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Foto: Privat
Mag. Stefan Spitzbart, Abteilung Gesundheitsförderung und Prävention des Hauptverbands der österreichischen Sozialversicherungsträger
 
Pflege 9. Juli 2009

Die Krankenkassen als Gesundheitsförderer

Prävention findet sich in vielen Projekten und Programmen der heimischen Sozialversicherer.

Das Verständnis für gesundes Leben in allen Lebensbereichen zu verankern, ist ein wesentlicher Teil der Gesundheitsförderungs- und Präventionsstrategie des Hauptverbands der österreichischen Sozialversicherungsträger.

 

Die Ärzte Woche sprach mit Mag. Stefan Spitzbart von der Abteilung Gesundheitsförderung und Prävention des Hauptverbands über Finanzierung, Fünfjahresplan und Schwerpunkte zum Thema Vorbeugung und Gesundheitsförderung.

 

Was bietet der Hauptverband an Gesundheitsförderungsprogrammen an, hat er dazu einen Auftrag?

Spitzbart: Den Auftrag hat die Sozialversicherung auf Basis des ASVG. Dort wird auf Gesundheitsförderung und Prävention verwiesen. Wir sehen die Strategie so: Optimierung der Krankenbehandlung einerseits, andererseits mehr Gesundheitsorientierung. Wir folgen auch internationalen Beispielen, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen fußen, nämlich dass es nicht nur Sinn macht, in die Krankenbehandlung zu investieren und diese zu optimieren, sondern auch gesundheitsorientierte Maßnahmen zu setzen und die Politik-Bereiche gesundheitsorientiert auszurichten.

Die skandinavischen Länder sind Vorreiter, sie haben schon Maßgebliches im Hinblick auf Gesundheitsorientierung und Gesundheitspolitik in Gang gebracht. Wir müssen gesamtpolitisch die großen Hebel in Bewegung setzen und nicht nur mit individuellen Maßnahmen ansetzen – was ja auch sehr sinnvoll ist –, sondern jene Hebel erreichen, damit Gesundheit auch lebbar und möglich wird.

 

Haben Sie dafür genügend Budget?

Spitzbart: Im Hauptverband kulmieren wir den Fonds 447 H /ASVG, der 2005 für die Vorsorgeuntersuchungen und auch für Maßnahmen im Bereich Gesundheitsförderung und Prävention eingerichtet wurde. Dieser Fonds wäre ursprünglich mit 30 Millionen Euro dotiert gewesen, das hat sich aber auf knappe vier Millionen Euro pro Jahr für die Sozialversicherung reduziert. Davon werden jetzt 1,3 Millionen Euro für Gesundheitsförderung und Prävention strategisch eingesetzt.

 

Wie ist der Verwendungsmechanismus des Fonds?

Spitzbart: Grundsätzlich verwaltet der Hauptverband diesen Fonds und wir investieren in spezifische Bereiche, die im Rahmen einer Fünfjahres-Strategie verfolgt werden. Das Fünfjahres-Programm ist von der Trägerkonferenz der Selbstverwaltung beschlossen und mit den Trägern abgestimmt worden. Die aktuelle Strategie wurde im Dezember 2008 beschlossen und läuft bis 2013.

Die wichtigsten Themen sind: Ernährung, Bewegung, psychische Gesundheit und als Subelement der psychischen Gesundheit das Thema Sucht, wo wir derzeit Schwerpunkte bei der Tabakprävention setzen.

Maßgebliche Lebensräume dabei sind für uns beispielsweise die betriebliche Ebene, und natürlich sind die Schulen wichtig, wo Gesundheit gelehrt und gelebt werden kann. Ein ganz neues Thema ist Gesundheitsförderung für Seniorinnen und Senioren in Österreich: Wo kann mit Gesundheitsförderung für ältere Menschen angesetzt werden? Hier sind bei der Langzeitpflege gesundheitsfördernde Maßnahmen ein Thema, weil es gerade dort Sinn macht, ressourcenstärkende und gesundheitsfördernde Strategien anzubieten. Hier loten wir derzeit mit dem Ludwig-Boltzmann-Institut (LBI) für Gesundheitsforschung aus, was internationale Praxis und State of the Art ist. Dieser Bereich ist durchaus Neuland, aber notwendig, wenn man sich die demographische Entwicklung ansieht, und dadurch auch spannend und innovativ.

