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Foto: photos.com / Ärzte-Woche-Montage
Der Jodbedarf eines Erwachsenen kann zu 30 Prozent durch Getränke gedeckt werden. Dabei sollte auf die richtige Getränkeauswahl wie Trinkwasser, Mineralwasser und Tee geachtet werden.
 
Endokrinologie 22. Februar 2011

Jodzufuhr über alkoholfreie Getränke

Bei der Prävention von Schilddrüsenerkrankungen sollten Getränke hinsichtlich ihres Jodgehalts nicht vernachlässigt werden.

In Europa gilt Österreich neben der Schweiz, Schweden und Norwegen als sicher „jodmangelfrei“. Denn mit einer täglichen Aufnahme von 196 µg Jod in der erwachsenen Bevölkerung in Österreich wird die empfohlene Tagesmenge von 180 bis 200 µg leicht erreicht. Da die Aufnahme von Jod über Getränke oft vernachlässigt wird, hat eine österreichische Studie nun den prozentuellen Jodanteil ermittelt, der durch einen täglichen Konsum von alkoholfreien Getränken aufgenommen werden kann.

 

Das Spurenelement Jod ist ein lebenswichtiger, essentieller Nährstoff, der regelmäßig mit der Nahrung aufgenommen werden muss. Jod wird im menschlichen Organismus hauptsächlich zur Bildung der Schilddrüsenhormone (Thyroxin und Trijodthyronin) benötigt. Eine ausreichende Jodversorgung ist daher für eine normale Schilddrüsenfunktion unentbehrlich. Ein lang anhaltender alimentärer Jodmangel kann, infolge einer unzureichenden Konzentration von Schilddrüsenhormonen im Blut, zu einer Vergrößerung der Schilddrüse (Kropf, Struma) führen. Laut dem WHO-Bericht „Jodversorgung weltweit“ ist die europäische Bevölkerung in 15 Ländern ausreichend versorgt, in 19 Ländern herrscht ein milder Jodmangel und in vier weiteren Ländern ein gravierendes Joddefizit. Österreich wie auch die Schweiz, Schweden und Norwegen gelten in Europa als sicher „jodmangelfrei“. Erwachsenen im Alter von 18 bis 65 Jahren wird empfohlen, täglich 180 bis 200 µg Jod aufzunehmen. Die durchschnittliche tägliche Jodaufnahme lag, laut österreichischem Ernährungsbericht 2008, bei österreichischen Erwachsenen (18–65 Jahre) bei 196 µg.

Der Jodgehalt von pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln ist sehr unterschiedlich. Lediglich Meeresprodukte (Seefisch, Muscheln und Seetang) weisen hohe Jodgehalte (30–300 µg/100 g) auf. Weitere wichtige Jodlieferanten sind Milch und Milchprodukte, Fleischwaren und Wurst, Eier sowie Brot und Brotbackwaren. Getränke werden bei der Jodzufuhr oft vernachlässigt. Vor allem Mineralwässer, Trinkwasser und Tee weisen jedoch unterschiedlich hohe Jodgehalte auf.

Im Rahmen einer Studie wurde daher die Jodaufnahme aus alkoholfreien Getränken (exklusive Milch) bei österreichischen Erwachsenen ermittelt.

Studie mit 459 Erwachsenen

Die repräsentative Querschnittsstudie ÖSES.aqa.07 (österreichische Studie zum Ernährungsstatus – Trinkwasser 2007) wurde im Rahmen des Projektauftrags „Österreichischer Ernährungsbericht 2008“ von September 2007 bis Jänner 2008 durchgeführt. Das Studienkollektiv umfasste 459 Erwachsene (58 % Frauen, n = 271; 42 % Männer, n = 188) im Alter von 18 bis 65 Jahren, die in Privathaushalten in Österreich wohnhaft waren. Die Studienteilnehmer wurden per Zufallsauswahl vom Zentralen Melderegister Österreichs nach Geschlecht, Region (Wien, Ost-, West-, und Südösterreich) und Altersgruppe (18–41 Jahren und 42–65 Jahren) gezogen.

Die Datenerhebung erfolgte mittels Fragebogen und 1-Tages-Trinkprotokoll. Im Trinkprotokoll mussten die Teilnehmer aufschreiben, was und wie viel sie innerhalb eines Tages getrunken haben. Für die Ermittlung der Trinkmengen wurden ausgewählte Bilder der 2. Bayrischen Verzehrstudie (BVS II) verwendet. Zur Berechnung der Trinkmengen wurden die Daten der Trinkprotokolle in eine Nährwertdatenbank eingegeben. Die Überprüfung von Unterschieden zwischen zwei Gruppen erfolgte mittels Mann-Whitney-U-Test, zwischen mehreren Gruppen mittels Kruskal-Wallis-H-Test. Zur Gewährleistung der Repräsentativität wurde das Studienkollektiv entsprechend der Verteilung der Gesamtpopulation nach Region, Geschlecht und Altersgruppe gewichtet.

