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Zahnheilkunde 31. März 2010

Erosionen verhindern

Expertentipps zum Schutz der Zahnsubstanz.

Sollte man seinen Patienten wirklich raten, nach dem Essen 30 Minuten mit dem Zähneputzen zu warten, weil so durch Säure weniger Abrasionen entstehen? Prof. Dr. Adran Lussi von den zahnmedizinischen Kliniken in Bern und Experte auf diesem Gebiet verneint die Frage.

Um zu untersuchen, ob das Abwarten wirklich etwas bringt, haben Forscher menschliche Zähne auf einer Zahnschiene für drei Minuten in Orangensaft eingelegt, damit der Zahnschmelz angegriffen wird. Danach wurden die Schienen in den Mund genommen und die Zähne nach 30 Minuten oder 60 Minuten für 15 Sekunden geputzt. Schließlich wurde das Ausmaß der Abrasion gemessen. Das Warten brachte nicht viel: Die Abrasion war nur leicht geringer, wenn die Probanden die Zähne erst nach einer halben oder einer Stunde putzten.

Auch längere Wartezeiten von bis zu sechs Stunden brachten in einer anderen Studie keinen guten Schutz gegen Abrasion. Im Normafall sollten deshalb die Zähne unmittelbar nach dem Essen gereinigt werden. Nur wenn erosive Prozesse bestehen oder ein erhöhtes Risiko für Erosionen vorliegt, sollten andere Maßnahmen wie z. B. Zähneputzen und/oder Spüllösungen vor der Säureeinwirkung empfohlen werden. „Wenn man den Patienten sagt, sie sollen 30 Minuten mit dem Zähneputzen warten, vergessen es viele einfach“, begründet Lussi den pragmatischen Ansatz.

Zudem gibt es einige andere Maßnahmen, um Zahnhartsubstanzschäden vorzubeugen, z. B. sollte der Konsum von säurehältigen Lebensmitteln auf möglichst wenige Mahlzeiten beschränkt werden. Außerdem sollten Patienten laut Lussi ...

  • nicht schluckweise trinken;
  • Getränke nicht durch die Zähne ziehen;
  • mit Kalzium angereicherte Lebensmittel bevorzugen;
  • Die Mahlzeit mit einem Stück Käse beenden;
  • Nach Säurekonsum mit Wasser oder fluoridhaltiger Lösung spülen;
  • Zahnschonende Kaugummis zur Stimulierung der Speichelfließrate konsumieren.

Reflux und Bulimie

Reflux ist häufiger als angenommen und wird nicht immer als Ursache der Zahnerosionen erkannt. Ein Grund dafür ist, dass Betroffene nicht automatisch an Beschwerden wie Aufstoßen oder Sodbrennen leiden. Besteht der Verdacht auf Reflux, muss ein Gastroenterologe beigezogen werden, der entscheidet, ob eine endoskopische Untersuchung notwendig ist. Zudem ist es wichtig, refluxbegünstigende Speisen wie Wein, Braten, Kaffee oder kohlensäurehältige Getränke zu vermeiden.

Zahnerosionen können auch ein Hinweis auf Bulimie sein. Deshalb sollten die Mitarbeiter der Zahnarztpraxis für diese Krankheit sensibilisiert sein. Hinweise sind Speicheldrüsenvergrößerungen, Mundtrockenheit, Rötung am Gaumen und im Pharynx, Rhagaden im Lippenbereich, Haut- und Nagelveränderungen des Zeige- und Mittelfingers (Russell’s Zeichen) und Verletzungen respektive Zahnspuren auf dem Handrücken. 

Von Verena Vermeulen, Zahnarzt 4 /2010

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