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Pflege 1. September 2009

Der Ventilator schützt Leben

Der Körper von alten Menschen kann sich extremen Temperaturschwankungen nur langsam anpassen.

Extreme Temperaturen im Sommer setzen alten Menschen, Patienten mit chronischen Krankheiten und auch Obdachlosen am meisten zu und bringen sie oft sogar in Lebensgefahr. Das berichten Forscher der Universität Ottawa im Canadian Medical Association Journal. Kühlende Ventilatoren retten Leben.

Für Menschen der Altersgruppe ab 60 Jahren erhöht sich bei Hitze das Sterberisiko um bis zu 92 Prozent, ergab die Analyse von Patientendaten. Daneben leiden Senioren im Sommer oft an Krankheiten und Verletzungen, die von Hitze ausgelöst werden, wie etwa Schlaganfall, Erschöpfung oder Hitzekrampf. Dieses Schicksal teilen alte Menschen mit Patienten, die an Adipositas, Kardiovaskulären Erkrankungen, Diabetes oder Atembeschwerden leiden. Alle diese Vorbedingungen reduzieren die Fähigkeit des Körpers, sich an größere Temperaturschwankungen entsprechend anzupassen.

Verzögerte Regulation im Alter

Warum sonst gesunde Pensionisten so schlecht gegen die Hitze gewappnet sind, zeigten physiologische Studien im Labor. Im Alter spürt der Körper die Hitze erst später und kann viel langsamer mit kühlenden Maßnahmen reagieren, wozu etwa eine Änderung der Blutverteilung im Körper und Schwitzen zählen. Weiters verzögert sich auch die Fähigkeit, Durstgefühl zu entwickeln und rasch darauf zu reagieren, und die Erholung von einer Dehydrierung des Körpers ist weit langwieriger. „Ungeklärt ist, ob die verschlechterte Wärmeregulierung den ganzen Körper betrifft oder bloß die lokalen Mechanismen des Wärmeverlustes wie Schwitzen oder Blutfluss“, so Studienautor Glen Kenny.

Soziale Einflüsse

Senioren mit niedrigem Einkommen und Bildungsstand waren in der Erhebung mehr gefährdet, was die Autoren auf die schlechtere Wohnqualität zurückführen, zudem auch Menschen in sozialer Isolation. Betroffen sind auch Obdachlose, weil sie sich besonders schlecht vor extremer Hitze schützen können und zusätzlich oft an körperlichen oder geistigen Problemen leiden.

Hinweise auf Hitzeschutz geben

„Ärzte und Gesundheitsbedienstete sollen sich des Risikos stärker bewusst werden, damit sie Betroffene im richtigen Umgang mit Hitze beraten können“, fordern die Autoren. Klimaanlagen verringern laut Studie das Sterberisiko um 80 Prozent, Ventilatoren immerhin noch 30 Prozent. „Bisher ist der Hitzeschutz bei Senioren vor allem in Pflegeheimen ein Thema“, erklärt Dr. Peter Zeman vom Deutschen Zentrum für Altersfragen in Berlin. So sei es wichtig, dass das Pflegepersonal bei Hitze für eine erhöhte Flüssigkeitszufuhr sorgt. Je nach den örtlichen Verhältnissen müssten auch die Räumlichkeiten kühl gehalten werden.

Das Thema Hitzeschutz bei alten Menschen wird in Zukunft wohl immer aktueller werden. Nicht nur wegen des demografischen Wandels, sondern auch infolge der globalen Erwärmung. Die positive Seite des Klimawandels durch den Treibhauseffekt ist, dass die Zahl der kältebedingten Todesfälle zurückgeht. Im Gegenzug steigt jedoch die Zahl der jährlichen Hitzetoten. Landschaftsökologe Jürgen Breuste von der Universität Salzburg weist darauf hin, dass sich die Städte zunehmend erwärmen, Gegenmaßnahmen seitens der Stadtplanung sind nötig. Grünflächen und Parks bringen auch für die umliegenden Straßen Kühlung. Sie sind also besonders für die Gesundheit von Hitze-vorbelasteten Menschen und Pensionisten wichtig.

Literatur: CMAJ 2009. DOI:10.1503/cmaj.081050

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