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Foto: MSW
Prof. DDr. Johannes Huber Leiter der Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und reproduktive Medizin an der Univ.-Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, Medizinische Universität Wien
 
25. August 2009

Antiaging auf den Spuren der Pharaonen

Ärztereise verbindet Wissensvermittlung und Bildung an den historischen Zentren der alterspräventiven Medizin.

„4.000 Jahre Sehnsucht nach der Unsterblichkeit“ lautet das Motto eines erstmalig organisierten Kongresses, der gynäkologisch-endokrinologische Seminare an historisch bedeutsamen Stätten des alten Ägyptens auf dem Programm hat. Die wissenschaftliche Leitung teilen sich Prof. DDr. Johannes Huber, Prof. Dr. Markus Metka und Dr. Wolfgang Clementi. Als kunsthistorischer Begleiter fungiert Prof. Dr. Wilfried Seipel, ehemaliger Generaldirektor des Kunsthistorischen Museums Wien.

 

Prof. DDr. Johannes Huber, Leiter der Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und reproduktive Medizin an der Univ.-Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, Medizinische Universität Wien, erklärt im Gespräch mit der Ärzte Woche die Hintergründe dieser wissenschaftlichen Reise zu den Wurzeln menschlicher Weisheit und berichtet über die Highlights dieser Veranstaltung.

 

Warum findet ein Kongress zum Thema Altersprävention ausgerechnet im Oktober im südlichen Ägypten statt?

HUBER: Man muss in der Medizin zwischen Wissen und Bildung unterscheiden. Wissen wird – hoffentlich – bei jedem Kongress vermittelt, die Bildung kommt jedoch bei vielen Kongressen zu kurz. Die Gesellschaft steht mitunter auf dem Standpunkt, Kongresse dürften nur Wissen vermitteln, aber nicht Bildung. Denn Letztere wird mit Vergnügen assoziiert, als schlecht angesehen und darf daher nicht von der Steuer abgesetzt werden. Das ist meiner Meinung nach eine Ungerechtigkeit, um nicht zu sagen ein falsches Prinzip, denn man erwartet vom Arzt nicht nur Wissen, sondern auch eine gewisse Herzensbildung und Sekundärtugenden. Wenn daher ein Kongress versucht, auf der einen Seite Wissen zu vermitteln und auf der anderen Seite an den Stätten der Weisheit der Menschheit Reflexionen über den Tod, das Sterben und Themen, die die Medizin sehr wohl betreffen, mit einschlägigen Experten – denn Prof. Seipel ist ein hervorragender Ägyptologe – anzustellen, dann ist das in meinen Augen etwas, für das sich niemand genieren muss. Das ist keine Vergnügungsreise, sondern eine Bildungsreise, auf der auch Wissen vermittelt wird.

 

Gibt es für diese Reise ein Sponsoring bzw. wer lädt hier ein und wie viel zahlen die Ärzte selbst?

HUBER: Es gibt keinerlei finanzielle Zuwendung, alle Teilnehmer kommen für die vollen Kosten auf.

 

Wer sind die Zielgruppen für diese Reise?

HUBER: Zielgruppe sind vor allem die Gynäkologen, aber nicht ausschließlich, denn das zentrale Thema ist Prävention. Wie kann man Krankheiten vorbeugen – das ist ein wesentlich schönerer Begriff als das Schlagwort Anti-Aging, das abgegriffen ist? In der Vorbeugung kann man von der ägyptischen Medizin sogar etwas lernen. Wobei das Interessante von meiner Seite gesehen ist, dass zu jeder Zeit physikalische Erkenntnisse die Philosophie geformt haben. Als Galilei zum ersten Mal auf die Planeten geschaut hat, ist das mechanistische Planetensystem entstanden und daraus die mechanistische Weltanschauung. Durch Relativitätstheorie und Quantenphysik hat sich in der Physik ein Weltbild völlig verändert, und das wird natürlich auch à la longue auf das geistige, intellektuelle Weltbild übertragen und tut es teilweise schon.

 

Was haben die alten Ägypter mit der Quantenphysik zu tun?

HUBER: Die Ägypter hatten die Grundeinstellung, dass die Energie, wie sie sich im Körper materialisiert, beim Tod erhalten bleibt und in irgendeiner Weise wieder materialisiert. Die großen steinernen Zeugen der Pyramiden und Tempel geben letztendlich Kunde davon. Die großen Fragen „Woher kommt der Mensch und wohin gehen wir?“ haben sie so beantwortet. Angesichts der völlig neuen physikalischen Interpretation der Wirklichkeit hat das natürlich auch einen gewissen Reiz und intellektuellen Sex-Appeal. Der geisteswissenschaftliche Hintergrund der Ägyptenreise ist aus meiner Sicht, dass die Jenseits-Vorstellungen nicht als archaische Dummheit abgetan werden können. Möglicherweise gibt es eine Relation oder Interaktion zwischen Energie und Materie – was weltanschaulich individuell unterschiedlich interpretiert werden kann. Weltanschauung ist ja letztlich Interpretation. Das ist quasi der ideologische Background.

