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Praxis 7. Jänner 2010

Wie gesund sind unsere Praxen?

Die Gesundheit von Mitarbeitern in Ordinationen ist oft ein blinder Fleck – Teil 1.

Unsere mehrteilige Serie „Gesundheitsförderung in der Ordination“ zeigt, dass Gesundheitsmanagement nicht dem Zufall überlassen werden darf. Gesundheitsförderung setzt an der bewussten Analyse und Weiterentwicklung aller Abläufe an.

 

Krankheit und der Umgang damit stehen in der Ordination auf der Tagesordnung. Aber Gesundheitsförderung im „Unternehmen Arztpraxis“, also für die dort Beschäftigten selbst, ist viel zu selten Thema. „Arztpraxen sind verwaltungsorientiert“, stellt Dr. Franz Witzmann fest. „Ein häufig anzutreffendes Motto ist: ‚Hauptsache, der Laden läuft‘“, kritisiert der klinische Psychologe und Gesundheitspsychologe, der unter anderem mit der Ärztekammer Oberösterreich zusammenarbeitet. Betriebliche Gesundheitsförderung ist eng mit der Organisation der Abläufe verknüpft, das gilt auch für die Arztpraxis. „Der Arzt agiert allerdings selten als Führungskraft. So gibt es kaum strukturierte Mitarbeitergespräche oder die Analyse von Prozessen und Abläufen im Team“, so Witzmann. Jeder arbeitet irgendwie in seinem Bereich – was dort wie geschieht, scheint quasi schicksalhaft vorgegeben und damit unveränderbar zu sein.

Witzmann: „Leider wird betriebliche Gesundheitsförderung generell oft mit einer Aneinanderreihung von Einzelmaßnahmen verwechselt.“ Notwendig sei das bewusste Herangehen – damit bestünde die Chance, dass die Ordination in Sachen Gesundheit ihrem Vorbildcharakter gerecht wird.

Was sagen die Patienten?

Ein erster Schritt ist die gemeinsame Analyse der Organisation – was läuft gut und wo gibt es Probleme? Als möglichen Ausgangspunkt sieht Witzmann Patientenbefragungen, die solche Felder transparent machen. Die Analyse sollte Ausgangspunkt für eine gute Aufgabenverteilung im Team und die Übernahme von konkreten Bereichen sein. „So kann beispielsweise jemand für das ganze Feld der Gesundheitsförderung in der Ordination zuständig sein, wie auch jemand die Koordination, Planung und Umsetzung der Terminvergabe übernimmt.“ Für Witzmann besonders wichtig ist dabei das Festlegen von konkreten Zielen, die nach einer gewissen Zeit überprüft werden. Zu den Zielen sollte auch die Art und Weise des gegenseitigen Umgangs im Team zählen und welche gegenseitigen Wünsche und Bedürfnisse hier bestehen.

Ein weiterer Fixpunkt sollte in diesem Rahmen die Analyse der einzelnen Arbeitsplätze sein. Dabei geht es etwa um die konkrete Umsetzung von gesetzlichen Auflagen im Bezug auf den Umgang mit verschiedenen Gefahrenstoffen oder deren fachgerechte Entsorgung. Ein ebenso wichtiges Thema ist die ergonomische Gestaltung von Sitzen, Tischen, Behandlungstischen usw. sowie die dort mögliche (oder beschränkte) Bewegungsfreiheit (zu diesem Thema wird es in dieser Serie einen eigenen Beitrag geben – siehe Kasten).

Eng mit der Arbeitsmotivation und Belastbarkeit verbunden sind Rahmenbedingungen wie Temperatur, Beleuchtung, Belüftung und die generelle Gestaltung des unmittelbaren Arbeitsumfelds. Gerade in einer Ordination geht es dabei auch um die gewählte Farbe der Wände, Bilder an der Wand oder den gezielten Einsatz von Pflanzen. Zudem sollte bewusst analysiert werden, welche Bau- oder Ausstattungsfaktoren sich negativ auf die Qualität der Innenraumluft und das Raumklima auswirken könnten. Ein weiteres Feld ist hier das Thema Elektrosmog und dessen gezielte Vermeidung.

Ob sich ein Mensch in einem Raum wohl fühlt, steht natürlich in engem Zusammenhang mit der Gesundheit – das gilt sowohl für die Patienten als auch für die Menschen, die in einer Ordination arbeiten. Ein sehr wichtiger Raum ist das Wartezimmer, hier zählen die Gestaltung der Sitzmöbel ebenso wie die gesamte Atmosphäre. „Dazu gehören dann auch gezielt ausgewählte und regelmäßig aktualisierte Informationen in Wort und Bild rund um das Thema Gesundheit“, betont Witzmann.

Gerade an einem Arbeitsplatz wie einer Ordination, an dem Stress ein sehr starkes Thema ist, sollte der aktive Umgang mit dem Thema Sucht mehr als eine gern wiederholte Empfehlung an Patienten sein. Auch die Mitarbeiter der Ordination sind gefährdet. Oft geht es in diesem Feld um Alkohol- oder um Medikamentenmissbrauch. Dieser kann sich in höheren Krankheitsständen, in häufigen Fehlern in sonst gut funktionierenden Abläufen und in sozialer Isolation zeigen. Suchtprävention hat dabei viel mit der Stärkung der einzelnen Person zu tun – die bei Themen wie Mitbestimmung und aktiver Mitgestaltung der Abläufe in einer Ordination unterstützt werden kann.

Kasten:
Serie: Arbeitsprinzip Gesundheitsförderung
In dieser Serie geht es um ein Thema, das sich viele Ordinationen zwar nach außen auf die Fahne heften, nach innen jedoch oft wenig gelebt wird. Die bewusste Gestaltung des „Arbeitsplatzes Ordination“ hat nicht nur Auswirkungen auf die Patienten, sondern auf das gesamte Team.
Der erste Teil betont die Initiierung von Prozessen, die Gesundheitsförderung als Arbeitsprinzip und Haltung etablieren. Der Umgang mit Stress und Burn out ist Thema des zweiten Teils. Im Weiteren geht es um die ergonomische Gestaltung der Arbeitsplätze in der Ordination und den Faktor Bewegung als wichtigen Teil von Gesundheitsförderung. Ebenso wird ein Fokus auf die richtige Ernährung gelegt.

Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 1 /2010

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