zur Navigation zum Inhalt
Fotos (2): Styria vitalis
Das Kariesprophylaxeprogramm von Styria vitalis animiert steirische Kinder auf spielerische Weise, erste und bleibende Zähne sorgfältig zu pflegen.

Karin Reis-Klingspiegl Geschäftsführerin von Styria vitalis in Graz

 
Zahnheilkunde 31. März 2010

Karies die Zähne zeigen

Dank der Initiative von Styria vitalis haben sechsjährige Kinder in der Steiermark mittlerweile die zweitbesten Zähne in Österreich.

Der Verein Styria vitalis in Graz konzipiert und realisiert steirische Projekte und Programme mit dem Schwerpunkt Gesundheitsförderung und Prävention. Dazu zählen aktuell die Initiativen „Gesunde Gemeinde“, „Gesunde Schule“, „Naturküche“ und Zahngesundheit für Kinder.

Seit Dezember 2009 koordiniert Styria vitalis neben dem steirischen Kariesprophylaxeprogramm auch das Projekt „Zähne.Zeigen“, in dem 0- bis 4-jährige Kinder aus sozial benachteiligten Familien mit und ohne Migrationshintergrund im Mittelpunkt stehen. Im Interview mit dem Zahn Arzt spricht Styria-vitalis-Geschäftsführerin Karin Reis-Klingspiegl über die Anfänge, Erfolge und Perspektiven der steirischen Kariesprophylaxe-Initiativen für Kinder.

Wie hat sich das steirische Kariesprophylaxe-Programm entwickelt?

REIS-KLINGSPIEGL: Wir haben 1986 in Kinderbetreuungseinrichtungen und 1988 in Volksschulen begonnen. Damals gab es noch einen Selbstbehalt von 30 Schilling pro Kind. Nachdem die Steiermärkische Gebietskrankenkasse im Jahr 1992 zusätzlich zum Land als Geldgeber eingestiegen war, mauserte sich das Projekt zum einzigen flächendeckenden Präventionsprogramm in der Steiermark. Involviert sind mittlerweile rund 99 Prozent der steirischen Volksschulen mit 37.000 Kindern, nur die öffentlichen Volksschulen in Graz werden vom Schulzahnambulatorium betreut. Dazu kommen alle Kindergärten des Landes mit rund 30.000 Kindern. Betreut werden diese Kinder von rund 60 engagierten Zahngesundheitserzieherinnen.

Welche Schwerpunkte werden dabei gesetzt?

REIS-KLINGSPIEGL: Kinderbetreuungseinrichtungen bieten wir die Möglichkeit von vier Prophylaxeterminen, Volksschulen von drei Terminen pro Schuljahr. Die Prophylaxe setzt sich aus einem Gruppenteil zusammen, in dem die Zahngesundheitserzieherin in der Gruppe im Sesselkreis Inhalte auf spielerische Art und Weise und altersgerecht vermittelt. Dabei wird erklärt, wie ein Zahn aufgebaut ist und welchen Sinn ein Zahnarztbesuch hat, um Schwellenängste abzubauen. Auch gesunde Ernährung wird einbezogen. Darauf aufgebaut ist die Kleingruppen-Einheit, in der mit den Kindern aktiv Zähne geputzt wird. Zusätzlich bieten wir einen kostenlosen Elterninformationstermin pro Jahr an, wobei verschiedene Themen – wie z. B. „Saftladen“ bezüglich gesunder Ernährung – zur Auswahl stehen.

Erhalten Sie auch Unterstützung von Zahnärzten?