Jodaufnahme vor allem aus Trink-, Mineralwasser und Tee

Die durchschnittliche tägliche Flüssigkeitsaufnahme aus alkoholfreien Getränken (exklusive Milch) betrug bei österreichischen Erwachsenen 2,4 ± 0,9 Liter (Frauen: 2,4 ± 0,9 L/d; Männer: 2,3 ± 0,9 L/d) pro Person. Daraus resultierte eine durchschnittliche Jodaufnahme von 61,8 ± 46,0 µg pro Tag aus alkoholfreien Getränken. Dies entsprach 31 Prozent des Referenzwertes für die tägliche Jodzufuhr (180–200 µg/d) für Erwachsene im Alter von 18 bis 65 Jahren. Die Jodaufnahme aus alkoholfreien Getränken resultierte vor allem aus dem Konsum von Trinkwasser (Leitungswasser, Quell- und Brunnenwasser), Mineralwasser (mit und ohne Kohlensäure) und Tee. Mit einer durchschnittlichen Trinkmenge von 1,0 ± 0,8 Liter Trinkwasser pro Tag konnten durchschnittlich 29,7 ± 23,1 µg Jod/Tag durch den Konsum von Trinkwasser aufgenommen werden. Die mittlere tägliche Jodaufnahme aus Mineralwasser betrug, bei einer mittleren Trinkmenge von 0,4 ± 0,7 Liter/Tag, 11,9 ± 38,6 µg/d, aus Tee 11,6 ± 25,0 µg Jod pro Tag (Trinkmenge: 0,3 ± 0,6 L/d). Die anderen konsumierten alkoholfreien Getränke konnten nicht oder nur zu einem geringen Teil zur Jodaufnahme beitragen. Die durchschnittliche Jodaufnahme aus Kaffee (Trinkmenge: 0,3 ± 0,3 L/d) lag bei 3,2 ± 2,7 µg/d, aus Obst- und Gemüsesäften (Trinkmenge: 0,1 ± 0,3 L/d) bei 2,4 ± 4,8 µg/d und aus Softdrinks (Limonaden, Colagetränke, Eistee, Trinkmenge: 0,1 ± 0,4 L/d) bei 2,1 ± 7,7 µg/d.

Höhere Jodaufnahme bei Frauen

Frauen nahmen signifikant (p < 0,001) mehr Jod (65,6 ± 43,9 µg/d) aus alkoholfreien Getränken auf als Männer (57,9 ± 47,8 µg/d), da Frauen mehr Trinkwasser und Tee (p < 0,001) konsumierten als Männer. Die jüngeren Teilnehmer (18–41 Jahre) hatten eine signifikant (p<0,001) höhere Jodaufnahme (65,8 ± 44,6 µg/d) aus alkoholfreien Getränken als die älteren (42–65 Jahre; 57,2 ± 47,2 µg/d). In den einzelnen Regionen Österreichs war die durchschnittliche tägliche Jodaufnahme aus alkoholfreien Getränken recht unterschiedlich. Die durchschnittliche Jodaufnahme aus alkoholfreien Getränken betrug in Wien 70,1 ± 53,7 µg/d, in Ostösterreich 61,8 ± 48,7 µg/d, in Westösterreich 58,0 ±3 4,6 µg/d und in Südösterreich 56,7 ± 41,0 µg/d. Die Unterschiede waren jedoch nicht signifikant (p > 0,05).

Für die Auswertung der durchschnittlichen Jodaufnahme aus alkoholfreien Getränken wurden die vorhandenen Werte aus dem deutschen Bundeslebensmittelschlüssel (BLS) verwendet. Der Jodgehalt für Trinkwasser ist mit 2,9 µg/100 mL angegeben. Das Jodvorkommen in Wasser und Boden kann jedoch regional, selbst auf kleinem Gebiet, starken Schwankungen unterliegen. In Mangelgebieten kommt Jod im Trinkwasser nur in geringen Mengen vor. Zudem ist die Verfügbarkeit des Jods im Trinkwasser bei höherem Härtegrad und hohem Nitratgehalt verringert. Der Jodgehalt österreichischer Mineralwasser schwankt zwischen drei und 84 µg/L. Tee hat einen durchschnittlichen Jodgehalt von 10 µg/ 100 mL, wobei vor allem Früchte- und Kräutertees einen höheren Jodgehalt aufweisen als schwarzer oder grüner Tee. Abhängig vom Jodgehalt des Trinkwassers, aus dem andere alkoholfreie Getränke hergestellt werden, schwankt auch der Jodgehalt der alkoholfreien Getränke. Säfte haben im Durchschnitt einen Jodgehalt von bis zu 20 µg pro Liter.

Die Studie kommt zum Schluss, dass der Jodbedarf eines Erwachsenen zu 30 Prozent durch Getränke gedeckt werden kann. Dabei sollte auf die richtige Getränkeauswahl wie Trinkwasser, Mineralwasser und Tee geachtet werden. Bei der Prävention von Schilddrüsenerkrankungen sollten Getränke hinsichtlich ihres Jodgehaltes nicht vernachlässigt werden.

Die Studie wurde vom österreichischen Bundesministerium für Gesundheit (BMG) im Rahmen des Projektauftrages „Österreichischer Ernährungsbericht 2008“ unterstützt.

 

Literatur beim Verfasser

 

Dr. Melanie Fröhler studierte Ernährungswissenschaften an der Universität Wien.

Von Dr. Melanie Fröhler und Prof. Dr. Ibrahim Elmadfa, Ärzte Woche 8 /2011

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