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 Foto: Privat

Dr. Gerlinde Fasching Fachärztin für Lungenkrankheiten und Ärztin für Allgemeinmedizin, Graz

 

 

 

 
Allgemeinmedizin 11. Jänner 2011

Wenn der Husten nicht mehr weichen will

Die Ursachen für das nicht nur lästige Symptom sind unbedingt abzuklären.

Patienten mit chronischem Husten müssen bis zur endgültigen Ursachenfindung und damit kausalen Therapiemöglichkeit abklärenden Untersuchungen bis hin zur Bronchoskopie zugeführt werden. An erster Stelle der Ursachen steht die chronische Raucherbronchitis neben dem Asthma bronchiale. Die steigende Zahl an Lungenkrebserkrankungen, die sich ebenfalls in erster Linie raucherassoziiert entwickelt, lässt erschrecken. Primäre Prävention und gesundheitspolitische Maßnahmen sind nicht nur aus ärztlicher Sicht, sondern im Sinne der Volksgesundheit allgemein zu fordern.

Als Husten wird das (un)willkürliche, ruckartige Ausstoßen von Luft aus den Atemwegen bezeichnet. Er tritt als Zeichen der bronchialen Reinigung auf oder ist Symptom verschiedener (extra)pulmonaler Erkrankungen. Ab einer Dauer von acht Wochen oder länger wird Husten als chronisch bezeichnet. Die Grenze von acht Wochen ist gleichzusetzen mit dem obligaten Beginn der Abklärung durch den Facharzt. Dabei ist an häufige mit Husten assoziierte Erkrankungen wie die chronische Bronchitis, das Asthma bronchiale oder die COPD primär zu denken. Husten mit oder ohne Auswurf, wobei dieser selbst unterschiedliche Eigenschaften besitzen kann, gibt bereits einen Hinweis auf die zugrundeliegende Störung und damit Therapiemöglichkeit. Neben dem Gespräch, der körperlichen Untersuchung, der Blutgasanalyse und der Spirometrie (siehe Grafik) zählt das Lungenröntgen zu den wichtigsten Untersuchungen.

Wenn eine fehlende primäre Ursachenklärung eine kausale Therapie nicht zulässt, sind aus pulmologischer Sicht nach oder neben der eventuell zu überlegenden Konsultation weiterer Fachärzte, wie HNO-Ärzte und Internisten, eine Computertomografie-Untersuchung der Brustkorborgane und schließlich die invasive Abklärung mit Bronchoskopie (Lungenspiegelung mit -biopsie und bronchioloalveolärer Lavage) durchzuführen.

Begrenzter Einsatz von Hustenmedikamenten

Unter der Voraussetzung, dass abklärende Schritte eingeleitet sind, darf eine symptomatische Therapie begonnen werden. Der Einsatz antitussiver und protussiver Medikamente hat jedoch seine Grenzen.

Hustenstillende Therapeutika sind bei produktivem Husten (z. B. bei Bronchiektasie) kontraindiziert. Bereits gut abhustbares Sekret soll nicht weiter verflüssigt werden, da damit die Bronchialreinigung erschwert würde. Antibiotika, inhalative Medikamente (Betamimetika, Corticosteroide) wie auch Phytotherapeutika kommen zum Einsatz.

Damoklesschwert COPD

Die häufigste Ursache für einen chronischen Husten ist neben dem Asthma bronchiale die chronische Bronchitis, was sich aus der Häufigkeit des Zigarettenrauchens, aber in zunehmendem Ausmaß auch der Feinstaubbelastung erklärt. Im Gegensatz zur asthmatischen Erkrankung, die durch eine reversible Lungenfunktionseinschränkung gekennzeichnet ist, besteht bei der chronischen Bronchitis die Gefahr der Entwicklung einer permanenten bzw. dauerhaft zunehmenden Atemfluss-Einschränkung bis zur respiratorischen Insuffizienz mit der Notwendigkeit der Sauerstofftherapie oder zuletzt LTX.

Das Damoklesschwert der COPD schwebt über jedem Raucher. Diese chronische Lungenerkrankung wird noch in diesem Jahrhundert die dritthäufigste Todesursache der Menschen weltweit sein, falls nicht entsprechende Gegenmaßnahmen wie primäre Prävention und rigoroses Rauchverbot dem entgegenwirken. Alle Ärztinnen und Ärzte sind aufgefordert, eine entsprechende Raucheranamnese bei ihren Patientinnen und Patienten zu erheben, um durch die rechtzeitige Erfassung des Rauchverhaltens und der entsprechenden Diagnose …

 

  1. eine Verhaltensänderung zu bewirken und
  2. die Patienten ggf. einer adäquaten Therapie (inhalative Therapeutika, nichtmedikamentöse Therapie im Sinne einer pulmonalen Rehabilitation) zuführen zu können.

 

In Österreich nimmt auch die Zahl der Lungenkrebserkrankungen zu. Erschreckend dabei ist der steigende Anteil an rauchenden Frauen.

Zu den infektiösen Ursachen für einen chronischen Husten bleibt zu sagen, dass eine Reihe von Keimen zu mittlerweile Dauerproblemkeimen insofern geworden sind, als es keine guten Richtlinien für die antibiotische Therapie gibt. Dazu zählt neben der Pertussis (Keuchhusten) die Lungenchlamydieninfektion. Die Lungentuberkulose macht durch die Zunahme multiresistenter Keime Pulmologen und Infektiologen zu schaffen.

Husten aufgrund extrapulmonaler Ursachen

Neben diesen häufigen primären Atemwegs- und Lungenerkrankungen gibt es eine Reihe von systemischen extrapulmonalen Erkrankungen, die sich in Lungenveränderungen manifestieren und mit Husten einhergehen. Dazu zählen neben immunologischen Störungen wie der chronischen Polyarthritis, dem Sjögren Syndrom, dem Lupus erythematodes und Morbus Crohn auch Nieren-, Schilddrüsen- und Herzerkrankungen. Dabei kann sowohl die Grunderkrankung, als auch das eingesetzte Medikament die Ursache für den chronischen Husten sein. Vor allem Blutdrucksenker wie ACE-Hemmer und Betablocker sowie Rheumamedikamente sind häufig für chronischen Husten bis hin zu schweren Lungenveränderungen mit Fibrosierung (Vernarbung) der Lungen verantwortlich.

Daneben zählen Lungen- oder Brustbestrahlungen sowie Chemotherapeutika zu den häufigsten Verursachern von Spätschäden in den Lungen, die klinisch mit chronischem Husten auffällig werden (Strahlenpneumonitis, Methotrexatlunge).

Allergie und Reflux

Die Volkskrankheiten Allergie und Reflux nehmen noch an Häufigkeit zu. Die exakte Erhebung des Symptoms Husten in seiner jahres- und tageszeitlichen Abhängigkeit bzw. Verstärkung in Zusammenhang mit nasalem Sekret oder Sodbrennen lässt den Pulmologen die Verdachtsdiagnose stellen, womit klar ist, dass die weitere Abklärung fachärztlich zu erfolgen hat. Bezüglich der ganzjährigen oder saisonalen allergischen Erkrankungen bleibt zu sagen, dass in Form der spezifischen Immuntherapie sehr gut wirksame moderne therapeutische Möglichkeiten entwickelt worden sind.

Der gastroösophageale Reflux ist als häufige Ursache für chronischen Husten unbedingt zu erfassen und zu therapieren, da bei verschleppter Diagnose ein erhöhtes Risiko für eine Krebserkrankung des Ösophagus bekannt ist.

Von Dr. Gerlinde Fasching, Ärzte Woche 2 /2011

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