REIS-KLINGSPIEGL: Die steirischen Experten Univ.-Lektor Dr. Laurenz Maresch, Dr. Ralph Feicht, Chefzahnarzt der Steiermärkischen Gebietskrankenkasse sowie Prim. Doz. Dr. Peter Petrin, ehemaliger Chefzahnarzt der Steiermärkischen Gebietskrankenkasse, stehen uns in der Ausbildung der Zahngesundheitserzieherinnen zur Seite. Maresch und Petrin haben für uns auch die Zahnputztipps „8 Fragen & 8 Antworten zum Thema Zähneputzen“ zusammengestellt, die an die Empfehlungen des Obersten Sanitätsrates angelehnt sind und die als Plakat von unserer Homepage heruntergeladen werden können.

Welche Rückmeldungen bekommen Sie vonseiten der Eltern?

REIS-KLINGSPIEGL: Mittlerweile ist das Kariesprophylaxe-Programm für viele zur Selbstverständlichkeit geworden. Die meisten Eltern nehmen diese Möglichkeit sehr positiv wahr. Bei rund 206.000 Prophylaxeterminen pro Jahr bekommen wir natürlich auch ein paar Anrufe von Eltern, die nachfragen, sich beklagen oder aber auch besonders bedanken.

Bei vielen Kindern mit Migrationshintergrund ist laut epidemiologischen Studien nach wie vor ein Aufholbedarf bei der Mundhygiene wahrnehmbar. Wie gehen Sie auf diese Problematik ein?

REIS-KLINGSPIEGL: Laut Zahnstatus-Erhebungen ist es definitiv so, dass 20 Prozent der Kinder 80 Prozent der Kariesfälle aufweisen. Das betrifft vor allem sozial schwache Familien und hier natürlich auch viele MigrantInnen. Das war für uns auch ein Grund, die Gruppenprophylaxe in den Kindergärten und Volksschulen noch mehr in den Mittelpunkt zu stellen, was auch sichtbare Erfolge gebracht hat. Wir wissen aus ökonomischen Erhebungen, dass ein Euro, der in der Steiermark in eine Zahngesundheitserzieherin investiert wird, mittlerweile immerhin 3,59 Euro an Füllungen spart. Anfangs registrierten wir einen schlechten Zahnstatus mit 27 Prozent kariesfreien sechsjährigen Kindern, mittlerweile sind es rund 62 Prozent kariesfreie Sechsjährige (Stand 2006).

Dennoch werden wir das WHO-Ziel von 80 Prozent kariesfreien Kindern schwer erreichen, wenn wir nicht vermehrt sozial benachteiligte Familien unterstützen. Wir haben daher zu Jahresbeginn mithilfe des Fonds Gesundes Österreich und des Landes Steiermark das Gesundheitsförderungsprojekt Zähne.Zeigen begonnen. Dieses Pilotprojekt in den Grazer Bezirken Eggenberg und Lend und in den steirischen Bezirken Feldbach und Bruck an der Mur versucht, die Lücke der 0- bis 4-Jährigen zu schließen. Wir arbeiten über vorhandene Strukturen, z. B. über Elternberatungsstellen in den beiden Stadtbezirken, wo gezielt Mütter mit kleinen Kindern betreut werden. Dazu haben wir ein kleines Netzwerk an Migrantenvereinen erschlossen. Letztendlich geht es auch darum, in diesen vier Pilotbezirken Erfahrung zu sammeln, wie man dieses Problem rechtzeitig abfangen und die Gruppenprophylaxe in Zukunft noch erfolgreicher machen kann.

Welche weiteren Ziele haben Sie für die kommenden Jahre?

REIS-KLINGSPIEGL: Wir würden gerne diese erwähnte Lücke aller 0- bis 4-Jährigen mithilfe von Tagesmüttern oder Eltern-Kind-Gruppen flächendeckend schließen. Innerhalb des Kariesprophylaxeprogramms ist es uns wichtig, zu schauen, wie das Thema Zahngesundheit noch stärker von Pädagogen/-innen einbezogen werden kann – zum Beispiel, indem das Zähneputzen nach der Jause ermöglicht wird.

Das Gespräch führte Mag. Andrea Fallent

www.styriavitalis.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben