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Foto: wikipredia / Ärzte-Woche-Montage
 
Impfen 16. November 2010

Risiko Pneumokokken

Die Prävalenz, Inzidenz und Virulenz der einzelnen Serotypen ist sehr unterschiedlich.

Streptococcus pneumoniae gehören zu den häufigsten Erregern von Pneumonie, Meningitis, Sepsis/Bakteriämie, Sinusitis und Otitis media. Besonders gefährdet sind Kinder in den beiden ersten Lebensjahren und ältere Menschen. Einen wirksamen Schutz bietet die Impfung.

Für das Jahr 2009 hat die Nationale Referenzzentrale für Pneumokokken 303 invasive Erkrankungen und 19 Todesfälle mit Streptococcus pneumoniae in Österreich erfasst. 43 dieser Fälle waren Meningitis-Erkrankungen, 82 eine Sepsis, 118 Pneumonien mit Sepsis/Bakteriämie und 60 diverse andere Pneumokokken-Erkrankungen. Die Inzidenz lag damit bei 3,62 invasiven Erkrankungen/100.000 Einwohnern, die Mortalität bei 0,23/100.000 Einwohnern und die Gesamtletalität bei 6,3 Prozent.1 Die Altersverteilung zeigte die bekannte zweigipflige Verteilung – junge Kinder und ältere Personen.

Die Prävalenz, Inzidenz sowie Virulenz der 91 bekannten Serotypen von Pneumokokken ist unterschiedlich, nur etwa 23 sind jedoch für 90 Prozent der in Europa auftretenden Pneumokokkenerkrankungen verantwortlich. Die 2009 am häufigsten in Österreich identifizierten Serotypen sind 3 (18,66 %), 1 (7,84 %), 14 (7,09 %) 7F (7,09 %), 6A (6,72 %) und 4 (5,97 %). Gegenüber 2008 ist eine starke Zunahme der Typen 3 und 6A in den Altersgruppen ab 40 Jahre zu beobachten.1

Schutz durch Impfung

Der schon seit längerem zur Verfügung stehende 23-valente Polysaccharid-Impfstoff (PPV 23) schützt gegen die 23 häufigsten Serotypen und wird speziell für Senioren (ab dem 60. Lebensjahr) und Risikogruppen empfohlen. Bei Kindern unter 2 Jahren ist er nicht wirksam. Zum Schutz für Kinder sind drei Konjugat-Impfstoffe (PCV 7-valent, PCV 10-valent, PCV 13-valent) zugelassen. Die Abdeckung der in Österreich vorkommenden Serotypen bezogen auf die Gesamtisolate 2009 in der Risikogruppe ≤4 Jahre ist für PCV 7 36,4 Prozent, für PCV 10 66,9 Prozent und für PCV 13 77,3 Prozent. In der Risikogruppe über 60 Jahre hat der PPV 23 Impfstoff eine Abdeckungsrate von 83,8 Prozent gegenüber 66,9 Prozent PCV 13.1

Antikörperpersistenz

Nach einer Impfung mit PPV 23 entwickeln die meisten Personen entsprechende Antikörpertiter. Anlass zu Diskussionen gibt jedoch immer wieder die Frage nach der Persistenz dieser Antikörper und einer möglichen immunologischen Hyporesponsiveness, also einer verminderten Immunantwort bei wiederholter Impfung. Eine Studie von Musher et al2 untersuchte daher die Antikörperspiegel von geimpften Personen fünf Jahre nach Erstimpfung oder Wiederimpfung mit PPV 23. 1.008 Personen wurden dazu in 4 Studiengruppen nach Alter (50-64 Jahren und über 65 Jahre) und Impfstatus (keine Impfung oder Impfung vor 3-5 Jahren) eingeteilt, 551 Personen schlossen das fünfte Untersuchungsjahr ab. Die IgG-Antikörperspiegel wurden von 8 Serotypen am Tag 30, Tag 60 und jährlich innerhalb von 2 -5 Jahren gemessen. Das geometrische Mittel der IgG-Ausgangstiter war für 7 der 8 getesteten Serotypen und in jeder Altersklasse bei den Wiederzuimpfenden höher als bei den Erstzuimpfenden. Sowohl die Erst- als auch Wiederimpfung induzierte signifikante Anstiege der Antikörpertiter und die Antikörperantwort hielt fünf Jahre lang an.

Eine detailliertere Subanalyse dieser Daten von Musher et al verglich die Immunantwort von Personen im Alter von 65 Jahren und älter bei Erstimpfung und Wiederimpfung nach 3 bis 5 Jahren mit PPV 23.3 Bei 120 Personen wurden am Tag 0, 30 Tage und 5 Jahre nach Impfung die Immunantworten auf die Serotypen 4, 14 und 23F (zu Studienbeginn die am häufigsten für invasive Pneumokokkenerkrankungen bei Erwachsenen verantwortlichen Serotypen) untersucht. Dazu wurden die totalen IgG-Antikörper (mittels EIA) und die funktionalen (opsonierenden) Antikörpertiter (mittels OPK assay) gemessen.

Am Tag 30 induzierten Erst- und Wiederimpfung einen signifikanten Anstieg sowohl der totalen als auch funktionalen IgG-Antikörper, nach fünf Jahren waren diese in beiden Gruppen vergleichbar und blieben signifikant höher als bei Personen, die keine Impfung erhalten hatten. Damit war die Wiederimpfung von Personen über 65 Jahre mit PPV 23 hinsichtlich des Anstiegs von persistierenden totalen und funktionalen IgG Antikörpern vergleichbar mit der Erstimpfung.

In einem Kommentar zu diesen beiden Studien betonte Kristin L. Nichol4, dass diese Ergebnisse einen Hinweis für die hohe Evidenz der Wirksamkeit des 23-valenten Pneumokokken-Polysaccharidimpfstoffs bei Erst- und Wiederimpfung von älteren Personen geben. Der signifikante und persistierende Anstieg sowohl der totalen als auch funktionalen Antikörpertiter widersprechen der Evidenz für eine signifikante Hyporesponsiveness. Für die klinische Schutzwirkung vor Pneumokokken-Erkrankungen ist offensichtlich die funktionale Antikörperresponse bedeutender als jene der totalen IgG-Antiköperlevel. Eine Wiederimpfung von älteren Personen sollte daher zum Erreichen eines kompletten Impfschutzes angestrebt werden.

Im Österreichischen Impfplan wird derzeit nur eine einmalige Impfung für alle Senioren im Alter von 65 Jahren empfohlen.

 

1Jahresbericht 2009 der Nationale Referenzzentrale für Pneumokokken an der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH.

2Musher et al., JID 2010;201(4): 516-524

3Manoff et al., JID 2010; 201(4):525-533)

4Nichol K L, JID 2010; 201 (5): 659-661

Von Dr. Friederike Hörandl, Ärzte Woche 46 /2010

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