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Sportmedizin 4. Jänner 2012

Ernährungsmärchen Teil 8: Erhöht Salz den Blutdruck?

Ist Salz tatsächlich für hohen Blutdruck verantwortlich? Diese Frage wird häufig diskutiert. Zahlreiche wissenschaftliche Studien untersuchen dabei nicht nur, ob eine steigende Salzzufuhr den Blutdruck erhöht, sondern vor allem auch, ob eine salzarme Ernährung den Blutdruck senken kann.

Hypertonie zählt zu einem der Hauptrisikofaktoren für Morbidität und Mortalität. Angaben der WHO zufolge sind weltweit 62 Prozent der zerebrovaskulären Erkrankungen und 49 Prozent der ischämischen Herzerkrankungen auf erhöhten Blutdruck zurückzuführen [1, 2].

Die Prävalenz für Hypertonie ist mit dem Alter ansteigend und beträgt bei der österreichischen Bevölkerung ab einem Alter von 60 Jahren rund 50 Prozent [3]. Die Genese der Hypertonie ist multifaktoriell.

Neben genetischen Faktoren spielen zahlreiche andere Risikofaktoren wie beispielsweise Übergewicht, Bewegungsmangel, Stress und Alkohol eine bedeutende Rolle. Auch eine erhöhte Salzzufuhr kann die Entstehung von Bluthochdruck und deren Folgeerkrankungen begünstigen.

Zahlreiche Studien haben untersucht, inwieweit eine salzreduzierte Ernährung zur Blutdrucksenkung beitragen kann. Metaanalysen zeigen, dass eine moderate Salzreduktion bei hypertensiven Personen zu einer mittleren Senkung des systolischen Blutdrucks zwischen 3,7 und 5,1 mmHg und des diastolischen Blutdrucks zwischen 0,9 und 2,7 mmHg führt. Bei Personen mit normalem Blutdruck konnte eine durchschnittliche Senkung des systolischen Blutdrucks um 1,0 bis 2,0 mmHg und des diastolischen Blutdrucks um 0,1 bis 1,1 mmHg beobachtet werden [4-7].

Der Blutdruck wird nicht bei allen Personen gleich durch die Salzzufuhr beeinflusst. Während in der allgemeinen Bevölkerung nur geringe Änderungen im Blutdruck nach der Zufuhr von Salz beobachtbar sind, können salzsensitive Personen nach dem Konsum von Salz mit großen Blutdruckänderungen nach erhöhter bzw. verminderter akuter oder chronischer Salzzufuhr reagieren [8].

Untersuchungen von Weinberger [9] deuten darauf hin, dass rund 30 Prozent der normotensiven und über 50 Prozent der hypertensiven Personen salzsensitiv sind. Salzsensitivität ist von vielen Faktoren unter anderem von genetischen Faktoren, der Ethnizität, dem Alter, dem Körpergewicht, der Ernährungsqualität und bestimmten Erkrankungen (wie z. B. Hypertonie, Diabetes mellitus oder renalen Erkrankungen) abhängig [8, 9].

Zur Blutdrucksenkung spielen neben der Einschränkung der Salzzufuhr vor allem andere Lebensstilfaktoren wie etwa die Zunahme körperlicher Aktivität [10-12], eine Körpergewichtsabnahme bei bestehendem Übergewicht [13, 12], die Reduktion eines erhöhten Alkoholkonsums [14, 12] sowie Nikotinabstinenz [12] und diätetische Maßnahmen wie mehr Obst, Salat, Gemüse, Fisch, Kalium und Kalzium, weniger Fett und gesättigte Fettsäuren [12, 15, 16] eine wesentliche Rolle. Laut der Österreichischen Gesellschaft für Hypertensiologie können diätetische Maßnahmen den systolischen Blutdruck um 8-14 mmHg senken [12].

Eine erhöhte Kochsalzaufnahme ist nicht nur ein Risikofaktor für Hypertonie, sondern geht auch mit erhöhtem Risiko für andere Erkrankungen einher. Eine Metaanalyse aus 13 prospektiven Studien ergab beispielsweise, dass ein höherer Salzkonsum mit einem signifikant erhöhten Risiko für Schlaganfall (gepoolte RR = 1,23; 95 % CI: 1,06-1,43; p=0,007) und kardiovaskulären Erkrankungen (gepoolte RR = 1,14; 95 % CI: 0,99-1,32; p=0,07) assoziiert ist [17].

Eine bevölkerungsweite Reduzierung der Salzzufuhr um 3 g pro Tag ist Modellberechnungen aus den USA zufolge hingegen mit einer wesentlichen Verminderung der Rate an koronaren Herzerkrankungen, Schlaganfällen und Myokardinfarkten sowie Todesfällen verbunden [18].

Nach Angaben des World Cancer Research Funds ist der Salzkonsum sowie der Verzehr von gesalzenen und salzigen Lebensmitteln wahrscheinlich auch mit der Entstehung von Magenkrebs assoziiert [19, 20]. Verbindungen wie Nitrat, Nitrit und N-Nitrosamine werden ebenfalls in Zusammenhang mit Krebs diskutiert. Weitere Untersuchungen sind jedoch erforderlich [19].

Von den D-A-CH-Referenzwerten für die Nährstoffzufuhr wird eine Speisesalzzufuhr von 6 g pro Tag als ausreichend angegeben [21]. Die WHO und andere Fachgesellschaften empfehlen ebenfalls eine Reduktion der Kochsalzzufuhr auf unter 5 bzw. 6 g pro Tag [1, 12, 22].

