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Allgemeinmedizin 13. April 2010

Auf die Tageszeit kommt es an

Fettreiches Essen zum Frühstück soll einen positiven Einfluss auf die Gesundheit haben. Nach aktuellen Studienergebnissen stellt sich der Stoffwechsel durch die morgendliche Fettaufnahme auf eine effiziente Fettverbrennung über den ganzen Tag ein.

Bislang konzentrierte sich die Ernährungsforschung vor allem auf die Inhaltsstoffe im Essen und die Menge an Nahrungskalorien sowie die damit zusammenhängende Entwicklung von Adipositas, Glukoseintoleranz, Insulinresistenz, Dyslipidämie und Metabolischem Syndrom. Forscher aus Birmingham, Alabama, überprüften nun im Tierversuch ihre Hypothese, dass auch der Zeitpunkt des Konsums einen Einfluss auf die genannten Gesundheitsstörungen hat. Die Ergebnisse scheinen die These zu bestätigen.

Die Forscher fütterten den Versuchsmäusen Mahlzeiten mit unterschiedlicher Zusammensetzung. Eine Gruppe erhielt zum Frühstück reichhaltiges Futter mit viel Fett, während die Abendmahlzeit einen hohen Anteil an Kohlenhydraten enthielt. Die andere Mäusegruppe wurde hingegen nach dem Aufwachen mit einer Ernährung mit geringem Fett- und hohem Kolenhydratanteil versorgt, abends erhielten die Tiere fettreiches Futter. Nach einigen Wochen verglichen die Forscher den Gesundheitszustand der beiden Gruppen von Versuchstieren.

Das Ergebnis: Jene Tiere mit dem „schweren“ Frühstück und dem kohlenhydratreichen Abendfutter zeigten keinerlei negative gesundheitliche Veränderungen und einen effizienten Stoffwechsel. Die anderen Mäuse, die auf Fettreiches in der Früh verzichten mussten und Fett am Abend gefüttert bekamen, hatten in den wenigen Wochen Körpergewicht zugelegt und wiesen Symptome auf, beispielsweise Glukoseintoleranz.

Stoffwechsel-Programmierung

Die Untersuchung deutet darauf hin, dass das Frühstück den Metabolismus für den Rest des Tages programmiert. „Anscheinend sorgt ein kohlenhydratreiches Frühstück dafür, dass der Körper tagsüber vorwiegend Kohlenhydrate verbraucht, während er nach fettreicher Morgenkost zwischen Fett und Kohlenhydraten als Energiequelle für den Stoffwechsel wählen kann“, so Studien-Mitautor Martin Young. In den Mäuseversuchen, die viermal wiederholt wurden, zeigten sich darüber hinaus Vorteile einer kalorienarmen Ernährung vor dem Schlafengehen.

„Frühstück wie ein Kaiser ...“

Das alte Sprichwort „Frühstück wie ein Kaiser, Mittagessen wie ein König und Nachtmahl wie ein Bettler“ dürfte demnach einen wahren Kern haben und vor Übergewicht und Folgekrankheiten schützen. Vor vorschnellen Rückschlüssen auf das Essverhalten warnt jedoch Alexandra Hofer von der österreichischen Gesellschaft für Ernährung (ÖGE). „Der Einfluss des Zeitpunkts der Nahrungsaufnahme auf das Gewicht ist bisher noch wenig erforscht“, meint Hofer. Folgt man den US-Wissenschaftlern, setzt Fettkost nach dem Aufwachen zumindest bei Mäusen den Fettstoffwechsel schon früh in Gang und beeinflusst die Reaktion auf verschiedene Arten von Nahrung während des Tages.

Einige Studien zum optimalen Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme zeigten bereits, dass Energie- und Fettstoffwechsel, Hunger und Sättigung sowie auch bestimmte Funktionen des Magen-Darm-Trakts mit der inneren Uhr zusammenhängen. Am Nachmittag ist der Grundumsatz des Menschen höher als vormittags, außerdem nimmt der Sättigungseffekt im Lauf des Tages ab. Eine Verlagerung der Nahrungsaufnahme auf den Vormittag führte in einem Versuch zu Gewichtsverlusten, wenn gleichzeitig die Energieaufnahme leicht vermindert war.

 

Molly Bray (University of Alabama, Birmingham) et al.: International Journal of Obesity, Onlinevorabveröffentlichung 30. März 2010, DOI:10.1038/ijo.2010.63.

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