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Allgemeinmedizin 25. März 2009

Neues vom Seefisch

Er schützt unter anderem vor Darmkrebs, aber nicht vor Demenz.

Die Wissenschaft reißt sich um den fetten Fisch auf dem Teller: Gleich mehrere Studien wurden kürzlich veröffentlicht. Für diejenigen, die die schlechte Nachricht zuerst erfahren wollen: Nein, der Verzehr schützt offenbar doch nicht vor Demenz. Aber die gute Nachricht ist: Er verhindert Darmkrebs, beugt der feuchten Makuladegeneration (feuchte AMD) vor, und Jungen, die mehr Fisch essen, haben einen höheren IQ.

Der Verzehr von fettreichem Seefisch kann das Darmkrebsrisiko vermindern. Das haben Wissenschafter der Universität Jena herausgefunden. Dabei spiele es keine Rolle, ob der Fisch roh, gekocht, geräuchert oder gebraten gegessen werde, teilte der Ernährungswissenschafter PD Dr. Michael Glei mit.

Krebsschutz durch Fettsäuren

Anhand der Daten von 250 Testpersonen konnten die Jenaer Forscher belegen, dass nach dem Fischverzehr bestimmte Gene verstärkt aktiviert waren, die für die Bildung von Enzymen verantwortlich sind, die vor schädigenden und krebsauslösenden Stoffen schützen.

Bei Testpersonen, die fettreichen Lachs gegessen hatten, sei diese Gen-Aktivierung wesentlich ausgeprägter gewesen als bei denjenigen, die mageren Dorsch verspeist hatten. „Dies unterstützt unsere Annahme, dass die im Fisch enthaltenen Fettsäuren den Aufbau einer vor Krebs schützenden Barriere im Körper fördern“, so Glei. Zusätzlich fanden die Wissenschafter heraus, dass bei Tumorzellen im frühen Entwicklungsstadium im Reagenzglas nach Kontakt mit Stuhlproben der Testpersonen eine Hemmung des Zellwachstums einsetzt.

Der krebsvorbeugende Effekt wird vor allem auf den hohen Gehalt an ungesättigten Fettsäuren im Fisch zurückgeführt.

Gut gegen feuchte AMD

Einmal pro Woche fetten Fisch zu essen, reduziert das Risiko, an feuchter AMD zu erkranken, um die Hälfte im Vergleich zu denjenigen Personen, bei denen er seltener auf den Tisch kommt. Das haben britische Forscher entdeckt (AM J Clin Nutr 2008; 88–398).

Enttäuschung bei Demenz

Wissenschaftler der London School of Hygiene and Tropical Medicine überprüften hingegen, ob die Fettfische vor Demenz-Erkrankungen schützen können. Die Forschung habe zu klären, welche positiven Auswirkungen, wenn überhaupt, fettreiche Fische auf das älter werdende Gehirn haben, schreibt das Team um Dr. Alan Dangour im Journal of Nutrition, Health and Aging.

Die aktuelle Studie fand einen signifikanten Zusammenhang zwischen einigen Fischmahlzeiten pro Woche und dem besseren Abschneiden bei Tests der kognitiven Funktionen. Wurden jedoch Bildung und psychische Gesundheit der Teilnehmer berücksichtigt, relativierte sich dieser Zusammenhang.

Dangour meint, dass die Argumente für die schützende Wirkung der Fettfische zu sehr propagiert worden sind. Beweise für diese Wirkung seien immer nur sporadisch erfolgt. Ziehe man wie in der aktuellen Studie alle Faktoren in Betracht, sei es gar nicht so klar, dass Fettfische gesunden älteren Menschen überhaupt einen Schutz gegen Demenz bieten könnten.

Eine schwedische Studie zeigte, dass bei Jugendlichen Fischverzehr eindeutig mit einem höheren IQ einhergeht (Acta Paediatr 2009; 98 [3]: 555–60), wie Studienleiter Prof. Dr. Kjell Toren, Uniklinik Göteborg, erklärte.

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APAmed/pte/ÄZ/PH, Ärzte Woche 13/2009

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