 

Gibt es noch andere Schwerpunkte?

Spitzbart: Ja, das Lebensfeld Betrieb. Dann haben wir noch zwei Themen, die sich quasi durch alle Themenbereiche ziehen: soziale und gesundheitliche Chancengleichheit. Wir stellen fest, dass benachteiligte Bevölkerungsgruppen geringere Chancen auf Gesundheit haben. Wenn man hier langfristig und nachhaltig erfolgreich sein will, wird man zukünftig diese Zielgruppen besser erreichen müssen. Und als zweiter Punkt Capacity Building’ wo es darum geht, Know-how zu Public Health, Gesundheitsförderung und Gesundheitsökonomie aufzubauen, sowohl auf operativer wie auch institutioneller Ebene.

Dieses letztere Thema ist in Österreich wenig verankert, es gibt nicht einmal einen Lehrstuhl für Gesundheitsökonomie. Public Health ist ein Thema, wo es neben dem Aufbau von Know-how auch darum geht, Experten zu vernetzen und miteinander kooperieren zu lassen.

Das sind zusammengefasst die Bausteine der Fünfjahres-Strategie, bei der wir gemeinsam mit den Krankenversicherungsträgern, der AUVA und PVA und in Kooperation mit dem Fonds gesundes Österreich (FGÖ) sowie Bund und Ländern die einzelnen Elemente umsetzen.

 

Gehen Projektimpulse mehrheitlich von Ihnen aus oder etwa vom Gesundheitsministerium?

Spitzbart: Da gibt es unterschiedliche Impulsgeber. Wir sehen uns als solcher im Bereich der Gesundheitsförderung und Prävention. Aber de facto sind das Prozesse, die angestoßen sowie Kommunikation und Kooperation angestrebt werden müssen.

Bei der Schule ist der Impuls von zwei Seiten gekommen: Aus dem Bereich der Sozialversicherung und aus dem Unterrichtsministerium. Die Länder sind als Partner auch wichtig. Wir haben etwa das Projekt „Richtig essen von Anfang an“ implementiert, wo es um die Frage geht: Wie erreichen wir Schwangere und Kinder bis drei Jahre bzgl. des Themas richtige Ernährung’ Dazu gibt es ein Gesundheitsprojekt mit Gesundheitsministerium, AGES und Hauptverband, in das auch die Länder eingebunden und bestrebt sind, einzelne Projekte regional umzusetzen. Wir sind diesbezüglich in guten Gesprächen mit Niederösterreich und der Steiermark.

In den stärker etablierten Bereichen wie Schule und Betrieb sind sicher operativ gesehen die Krankenkassen wichtige Player in den Bundesländern. Ein starker Partner im Hinblick auf betriebliche Gesundheitsförderung ist die AUVA, aber auch bei der ‚Gesunden Schule’, mit der wir verstärkt gemeinsam Projekte umsetzen wollen.

 

Welche wissenschaftlichen Maßstäbe setzen Sie vor Projektbeginn im Sinne der Qualitätssicherung?

Spitzbart: Dazu gibt es bei uns im Haus einen Beirat mit unabhängigen Wissenschaftlern aus Gesundheitssoziologie, Gesundheitsökonomie und Gesundheitswissenschaften, der unsere Projekte überprüft und unabhängiges Feedback gibt. Andererseits ist es unser Anspruch, evidenz- und wissensbasiert vorzugehen. Etwa zum Thema „Richtig essen von Anfang an“ gibt es eine sehr breite und online verfügbare Recherche, zu Beispielen guter Praxis, die auch implementiert werden können. Hier wurde national und international recherchiert: Was sind die Ansatzpunkte, wie sieht es mit der Epidemiologie und mit dem Bedarf aus, was leisten erfolgreiche Interventionsmodelle? Wir orientierten uns vorwiegend an vorhandenem Wissen und versuchen, dieses ins Feld zu übertragen.

 

Was würden Sie als Vorzeigeprojekt bezeichnen?

Spitzbart: Sehr gute Erfolge wurden im Bereich der Schule erzielt, wo sehr viel Know-how und regionale Service-Strukturen in den Bundesländern aufgebaut wurden und die Schulen Unterstützung bekommen bei der Frage: Wie setze ich Gesundheit in der Schule um?

 

Das Gespräch führte Peter Bernthaler

Peter Bernthaler, Ärzte Woche 27 /2009

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