Dazu kommen andere interessante Aspekte. Beispielsweise haben die Ägypter bereits eine Art Chemoprävention durch „phytochemicals“ betrieben, denn sie haben viele Substanzen aus der Natur benützt, um einerseits zu heilen und andererseits vorbeugend aktiv zu sein. Eine besonders interessante Substanz ist der „caffeic acid ester“, der auch im Honig vorkommt. Substanzen aus dem Honig wurden bereits vor fünf Jahrtausenden von den Ägyptern für ihre antibiotische Therapie verwendet. Die Beschneidung erfolgte beispielsweise unter Verwendung dieser natürlichen Antibiotika. Sie konnte sich erst durchsetzen, als man gleichzeitig begleitend antibiotisch aktiv geworden war. Es gibt Fragmente und wissenschaftliche Erkenntnisse und Literatur über die heilende Wirkung des Biers, und auch das NAD-Ribosid, das in manchen Milchformen vorkommt, hat einen enorm kosmetischen Effekt. Die Geschichte von Kleopatra, die angeblich in Milch gebadet hat, hat damit schon ihre Berechtigung. Das NAD-Ribosid hat starke roborierende, aufbauende kosmetische Wirkung. Wobei über Kleopatra tradiert ist, dass sie ein gynäkologisches und ein kosmetisches Buch geschrieben hat, wobei leider beide verloren gegangen sind.

 

Bedeutet das, dass versucht wird, mit Hilfe der molekularen Biologie die Erfahrungsmedizin mit Evidenz zu belegen?

HUBER: Ja, genau. Das ist auch etwas, was auf der Ägyptenreise gegenübergestellt werden soll: Was wurde bereits seit Jahrtausenden mit mehr oder weniger gutem Erfolg verwendet, und wo ist das intellektuelle, wissenschaftliche Substrat der Jetztzeit?

Das Thema 4.000 Jahre Sehnsucht nach der Unsterblichkeit wird somit auf verschiedenen Ebenen behandelt. Je mehr Erkenntnisse aus der Physik kommen, desto weniger erscheint es intellektuell unredlich, zu glauben, dass in irgendeiner Form die Energie erhalten bleibt. Unser ganzer Körper ist Elektronik, wir funktionieren nur durch die Mitochondrien. Die Elektronik ist Energie und untereinander vernetzt, wie wir es mit unserem Meso-Kosmos nie begreifen werden.

 

Was erwartet die Reiseteilnehmer noch an Highlights?

HUBER: Vor allem das astronomische Ereignis des Sonnenphänomens. Zweimal im Jahr geht die Sonne so auf, dass der Tempel des Ramses II. so beleuchtet wird, dass in seinem Inneren bestimmte Götterdarstellungen im Lichte erstrahlen und andere Götter im Dunkeln bleiben. Der Tempel wurde offensichtlich so konfiguriert, dass dies an zwei Tagen geschieht – am Geburtstag und Krönungstag von Ramses II. Das zeigt auch, wie sehr die Ägypter den Kosmos in ihre Theologie und ihre Medizin eingebunden haben.

Thematische Highlights bilden Präventionsaspekte aus dermatologischer, onkologischer und diätetischer Sicht. Ich selbst werde die Usancen der ägyptischen Weisheit vor dem Hintergrund der modernen Molekularbiologie beleuchten.

 

Das Gespräch führte Dr. Monika Steinmaßl-Wirrer

Kasten:
Ärztliches Fortbildungsseminar
Wissenschaft auf Reisen Antiaging Medizin auf den Spuren der Pharaonen 4000 Jahre Sehnsucht nach der Ewigkeit
Ägypten – Assuan – Abu Simbel 17. – 24. Oktober 2009
Gynäkologische-endokrinologische Seminare an den historischen Zentren der alterspräventiven Medizin anlässlich Krönungstag Ramses II - Abu Simbel
Wissenschaftliche Leitung: Univ. Prof. DDr. Johannes Huber, Univ. Prof. Dr. Markus Metka und Dr. Wolfgang Clementi
Kunsthistorische Begleitung: Prof. Dr. Wilfried Seipel, ehemaliger Generaldirektor des Kunsthistorischen Museums Wien
Referenten: Univ. Prof. DDr. Johannes Huber, Univ. Prof. Dr. Markus Metka, Univ. Prof. Dr. Sepp Leodolter, Dr. Hajnal Kiprov
Organisation & Information: Mondial Medica / Frau Mag. (FH) Barbara Ullrich Währinger Gürtel 18-20 (im AKH), A-1090 Wien Tel: +43 1 402 406 10 od. 40400/5581 Fax: +43 1 402 406 120, Email: Web: www.mondial-medica.at/wissenschaft-auf-reisen-09

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