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Das Risiko für ein akutes Nierenversagen ist unter aggressiver Statintherapie zwar erhöht, insgesamt aber immer noch niedrig.
 
Nephrologie 29. April 2013

Aggressive Statintherapie kann den Nieren schaden

Das Risiko für ein Nierenversagen ist abhängig von der LDL-Wirkung.

Patienten unter einer hochpotenten Statintherapie müssen häufiger wegen akuter Nierenprobleme in einem Krankenhaus behandelt werden als Patienten unter einer niedrigpotenten Statintherapie. Das hat eine Analyse von Datenbanken aus Kanada, den USA und Großbritannien ergeben.

In der Untersuchung berücksichtigt wurden 2.067.639 Patienten ab 40 Jahren, die zwischen 1997 und 2008 erstmals mit Statinen behandelt worden waren, davon 637.410 (33%) mit einer hochpotenten Therapie. Als hochpotent galten ≥ 10 mg Rosuvastatin, ≥ 20 mg Atorvastatin und ≥ 40 mg Simvastatin, also Therapien, bei denen eine Absenkung des LDL-Cholesterins um mindestens 45 Prozent zu erwarten ist.

Im ersten halben Jahr nach Beginn einer niedrigpotenten Statintherapie lag die Rate an Hospitalisierungen wegen akuter Niereninsuffizienz bei Patienten unter 65 und ohne chronischen Nierenschaden je nach Register zwischen 1,0 und 3,5 pro 1.000 Patienten. Bei den Patienten ab 65 ohne vorbestehendes Nierenleiden betrug die Rate 3,1 bis 4,0 pro 1.000. Erwartungsgemäß deutlich häufiger waren entsprechende Krankenhauseinweisungen bei Patienten mit chronischer Nierenerkrankung, hier variierten die Raten von 10–63 pro 1.000 Patienten.

Unter einer hochpotenten Statintherapie erhöhte sich das Risiko für ein akutes Nierenversagen in den ersten sechs Monaten insgesamt um 34 Prozent. Das Zusatzrisiko blieb (mindestens) zwei Jahre bestehen, flachte aber nach dem ersten halben Jahr ab. Bei Patienten mit chronischem Nierenleiden war unter einer hochpotenten Statintherapie allerdings nur eine nicht signifikante Steigerung des Nierenrisikos festzustellen.

Number Needed to Harm von 1.700

Für Patienten ohne chronische Nierenerkrankung haben die Studienautoren um Prof. Colin Dormuth von der Universität Vancouver eine Number Needed to Harm von 1.700 errechnet: So viele Patienten müssen 120 Tage lang anstelle eines niedrigpotenten ein hochpotentes Statin schlucken, damit es zu einer zusätzlichen Krankenhauseinweisung wegen akuten Nierenversagens kommt.

Auch in früheren Studien hatte es teilweise Hinweise auf ein dosisabhängiges Risiko für Nierenschäden unter Statinen gegeben, die Daten waren aber nicht einheitlich. Aufgrund ihrer Beobachtungen fordern Dormuth und seine Kollegen: „Ärzte sollten dieses potenzielle Risiko berücksichtigen, wenn sie über die Verordnung eines hochpotenten Statins nachdenken, insbesondere wenn ein niedrigpotentes Statin ebenfalls eine Option wäre.“

Als Ursache der Nierenschäden gilt in der Regel das unter Statinen erhöhte Risiko einer Rhabdomyolyse; möglicherweise spielen aber auch andere Mechanismen wie die Suppression des Koenzyms Q eine Rolle. Laut Dormuth et al. sind weitere Studien erforderlich, die den Zusammenhang zwischen Statinen und Nierenversagen erhellen.

Die Autoren eines begleitenden Editorials, Prof. G. Fassett und Prof. Jeff S. Coombes aus Brisbane, schreiben dazu: „ Trotz jahrelanger Erfahrung mit den Statinen ist die Optimierung der Dosis – für einen Nutzen bei minimalen Risiken – immer noch in Entwicklung.“ Die Australier halten nun eine randomisierte kontrollierte Studie zum Vergleich der Niereneffekte von hoch- und niederpotenten Statinen für notwendig.

Originalpublikation:

Dormuth CR et al.: Use of high potency statins and rates of admission for acute kidney injury; BMJ 2013; 346: f880

springermedizin.de/CL, Ärzte Woche 18/2013

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