichtraucher.

Grazer Pilotstudie

An der Grazer HNO-Universitätsklinik, klinische Abteilung für Neurootologie, wurde 2011 eine Studie durchgeführt, welche die akuten Auswirkungen einer einzigen gerauchten Zigarette auf das Innenohr untersuchte. Es wurden zehn junge gesunde Gelegenheitsraucher zwischen 24 und 26 Jahren, die zuvor zwei Monate lang keine Zigarette geraucht hatten, in diese Pilotstudie eingeschlossen. Als Messmethode wurden die Distorsionsprodukt-Otoakustischen Emissionen (DPOAE) gewählt. Dabei werden Töne, die von den äußeren Haarzellen des Innenohrs produziert werden, über den äußeren Gehörgang abgeleitet. Diese DPOAE repräsentieren den Funktionsstatus des Innenohrs und sind eine äußerst sensitive Meßmethode, um Veränderungen der Innenohrfunktion zu detektieren. Diese DPOAE wurden vor dem Rauchen abgeleitet, um den Ausgangswert zu ermitteln. Danach rauchte jeder Proband eine einzige „Light-Zigarette“ mit 0,6 mg Nikotin- und 6 mg Teergehalt. Direkt nach dem Rauchen und danach alle zehn Minuten wurden neuerlich DPAOE abgeleitet. Es kam direkt nach dem Rauchen zu einem signifikanten Abfall der DPOAE bei 4 kHz. Die Innenohrfunktion erholte sich aber schnell wieder und die DPOAE bei 4 kHz zeigten nach zehn Minuten wieder normale Werte. Die übrigen Frequenzen blieben vom Zigarettenrauch unbeeinflusst. Diese Resultate zeigen, dass eine einzige Zigarette bereits schädliche Auswirkungen auf die Innenohrfunktion hat, sich das Innenohr jedoch sehr schnell wieder erholt. Wie in großen internationalen Studien gezeigt werden konnte, führt langjähriges Zigarettenrauchen zu einer kumulativen Schädigung des Innenohres, so dass Rauchen einen Risikofaktor für die Entstehung der Altersschwerhörigkeit darstellt.

Von Th. Ropposch, Ärzte Woche 39 /2011

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