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Endokrinologie 2. März 2010

Die großen Fragen der Menschheit

Alterspräventive Medizin an der Wiege der europäischen Kultur.

Bereits zum zweiten Mal wird Anfang Mai ein wissenschaftliches Fortbildungsprogramm für Gynäkologen und Endokrinologen an historisch bedeutsamen Plätzen im Rahmen einer auch kulturell geführten Reise abgehalten.

Mit Recht wird von Ärzten nicht nur hohe medizinische Sachkenntnis verlangt, sondern auch ein ausreichendes Maß an Herzensbildung. Deswegen wurde der Versuch unternommen, bisherige wissensvermittelnde Kongresse durch eine humanistische Weiterbildung zu ergänzen, bei der am Genius Loci, an historischen Stätten, die grundsätzlichen Fragen gestellt werden, die nicht nur die europäische Geistesgeschichte begleiteten, sondern auch für das Gespräch mit den Patienten einen Impact haben: woher komme ich? Wohin gehe ich? Was ist der Sinn? Was können wir wirklich erkennen? Was dürfen wir hoffen? Was müssen wir tun? Was ist der Mensch? Wie wurden, von der Antike beginnend, die großen Fragen nach Schuld und Sühne, nach freiem Willen und Verantwortung, nach Physik und Metaphysik beantwortet?

Diese Fragen werden an historischen Stätten von Ephesus und Pergamon diskutiert werden, die über die größten Bibliotheken der Antike verfügten und in denen das griechische bzw. hellenistische Denken geprägt wurde. Von Ephesus verbreitete sich das Christentum in die hellenistische Welt, deren Symbole die Frühchristen für ihre Botschaft verwendeten.

Die medizinische Fortbildung versucht sich diesem weltanschaulichen Fragekatalog anzupassen und hat als ein Hauptthema „Die fetale Programmierung in der Schwangerschaft“. Dabei werden Daten präsentiert, die zeigen, dass die Schwangerschaft die wichtigste Prägephase unseres Lebens ist, in der über epigenetische Mechanismen die Weichen für unser späteres Leben gestellt werden: für Stressbewältigung, für die Sexualität und für Konfliktlösungen. Die Zuwendung der Mutter schlägt sich über bekannte epigenetische Veränderungen im Gehirn nieder und bleibt uns über Jahrzehnte erhalten. Aber auch Herz-Kreislauferkrankungen, das Metabolische Syndrom und die Osteoporose, die oft erst im Alter auftreten, sind bereits in der Jugend determiniert. Dies hat auch einen Einfluss auf den freien Willen.

„Window of Opportunity“

Neben der Schwangerschaft haben die ersten Lebensjahre, aber auch die Pubertät die Funktion eines „Window of Opportunity“. Mit den Geschlechtshormonen wird die Genverpackung noch einmal moduliert – später können nur mehr kleine Änderungen vorgenommen werden.

Diese Erkenntnisse zeigen die Verantwortung, die eine Gesellschaft für Schwangere hat, aber auch für die Kinder in den ersten Lebensjahren und in der Pubertät, wo diese die epigenetischen Konfliktlösungsmodelle oft nicht von Bezugsmenschen lernen, sondern vom Fernsehen. Neueste Untersuchungen zeigen, dass es für hormonabhängige Karzinome, vor allem für das Mammakarzinom, wesentlich gefährlichere Risikofaktoren gibt als die Hormone, die aber in der Vergangenheit bei weiten nicht so ostentativ genannt wurden. Dazu zählen die Übergewichtigkeit, der Alkoholkonsum und die Bewegungsarmut. Die „präventive Medizin“ versucht das Wissen zusammenzufassen und auch praktisch anzuwenden, das uns ermöglicht, „Vorbeugung“ im wahrsten Sinn des Wortes zu machen. Dazu gehören auch das Ausgleichen des Vitamin-D-Mangels sowie die Substanz des magischen Krautes, das Epigallocatechin Gallat des grünen Tees.

Medizin – spezifisch für Frauen

Die medizinische Forschung zeigt uns – der dritte Schwerpunkt – immer neue Beispiele der frauenspezifischen Medizin: Warum leiden Frauen häufiger an Rheuma und Asthma, warum sind sie in der zweiten Lebenshälfte depressiver und warum haben sie mehr Gewichtsprobleme – verglichen mit dem männlichen Geschlecht? Auch hier hat die Frauenheilkunde neue Erkenntnisse, die man nun an einer geschlechtsspezifischen Diagnose und Behandlung klinisch umzusetzen beginnt.

Prof. DDr. Johannes Huber, Leiter der klinischen Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin, MedUni Wien.

www.mondial-medica.at/wissenschaft-auf-reisen-2010

Von Prof. DDr. Johannes Huber, Ärzte Woche 9 /2010

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