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Zahnheilkunde 6. März 2009

Update Biofilm-Management

State of the Art zu Hause und in der Praxis.

„Eine zahnärztliche Praxis, die heute keine Prophylaxe anbietet, erklärt sich für den zentralen Teil moderner Zahnheilkunde nicht zuständig.“ Dies betonte Prof. Dr. Johannes Einwang, erster Vorsitzender der Gesellschaft für Präventive Zahnheilkunde, anlässlich der Innsbrucker Zahnprophylaxetage Ende November 2008.

Das Leitthema der gemeinsam mit dem 16. Deutschen Kongress für präventive Zahnheilkunde veranstalteten Tagung lautete „Biofilm-Management – heute und morgen“.

Biofilm-Management zuhause

„Eine Erregerdiagnostik ist in den meisten Fällen nicht erforderlich, eine effiziente Plaqueentfernung aber anzustreben“, so Prof. Dr. Christoph Dörfer, Kiel. Die Handhabung der manuellen und elektrischen Zahnbürsten sei Sache der Instruktion und Übung. Elektrische Zahnbürsten seien hinsichtlich der Effizienz der Plaqueentfernung, den manuellen Bürsten überlegen, wie zahlreiche Daten belegen.

Schwierig wird der Reinigungsvorgang zudem, wenn Zahnseide, Zahnhölzer oder Interdentalbürstchen verwendet werden. Hier ist ei-ne eingehende Schulung und Demonstration der Handhabung unerlässlich, will man keine bleibenden Schäden riskieren. Aus wissenschaftlicher Sicht ist allerdings Zahnseide nur für einige wenige Menschen von Vorteil, die damit umgehen können. Interdentalraumbürsten sind, wie die aktuelle Datenlage bestätigt, die einzigen Behelfe, welche sowohl Plaque als auch Gingivitis signifikant reduzieren können. Sie sind den anderen Zahnreinigungshilfen bezüglich der Reduktion von Parodontopathien überlegen. Auch Mundduschen haben ihre Meriten, in jedem Fall sind sie laut Dörfer „besser als ihr Ruf“.

Biofilm-Management vom Profi

Einwang ging detailliert auf die manuelle und die maschinelle Entfernung von Biofilm ein. Auf die Frage, in welchen Abständen eine professionelle Prophylaxesitzung einzuberaumen sei, meinte Einwag: „Wir sind gehalten, risikoorientiert zu handeln; hier haben wir das Patientenrisiko, dort das Verhältnisrisiko. Andererseits wissen wir aber, dass es mindestens drei Monate dauert, bis sich eine Parodontopathogenität entfaltet. Mit Kontrollen im Abstand von je drei Monaten sind Arzt und Patient daher auf der sicheren Seite.“

20 Jahre Prophylaxe – am Ziel?

Welche Gebiete die Prophylaxe umfassen soll, erläuterte Einwang in seinem zweiten Vortrag. Hier sind in den letzten zehn Jahren neue Bereiche hinzugekommen: Nach den bekannten Krankheitsentitäten Kronen- und Wurzelkaries, Gingivitis und Parodontitis machen uns heute zunehmend aggressive Verlaufsformen der Parodontitis, Abrasionen, Erosionen und Rezessionen zu schaffen. Auch die periimplantäre Entzündung ist eine präventiv anzugehende nosologische Einheit. Die Prophylaxe von Zahntraumen und von Tumoren runden das aktuelle Spektrum ab. Derzeit fehlen jedoch noch ausreichend Daten zu den neuen Zielkrankheiten.

Mit der immer älter werdenden Bevölkerung hat sich auch eine Änderung der zu behandelnden Erkrankungen entwickelt wie zum Beispiel die Wurzelkaries, ein klinisches Bild, das noch vor hundert Jahren völlig unbekannt war. Auch bei der Gingivitis ist heute ein Anstieg der mittelschweren und schweren Verlaufsformen zu verzeichnen. Zusammenfassend stellte Einwag in den Raum: „Fassen wir die präventionsorientierte Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde als Basis oder als Zubrot auf?“ – Und schlussendlich: „Wir sind auf einem guten Weg, aber das Potenzial der Prävention wird erst ansatzweise ausgeschöpft!“

Von Dr. Renate Höhl, Zahnarzt

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