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Diabetologie 14. Jänner 2010

Den Blutzucker besser im Griff?

Ob nicht insulinpflichtige Patienten mit Typ-2-Diabetes von der Zucker-Selbstmessung profitieren, ist unklar.

Entgegen einer weit verbreiteten Annahme gibt es keinen Beleg dafür, dass nicht insulinpflichtige Patienten mit Typ-2-Diabetes von einer Blutzuckerselbstmessung profitieren. Es ist zudem unklar, ob der Bluttest gegenüber dem Urintest einen Zusatznutzen aufweist. Die Studienlage ist aber noch unzureichend, weil die wenigen Untersuchungen, die zur Klärung für diese Fragen geeignet wären, für viele Patienten wichtige Aspekte nicht oder zuwenig berücksichtigen. Aufgrund ihrer kurzen Laufzeiten erlauben sie zudem keine Aussagen zum langfristigen Nutzen einer Blutzuckerselbstkontrolle. Zu diesem Ergebnis kommt der im Dezember 2009 veröffentlichte Abschlussbericht des deutschen Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).

 

Ausgangspunkt ist die Annahme, dass die Blutzuckerselbstmessung Patienten bei der Umstellung ihres Lebensstils unterstützt. An den Messwerten sehen sie, wie sich Ernährung und körperliche Aktivität auf den Blutzuckerspiegel auswirken, und sie können daraufhin geeignete Lebensstilmaßnahmen für eine gute Blutzuckerkontrolle ergreifen. Im Ergebnis müssten der Blutzuckerspiegel langfristig besser eingestellt und Akut- und Langzeitkomplikationen vermindert sein.

Überblick über sechs Studien

Um zu überprüfen, ob sich die oben beschriebenen Annahmen auch wissenschaftlich nachweisen lassen, suchte das IQWiG nach vergleichenden Studien mit und ohne Selbstmessung. Die Selbstmessung konnte dabei auch Bestandteil eines komplexen Schulungs- und Behandlungsprogramms sein.

Sechs randomisierte kontrollierte Studien konnten gefunden werden, die geeignet sind, den Einfluss von medizinischen Maßnahmen auf den Krankheitsverlauf bei nicht insulinpflichtigen Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 zu untersuchen. Bei allen einbezogenen Studien war eine Schulung Bestandteil der jeweiligen Therapiestrategie. Alle sechs Studien hatten den Nutzen der Blutzuckerselbstmessung untersucht, geeignete klinische Vergleiche zur Urinzuckerselbstmessung wurden nicht identifiziert. Die Laufzeit der eingeschlossenen Studien betrug zwischen sechs und zwölf Monaten.

Nutzen nicht erwiesen

Bei der gemeinsamen Auswertung der einbezogenen Studien zeigt sich, dass durch die Blutzuckerselbstmessung die Senkung des Blutzuckers unterstützt wird. Der Unterschied im Vergleich zu der Gruppe, die keine Selbstmessung durchgeführt hatte, war jedoch nur marginal. Er bewegte sich in einem Bereich, den man bei der Zulassung von Medikamenten akzeptiert, um ein neues Medikament als „nicht unterlegen“ gegenüber alten Medikamenten zu bezeichnen. Es ist also kein gesundheitlicher Vorteil von diesem Unterschied zu erwarten.

Veränderungen des HbA1c-Werts müssen immer in Abhängigkeit von auftretenden Hypoglykämien bewertet werden. Die sechs Studien zur Blutzuckerselbstmessung waren dafür aber ungeeignet. Ein Vorteil bei Unterzuckerungen ist somit nicht belegt. Zudem bleibt unklar, ob die Zuckerselbstkontrolle dazu beigetragen hat, dass Patienten ihren Lebensstil ändern konnten.

In der Gesamtschau kommt das IQWiG zum Ergebnis, dass sich ein Nutzen der Blutzuckerselbstkontrolle durch die verfügbaren Studien nicht belegen lässt. Mangels Studien zur Urinzuckerselbstmessung können auch keine Aussagen zu einem Vergleich von Urin- und Blut-Test getroffen werden.

 

 

http://www.iqwig.de/index.559

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