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Pulmologie 9. März 2010

Etagenwechsel bei Grippe-Infektion

Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen wie Asthma oder COPD haben ein erhöhtes Risiko für Komplikationen aufgrund einer Influenza-Erkrankung. Diesen Patienten, ob Kinder, Erwachsene oder Betagte, sollten Ärzte dringend zur vorbeugenden Impfung raten.

Von schweren Komplikationen und Tod durch die A(H1N1)-Epidemie in Österreich waren vor allem jüngere Personen betroffen, die Asthma als Grunderkrankung haben. Das beeinträchtigte Immunsystem kann auf eine Influenza-Infektion nicht adäquat reagieren. Auch bei bestehender COPD erhöht sich die Gefahr von bakteriellen Infekten im Lauf von Grippe-Erkrankungen. Auf die Wichtigkeit der Impfung gegen Grippe wiesen in diesem Zusammenhang kürzlich bei einem Pressegespräch führende Experten hin.

Zehn Prozent der Kinder haben Asthma, so Prof. Dr. Thomas Frischer von der Atem- und Allergieambulanz der Uni-Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde des Wiener AKH. Für diese wie für erwachsene Patienten mit Asthma und chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen bedeute jede weitere Infektionserkrankung eine zusätzliche Verschlechterung ihrer Symptomatik. Exazerbationen, Sinusitis, Otitis und bakterielle Infektionen bis hin zur schweren Lungenentzündung können die Folge sein. Frischer: „Chronische Lungenerkrankungen kompromittieren die lokale Abwehr von Infektionen in den Atemwegen. Daher nimmt der Grippeschutz bei Kindern einen hohen Stellenwert ein.“ In seiner bekannt deutlichen Art formulierte Prof. DDr. Wolfgang Graninger sein Credo für die vorbeugende Immunisierung: „Lasset uns impfen, solange ihr noch Luft bekommt!“

Mit gutem Grund. Die zwar nicht ganz so massiv wie vorerst befürchtet grassierende Schweinegrippe brachte manchen jungen Menschen schwere Komplikationen. So wurden allein in Wien zehn Patienten mit ECMO-Geräten intensiv-versorgt. ECMO steht für extrakorporale Membranoxygenierung, eine Technik, die bei Lungenversagen das Blut außerhalb des Körpers mit Sauerstoff anreichert und so Leben rettet.

Auch bei COPD-Patienten darf nicht darauf vergessen werden, dass der Hals-Nasen-Rachenraum mit den Lungen eine funktionelle Einheit bildet, Stichwort: „United Airways“. Antibiotika wirken in den Nebenhöhlen kaum, der Sekretabfluss sorgt für das Weitertragen der bakteriellen Infektionen in die tieferen Etagen des Atemsystems. Behandelnde Allgemeinmediziner, HNO- und Lungenfachärzte sollten ihre Patienten über diese Wechselbeziehungen zwischen der Grippeerkrankung und den damit einhergehenden bakteriellen Infektionen gezielt informieren und sie auf Präventionsmaßnahmen wie die Grippeimpfung hinweisen.

Impfung beugt vor

Die Impf-Compliance lässt freilich zu wünschen übrig. Vor allem Männer, weiß Graninger, verweigern die Grippe-Impfung häufig, schlicht aus Angst vor dem Stich: „Wenn der die Spritze sieht, fällt er schon um.“ Impfstoffe, die nicht injiziert werden müssen, sind daher die Hoffnung der Mediziner. In der Pipeline sind Impfstoffe, die intradermal oder intranasal appliziert werden können. Vor allem auf die Pforte über die Nasenschleimhaut setzen die renommierten Mediziner große Hoffnungen, Impfung durch einen Stoß mit dem Nasenspray. Der Vorstand der HNO-Universitätsklinik im Wiener AKH, Prof. Dr. Wolfgang Gstöttner, nennt diesen Impfweg „Zukunftszugang“. So laufen derzeit einige klinische Studien, die sich dem Problem des Etagenwechsels widmen. „Die Herausforderung der nächsten Zeit wird sein“, so Gstöttner, „Medikamente zu entwickeln, die Viren bereits an der Eintrittspforte binden und in den oberen Atemwegen auffangen, um einen Übergriff auf Lunge und Bronchien verhindern.“

 

Quelle: Sechster P-Air Presseclub am 23. Februar 2010: Grippesaison setzt Asthmatikern und Menschen mit Raucherlunge besonders zu.

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