zur Navigation zum Inhalt
Foto: Umbricht/Martschin
Die Wiener Hofburg im blauen Gewand erregt Aufmerksamkeit und soll die Bevölkerung vor dem Diabetes warnen.
Foto: Scheinast Salzburg

Die Alte erzbischöfliche Residenz in Salzburg mit diabetesblauen Effekten an der Fassade hat schon im Vorjahr das Risikobewusstsein gestärkt.

Foto: Engelhardt/ Sellin Architekturfotografie

Das blau beleuchtete Lentos Museum in Linz anlässlich des Weltdiabetestas effektvoll in völliges Blau getaucht.

 
Diabetologie 9. November 2010

Alles Blau – Awareness für Diabetes

Am 14. November ist einmal mehr Weltdiabetestag.

Seit nunmehr neun Jahren wird am 14. November der Welttag des Diabetes begangen, seit 2007 ist er ein offizieller Tag der Vereinten Nationen. Ein blauer Kreis ist das Zeichen, unter dem die weltweiten Aktionen stehen, die bereits eine Milliarde Menschen erreicht. Das Ziel ist die rechtzeitige Vorbeugung von Typ-2-Diabetes bzw. die Prävention von Folgeerkrankungen, falls Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2 bereits vorliegen.

Um mehr Aufmerksamkeit für die Beschäftigung mit Prävention und Therapie des Diabetes zu wecken, werden am Weltdiabetestag heuer in Österreich so wie in vielen anderen Ländern bedeutende Gebäude und Sehenswürdigkeiten blau beleuchtet werden. Blau ist die Farbe des universellen Diabetessymbols, des „blue circle“ der IDF, welcher alle mit dem Diabetes in Zusammenhang stehenden nichtkommerziellen Aktionen als „unite for diabetes“ vereint.

Die UNO hat aufgrund der zunehmenden Zahl an Betroffenen gemeinsam mit der WHO in ihrer Resolution 61/225 im Jahr 2006 den Weltdiabetestag zu einem „United Nations Day“ erhoben, der fortan jährlich an dieses wichtige Thema erinnern soll.

Die Zeichen erkennen

Die Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG) unter Prim. Dr. Raimund Weitgasser hat in Kooperation mit der International Diabetes Federation eine Plakatkampagne initiiert, die die Bevölkerung auf die ersten Warnsignale von Diabetes mellitus (vermehrter Harndrang, übermäßiger Durst, Antriebslosigkeit und Gewichtsverlust) aufmerksam macht. (Plakate können kostenlos unter oder Tel: 06507703378 bestellt werden.)

Ziel ist es, für die Diagnose Diabetes bzw. deren Ausschluss zu sensibilisieren und damit die Dunkelziffer an bisher unerkannt Erkrankten zu senken. So werden Krankheitsverläufe und deren Folgen gemildert und letztlich auch Kosten für die Behandlung von Komplikationen reduziert.

Es wird immer mehr

Schätzungen zur Prävalenz des Diabetes für das Jahr 2010 ergeben etwa 285 Millionen Erkrankte weltweit. In Österreich sind rund 600.000 Menschen an Diabetes mellitus erkrankt. Davon sind zurzeit aber nur 420.000 diagnostiziert. Fast jeder dritte Österreicher, das sind 180.000 Betroffene, weiß nichts von seiner „Zuckerkrankheit“. Das Schlimme daran: Schon bei der Diagnose hat jeder fünfte diabetische Folgeerkrankungen, die bei rechtzeitiger Diagnosestellung und optimaler engmaschiger Behandlung und Betreuung vermeidbar wären.

Übergewicht und Bewegungsarmut stellen schon bei den Kleinen die Weichen zur Entwicklung der chronischen Krankheit. Während nur drei Prozent aller Normalgewichtigen an Diabetes erkranken, liegt der Anteil der Übergewichtigen bei neun Prozent, bei Menschen mit Adipositas sogar bei 15 Prozent. Es gilt daher auch zur Vorbeugung des Diabetes, das Augenmerk auf die Vermeidung von Übergewicht zu lenken.

Prävention

Um eine Verringerung der Diabeteshäufigkeit zu erreichen, sind neben der Information und Aufklärung zudem neue Ansätze zur Förderung von Bewegung und gesunder Ernährung nötig. Diese reichen von einem Städtebau, der Bewegung und Sport begünstigt, über die Lebensmittelindustrie und das Problem des zuletzt eher reduzierten Bewegungsangebotes in den Schulen bis hin zum „Sport auf Rezept“. Der vom Gesundheitsministerium initiierte „Aktionsplan Ernährung“ sollte durch eine Initiative zur Bewegung ergänzt werden – letztere bringt für sich alleine betrachtet mehr Gewichtsreduktion und positive Beeinflussung des Stoffwechsels. Der ÖDG-Nordic City Walk am 17. Oktober war ein öffentlichkeitswirksamer Beitrag dazu.

Zugang zu Patientenschulungen

Ein zentrales Ziel der Kampagne zum Weltdiabetestag 2010 in Österreich besteht darin, zu erreichen, dass der Zugang zu Diabetesschulungen für alle Diabetiker zu einem Recht wird. „Lasst uns Diabetes unter Kontrolle bringen“, diese Formel steht am Weltdiabetestag im Mittelpunkt. Da die betroffenen Patienten einen Großteil ihrer Versorgung selber leisten müssen, ist es besonders wichtig, dass sie an ihre Bedürfnisse angepasste, kontinuierliche, qualitativ hochwertige Diabetesschulungen durch Fachkräfte erhalten.

Schulungen zahlen sich aus

Eine kürzlich in der Fachzeitschrift British Medical Journal vorgestellte Untersuchung zeigt, dass sich Schulungen für Typ-2-Diabetiker auch wirtschaftlich lohnen. Die Studie geht zwar von vorsichtigen Annahmen aus und berücksichtigt, dass viele Patienten später wieder mit dem Rauchen anfangen oder die Gewichtsabnahme häufig nicht von Dauer ist. Dem stehen jedoch die langfristigen Vorteile für die Lebensqualität der Diabetespatienten gegenüber, die sich aus der Vermeidung von Komplikationen an den Gefäßen von Herz, Augen und Nieren ergeben.

Den Beweis, dass eine Schulung nicht nur wirksam, sondern auch effizient ist, lieferte die Begleitforschung zu dem in England und Schottland eingeführten DESMOND-Programm. Die Patienten nahmen dabei innerhalb von vier Wochen nach der Diagnose des Typ-2-Diabetes mellitus an einem sechsstündigen Seminar teil. Dort lernten sie, wie sie die Behandlung aktiv unterstützen können. Viele Diabetiker erzielten dadurch eine Gewichtsabnahme und einige schafften es, das Rauchen aufzugeben. Die Schulung förderte auch das Verständnis für die Erkrankung und linderte depressive Verstimmungen.

Disease Management

In der Verbesserung der Betreuung bereits erkrankter Personen gelte es, kürzlich geschaffene Strukturen wie das Disease Management Programm (DMP) „Therapie aktiv“ für Personen mit Typ 2 Diabetes stärker zu nutzen. Dazu fordert die ÖDG eine Koordination der zurzeit in manchen Bundesländern nur zaghaft anlaufenden Beteiligung an diesem Programm und drängt auf deren gesundheitspolitisch bedeutende Umsetzung. Sowohl die Reduktion akuter als auch chronischer Diabetesfolgen sowie deren Kosten könnten damit positiv beeinflusst werden. Daten dazu liefern erste Ergebnisse der Umsetzung in der ersten Ebene (Ärzte für Allgemeinmedizin und Internisten), eine Studie in Salzburg und eine Evaluierung in der Steiermark. Regelmäßige präventive Augen- und Fußuntersuchungen konnten deutlich gesteigert und Parameter zur Verbesserung der Stoffwechsellage wie HbA1c und Blutfette bereits nach einem Jahr gebessert werden. Eine eigene Fortbildung für DMP-Ärzte wird dazu ab sofort bei jeder Jahrestagung der ÖDG angeboten.

Die Entwicklung der zweiten Ebene – die Ausbildung von spezialisierten Internisten und der Ausbau von Krankenhausambulanzen mit besonderem Augenmerk auf Fußsprechstunden – steht nun an. Als besonders wichtig erscheint der ÖDG, Ausbildungsstellen für das Zusatzfach Endokrinologie und Stoffwechsel zu erhalten bzw. zu vermehren. Damit in Verbindung steht die Besetzung von mehr leitenden Positionen (Primarärzte, Chefärzte) mit dieser Ausbildung, als dies in den letzten Jahren der Fall war. Ohne Expertise und Interesse zum bzw. für den Diabetes wäre eine qualitativ hochstehende Patienten-Versorgung nicht erreichbar, betont die ÖDG.

 

http://www.worlddiabetesday.org/

http://www.idf.org/

http://www.oedg.at

 

Quellen: Pressemitteilungen von ÖDG, DDG, ADA,ÖDV

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben