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Mit teilweiser drastischer Antiwerbung versuchen Präventivmediziner den Rauchern die Konsequenzen ihres Lasters deutlich vor Augen zu führen.
 
Pulmologie 13. Jänner 2009

„Nichtgenügend“ für Österreich

Der EU-Nichtraucherschutz wird hierzulande unzureichend umgesetzt.

Das Ergebnis einer EU-weiten Untersuchung über die Kohlenmonoxidkonzentrationen (CO) in der Ausatemluft stellt österreichischen Lungen ein schlechtes Zeugnis aus. Während in anderen EU-Staaten die durch Rauchen bedingte CO-Belastung über die zweijährige Testdauer hinweg zurückging, stieg sie hierzulande an. Für den Präventivmediziner Manfred Neuberger, der die Messungen mit durchführte, sind die Ergebnisse auch die Konsequenz einer unzureichenden Tabak-Politik.

In der EU sterben jährlich etwa 650.000 Menschen an den Folgen ihres Tabakkonsums. Hinzu kommen die gesundheitlichen Auswirkungen für die Nichtraucher, die notgedrungen mitinhalieren. Angesichts dieser Problematik hat die Europäische Kommission im Jahr 2005 die Kampagne „HELP – für ein Leben ohne Tabak“ initiiert. Durch sie will man nicht nur mehr Bewusstsein für die Gefahren des Rauchens schaffen, sondern auch die Problematik des Passivrauchens thematisieren.

Raucher wissen mitunter gar nicht, was sie ihrem Körper antun: Während die zulässigen CO-Konzentrationen in der Außenluft mit 8,5 ppm (parts per million) festgelegt sind, liegen die Kohlenmonoxid-Anteile in der Ausatemluft von rauchenden Frauen und Männern im EU-Mittel bei 17,5 ppm. Und durch Passivrauchen erreicht man immerhin noch eine mittlere CO-Belastung von 5,2 ppm.

Präzise Messung

Warum hat man gerade das Kohlenmonoxid als Messparameter für die gesundheitliche Belastung von Rauchen herangezogen? CO entsteht bei unvollständiger Verbrennung, wird rasch ins Blut aufgenommen und bindet an das Hämoglobin. Daher kann der Blutfarbstoff nicht nur weniger Sauerstoff zu den Organen und Geweben transportieren; die gebundenen Sauerstoffmoleküle können darüber hinaus durch das CO schwerer im Gewebe abgegeben werden. In Verbindung mit den im Rauch enthaltenen Feinstaubpartikeln kann CO auch zu Gerinnungsstörungen führen. Und obwohl die mit dem Zigarettenrauch inhalierten Feinstaubpartikel und Kanzerogene kaum weniger gefährlich sind, hat Kohlenmonoxid den Vorteil, dass es einfacher zu messen ist, wenn man aufzeigen will, dass Rauchen – vor allem im öffentlichen Raum – nicht Privatsache sein kann, weil es auch andere in Mitleidenschaft zieht. Und das war eben eine der Zielsetzungen der EU-weiten Untersuchung.

Generelles Rauchverbot sinnvoll

Immerhin zeigen Studien, dass das Risiko einer Koronarerkrankung mit der Dauer des Passivrauchens kontinuierlich ansteigt – so Prof. Dr. Manfred Neuberger, der Leiter der Abteilung für Präventivmedizin am Institut für Umwelthygiene der Medizinischen Universität Wien – bei der Präsentation der Kohlenmonoxid-Testergebnisse. Bei starkem Passivrauchen, dem etwa ein Kellner ausgesetzt ist, steige das Risiko noch deutlicher an und sei mit jenem eines „mäßigen Aktivrauchers“ vergleichbar. Die Studienergebnisse bestärken den engagierten Streiter für ein „rauchfreies Österreich“ in seiner Forderung nach einem generellen Rauchverbot an allen öffentlichen Plätzen und Arbeitsstätten. Immerhin konnte in europäischen Ländern, in denen es entsprechende Gesetze gibt, die CO-Belastung von Nichtrauchern halbiert werden. Neuberger kämpft vor allem für den Schutz der Arbeitnehmer und bekommt nunmehr Unterstützung vom EU-Arbeitskommissar Vladimir Spidla, der am 28. November in einem Ö1-Radio-Interview für ein EU-weit einheitlich geregeltes generelles Rauchverbot am Arbeitsplatz eintrat – ohne Ausnahmen für die Gastronomie. Durch diese Maßnahme könnten 7.000 Todesfälle durch Passivrauchen verhindert werden. Doch in der EU wurden sofort nach Vorpreschen von Spidla die ersten Gegenstimmen laut. Man warf den EU-Behörden vor, sozusagen über den Arbeitnehmerschutz Kompetenzen an sich reißen zu wollen, denn Fragen der Gesundheit seien eigentlich Sache der einzelnen Mitgliedsstaaten.

Das mit 1. Jänner 2009 in Österreich in Kraft tretende novellierte Tabakgesetz (je nach Größe des Lokals muss es dann ein Raucherzimmer geben oder der Besitzer muss es als Raucher- oder Nichtraucherlokal definieren) biete laut Neuberger jedenfalls keinen ausreichenden Schutz für Nichtraucher und Personal. Abgesehen davon sei Österreichs Tabakpolitik insgesamt mehr als unzureichend. Nach dem Tobacco Control Score, der die Effizienz der Tabakpolitik nach bestimmten Faktoren (steuerliche Einflussnahme, Nichtraucherschutz, Präventionsmaßnahmen, strenge Werbeverbote, Warnhinweise, Angebote für Ausstiegshilfen etc.) bewertet, landete das Vereinigte Königreich mit 93 von 100 erreichbaren Punkten auf Rang 1 und Österreich mit 35 Punkten auf Rang 30 – auf dem letzten Platz.

Würde man sich auch in Österreich für ein generelles Rauchverbot an öffentlichen Plätzen und an Arbeitsstätten entscheiden, brächte das auch den Rauchern selbst etwas, sagt Neuberger und verweist auf Kalifornien, wo „rauchfreie Arbeitsplätze ohne Ausnahme die Aufhörrate stärker als alle medikamentösen Hilfen beeinflusst haben“. n

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Mit teilweiser drastischer Antiwerbung versuchen Präventivmediziner den Rauchern die Konsequenzen ihres Lasters deutlich vor Augen zu führen.

Von Eveline Schütz, Ärzte Woche

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