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                  © Jan-Peter Kasper/FSU/Universität Jena
Gegen Entzündungen ist afrikanischer Weihrauch (li.) deutlich wirksamer als indischer (re.).
 
Allgemeinmedizin 20. August 2012

Weihrauch als Heilmittel

Pharmakologie

Auch wenn Weihrauchharz schon seit Jahrtausenden medizinisch genutzt wird, sucht man Medikamente mit diesen Wirkstoffen vergebens. Denn die bisher durchgeführten klinischen Studien reichen für eine Zulassung in Europa nicht aus. Das könnte sich jetzt ändern: In einer Forschungsarbeit wurde gezeigt, wie die für die Wirkung verantwortlichen Inhaltsstoffe in das Entzündungsgeschehen eingreifen.

 

Die Boswelliasäuren interagieren mit verschiedenen Eiweißen, die an entzündlichen Reaktionen beteiligt sind, insbesondere mit einem Enzym, das für die Synthese von Prostaglandin E2 verantwortlich ist. Dieses gehört zu den Vermittlern der Immunantwort und spielt u. a. im Entzündungsprozess, bei der Entstehung von Fieber und Schmerzen eine entscheidende Rolle. Boswelliasäuren hemmen dieses Enzym sehr potent und verringern die Entzündungsreaktion. Dies macht Weihrauch als Arzneimittel für Krankheiten wie Asthma, Rheumatoide Arthritis oder Neurodermitis interessant.

In der Studie wurde außerdem das Harz verschiedener Weihraucharten verglichen. Am bekanntesten ist Boswellia serrata aus Indien. Die Boswellia papyrifera ist jedoch zehnmal wirksamer. Diese Art findet man im Nordosten Afrikas und in Arabien.

Ob sich Weihrauch als Arzneimittel durchsetzen kann, hängt nicht nur vom Ausgang der klinischen Überprüfung ab: Boswelliasäuren lassen sich nur schwer synthetisch herstellen. Damit sind Weihrauchbäume die einzige Ressource für den aussichtsreichen Wirkstoff, sind aber in ihrem Bestand stark bedroht.

Bauer J et al.: J. Pharmacol Exp Ther 2012, 342 (1): 169-76

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