Nach Angaben des österreichischen Ernährungsberichts 2008 liegt die durchschnittliche Kochsalzzufuhr in Österreich mit rund 9 g pro Tag bei den Männern und rund 8 g pro Tag bei den Frauen über den Empfehlungen [23]. Der in Tabelle 1 angeführte Speiseplan zeigt, dass bei ungünstigem Ernährungsverhalten die Salzempfehlungen leicht überschritten wird können. Besonders salzreich sind unter anderem Backwaren (Brot und Gebäck), Fleischund Wurstwaren sowie Käse und Fertiggerichte.

Tab 1 3

Literatur

[1] WHO (World Health Organisation). Reducing salt intake in populations. Report of a WHO Forum and Technical meeting 5–7 October 2006, Paris, France, 2007.

[2] World Health Organization. The World Health Report 2002 – Reducing risks, Promoting Healthy Life. Geneva, World Health Organization, 2002.

[3] Statistik Austria. Österreichische Gesundheitsbefragung 2006/2007. Hauptergebnisse und methodische Dokumentation (im Auftrag von Bundesministerium für Gesundheit, Familie und Jugend), Wien 2007.

[4] He FJ, MacGregor GA. Effect of longer-term modest salt reduction on blood pressure. Cochrane Database of Systematic Reviews 2004, Issue 1. Art. No.: CD004937.

[5] Jürgens G, Graudal NA. Effects of low sodium diet versus high sodium diet on blood pressure, renin, aldosterone, catecholamines, cholesterols, and triglyceride. Cochrane Database of Systematic Reviews 2004, Issue 1. Art. No.: CD004022.

[6] Midgley JP, Matthew AG, Greenwood CM, et al. Effect of reduced dietary sodium on blood pressure: a meta-analysis of randomized controlled trials, JAMA, 275 (20):1590–1597, 1996.

[7] Cutler JA, Follmann D, Allender PS. Randomized trials of sodium reduction: an overview, Am J Clin Nutr, 65 (2 Suppl): 643S–651S, 1997.

[8] Franco V, Oparil S. Salt sensitivity, a determinant of blood pressure, cardiovascular disease and survival, J Am Coll Nutr, 25 (3 Suppl): 247S–255S, 2006.

[9] Weinberger MH. Salt sensitivity of blood pressure in humans, Hypertension, 27: 481–490, 1996.

[10] Whelton SP, Chin A, Xin X, et al. Effect of aerobic exercise on blood pressure: a metaanalysis of randomized, controlled trials, Ann Intern Med, 136(7): 493–503, 2002.

[11] Dickinson HO, Mason JM, Nicolson DJ, et al. Lifestyle interventions to reduce raised blood pressure: a systematic review of randomized controlled trials, J Hypertens, 24 (2): 215–233, 2006.

[12] Richtliniengruppe der Österreichischen Gesellschaft für Hypertensiologie; Magometschnigg D, Mayer G, Slany J, et al. Klassifikation, Diagnostik und Therapie der Hypertonie 2007 – Empfehlungen der Österreichischen Gesellschaft für Hypertensiologie, J Hyperton, 1:7–11, 2007.

[13] Neter JE, Stam BE, Kok FJ, et al. Influence of weight reduction on blood pressure: a metaanalysis of randomized controlled trials, Hypertension, 42 (5): 878–884, 2003.

[14] Xin X, He J, Frontini MG, et al. Effects of alcohol reduction on blood pressure: a meta-analysis of randomized controlled trials, Hypertension, 38 (5): 1112–1117, 2001. 

[15] Sacks FM, Svetkey LP, Vollmer WM, et al. Effects on blood pressure of reduced dietary sodium and the Dietary Approaches to Stop Hypertension (DASH) diet. DASH-Sodium Collaborative Research Group, N Engl J Med, 344 (1): 3–10, 2001.

[16] Whelton PK, He J. Potassium in preventing and treating high blood pressure, Semin Nephrol, 19 (5): 494–499, 1999.

[17] Strazzullo P, D’Elia L, Kandala NB, et al. Salt intake, stroke, and cardiovascular disease: meta-analysis of prospective studies, BMJ, 2009 Nov 24.

[18] Bibbins-Domingo K, Chertow GM, Coxson PG, et al. Projected effect of dietary salt reductions on future cardiovascular disease, N Engl J Med, 362 (7): 590–599, 2010.

[19] World Cancer Research Fund (WCRF) / American Institute for Cancer Research: Food, Nutrition, Physical Activity, and the Prevention of Cancer: a Global Perspective. Washington DC, AICR, 2007.

[20] Kiefer I, Wolf A. Ernährung und Lebensstil in der Krebsprävention, Journal für Ernährungsmedizin, 10 (2): 6–14, 2008.

[21] D-A-CH. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), Österreichische Gesellschaft für Ernährung (ÖGE), Schweizerische Gesellschaft für Ernährungsforschung (SGE), Schweizerische Vereinigung für Ernährung (SVE). Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. Verlag Umschau Braus, Frankfurt am Main, 2008.

[22] Mancia G, De Backer G, Dominiczak A, et al. 2007 Guidelines for the Management of Arterial Hypertension: The Task Force for the Management of Arterial Hypertension of the European Society of Hypertension (ESH) and of the European Society of Cardiology (ESC), J Hypertens, 25 (6): 1105–1187, 2007.

[23] Elmadfa I, Freisling H, Nowak V, et al. Österreichischer Ernährungsbericht 2008, 1. Auflage, Wien, März 2009.

[24] BLS (Bundeslebensmittelschlüssel) II.3.1 aus dato Denkwerkzeuge, Software: nut.s science, v1.29.27; Wien, 2010; www.nutritionalsoftware.at.

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