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Häufig erkennen Kinder und deren Eltern die Diabeteserkrankung erst aufgrund der Ketoazidose.
 
Diabetologie 22. September 2009

Typ-1-Diabetes früh erkennen – dramatische Ereignisse verhindern

Plakate sollen Kinder und Betreuer auf die typischen Symptome aufmerksam machen.

Mit einer Posteroffensive wird ab Herbst 2009 auf die wichtigsten Krankheitssymptome von Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen hingewiesen. Damit läuft die erste Informationskampagne zur Prävention der diabetischen Ketoazidose (DKA) bei Erstmanifestation der Erkrankung an. Diese steht unter der Schirmherrschaft der Österreichischen Diabetes Gesellschaft (ÖDG) und der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ).

 

Zwei Poster sollen Eltern wie Kinder auf die Symptome aufmerksam machen. Sie werden einerseits in Arztpraxen und Apotheken und andererseits in Schulen aufgehängt werden. Beide informieren kurz und prägnant über die wichtigsten Warnhinweise zur Früherkennung des Diabetes und werden in einer Auflage von insgesamt 40.000 gestreut.

Die Inzidenz des Diabetes mellitus Typ 1 bei Kindern und Jugendlichen unter 15 Jahren nimmt zu, in Österreich hat sie sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Die überwiegende Mehrzahl von 95 Prozent der Kinder erkrankt am Typ-1-Diabetes. Je jünger, desto schneller können die Kinder eine Ketoazidose entwickeln. Daher ist die rasche Diagnosestellung essenziell. In vielen Fällen ist auch Ärztinnen und Ärzten die Dringlichkeit der Diagnose nicht bekannt, oder die Symptome werden nicht als Diabetessymptome interpretiert.

Anzeichen von Diabetes

Die ersten Anzeichen für den Typ-1-Diabetes sind vermehrter Harndrang, gesteigerter Durst, allgemeine Schwäche/Müdigkeit, Nachlassen der Schulleistungen und Gewichtsverlust. Manche Kinder nässen nachts wieder ein. Die Dauer der Symptome reicht von Tagen bis wenige Wochen.

In diesem Fall sollte das Kind unverzüglich einen Arzt aufsuchen. Die nötigen Maßnahmen für die Abklärung sind Harnkontrolle auf Glucose/Keton und die Kontrolle des Blutzuckers mittels Fingerstich. Weitere Untersuchungen wie die Bestimmung des HbA1c-Werts können dann an der Klinik bestimmt werden. Es ist bei Kindern mit Verdacht auf Diabetes mellitus meist nicht notwendig, eine Nüchtern-Blutzucker-Bestimmung durchzuführen. Wenn die Blutzuckerwerte deutlich erhöht sind, ist auch ein oraler Glucosetoleranztest meist nicht notwendig.

Das Ziel der Kampagne ist, in ganz Österreich Eltern, Kinder, Betreuungspersonen und auch Ärzte auf die typischen Symptome (vermehrtes Trinken, Harnlassen, Müdigkeit, Gewichtsverlust etc.) aufmerksam zu machen. Die Dauer dieser Symptome reicht von wenigen Tagen bis einige Wochen. Wenn diese Kinder frühzeitig einem Arzt vorgestellt und früher behandelt werden, kann, so die Hoffnung, die zurzeit bei 35 Prozent liegende Rate der diabetischen Ketoazidose und die damit verbundenen Komplikationen wie Hirnödem, bleibende neurologische Schäden oder Tod deutlich gesenkt werden. Die Erkrankung selbst kann freilich nicht verhindert werden.

Früherkennung rettet Leben

Initiiert wurde die Kampagne „Defeat DKA and save lives“ von der International Diabetes Federation (IDF) nach einem sehr erfolgreichen Projekt von Prof. Dr. Maurizio Vanelli von den Abteilungen für Pädiatrie in Parma und Chieti, Italien. Er konnte mit einer Posterkampagne die DKA-Rate von 78 Prozent auf 12,5 Prozent senken. (Vanelli, M., et al., Campaign for diabetic ketoacidosis prevention still effective 8 years later. Diabetes Care, 2007. 30(4)).

Bei klassischen Symptomen und Hyperglykämie und/oder Glukosurie/Ketonurie sollten die Kinder/Jugendlichen umgehend an eine Kinderabteilung zur Therapieeinstellung überwiesen werden.

Bei Patienten mit fehlender klinischer Symptomatik, aber nachgewiesener Hyperglykämie und/oder Glukosurie (dies kann z. B. transient im Rahmen eines Infektes auftreten), sollte eine Kontaktaufnahme sowie eine weitere Abklärung in einem Zentrum für pädiatrische Diabetologie erfolgen.

 

http://www.worlddiabetesday.org/en/the-campaign/diabetes-and-children/dka-awareness

Tabelle:
Diagnosekriterien
Es gelten in der Pädiatrie die gleichen Diagnosekriterien wie bei den Erwachsenen, lediglich die Glukosebelastung beim oralen Glukosetoleranztest (oGTT) ist gewichtsbedingt unterschiedlich:
 Plasma  Vollblut  
Nüchtern-Wert (mg/dl) Venös Kapillär Venös Kapillär
Normal < 100 < 100 < 90 < 90
Gestörte Nüchternglukose 100–125 100–125 90–109 90–109
Diabetes mellitus ≥ 126 ≥ 126 > 110 > 110
2-h Wert mg/dl (1,75g/kgKG oGTT)        
Normale Glukosetoleranz < 140 < 160 < 120 < 140
Gestörte Glukosetoleranz 140–199 160–219 120–179 140-199
Diabetes mellitus ≥ 200 ≥ 220 ≥ 180 ≥ 200

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