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© Liane Matrisch/panthermedia.net
Blätter der Yams (Dioscorea)
 

Allheilmittel gegen Frauenleiden?

Extrakte der medizinischen Yamswurzel werden als gynäkologische „Alleskönner“ angepriesen und vermarktet. Aber weder die Wirkung noch die Sicherheit sind wissenschaftlich belegt.

Die Nutzen-Risiko-Bewertung von Hormonpräparaten hat sich in den vergangenen zehn Jahren deutlich gewandelt. Der Wunsch nach einem wirksamen und sicheren „Alleskönner“ in der Gynäkologie ist vor diesem Hintergrund verständlich. Nach heutigem Kenntnisstand kann die Yamswurzel aber sicher nicht als „Alleskönner“ angesehen werden, nicht einmal als „Einfachkönner“.

 

Die Yamswurzel wird als traditionelles Arzneimittel in mehreren tropischen und subtropischen Gegenden zur Zyklusregulierung, zur Geburtserleichterung und zur Verhütung verwendet. Inzwischen werden Extrakte der medizinischen Yamswurzel in industrialisierten Ländern als Anti-Aging-Substanz vermarktet und zur Anwendung beim prämenstruellen Syndrom, perimenopausalen Symptomen, Libidomangel und depressiven Stimmungslagen empfohlen.

Allheilmittel und Jungbrunnen?

Yams sind eine Pflanzengattung aus der Familie der Yamswurzelgewächse (Dioscoreaceae). Die medizinische Yamswurzel (Dioscorea villosa) wird in Mexiko, aber auch in anderen tropischen und subtropischen Weltgegenden seit alters her zur Regulierung des weiblichen Zyklus, zur Geburtserleichterung, ja sogar zur Verhütung verwendet. Neuerdings wird sie als Frauenallheilmittel, als Anti-Aging-Substanz gepriesen und entsprechend teuer gehandelt. Die proklamierten Wirkungen sind vielfältig und beinhalten – außer den erwähnten (etwa: „Jungbrunnen für Frauen ab 40 und Männer ab 50“) – einen Nutzen etwa bei prämenstruellem Syndrom, Wechseljahrbeschwerden, Libidostörungen, Depression, Osteoporose. Von einer Anwendung in der Schwangerschaft wird – sogar in den Werbeanzeigen – abgeraten.

Postulierte Wirkweise

Die mexikanische Yamswurzel enthält unter anderem Diosgenin, das als der wichtigste Inhaltsstoff angesehen wird. Diosgenin, ein Steroidsaponin, wurde industriell zur partialsyn-thetischen Herstellung von Progesteron genutzt. Dass eine enzymatische Umwandlung von Diosgenin zu Progesteron auch im menschlichen Organismus stattfindet, wird teilweise postuliert, ist aber nicht erwiesen. Behauptet wird ferner, dass Diosgenin die Produktion von Dehydroepiandrosteron in der Nebennierenrinde stimuliere. Letztendlich ist der Mechanismus etwaiger Wirkungen von Diosgenin nicht geklärt.

Nachweis der Wirkung fehlt

Yamswurzel-Präparate sind zur oralen Anwendung als Kapseln sowie zur topischen Applikation als Creme und Vaginalgel erhältlich.

In einer kleinen (n = 23) placebokontrollierten Doppelblindstudie wurde geprüft, ob eine dreimonatige Behandlung mit einer Creme aus Dioscorea villosa eine Besserung menopausaler Beschwerden bewirkt. Es fand sich eine geringfügige Besserung sowohl unter der aktiven Behandlung als auch unter Placebo, doch kein signifikanter Unterschied. Nebenwirkungen wurden in dieser Studie nicht beobachtet. Auch eine im Jahr 2002 publizierte Übersichtsarbeit kam zu keinem anderen Ergebnis.

Zu Dioscorea villosa sind klinische Studien, die modernen Qualitätsansprüchen genügen, in der Medline-Datenbank der publizierten wissenschaftlichen Literatur derzeit nicht zu finden. Solche Studien sind aber notwendig, um eine seriöse Aussage zu Wirksamkeit und Sicherheit machen zu können. Keine der behaupteten Wirkungen kann derzeit als belegt angesehen werden. Auch die Sicherheit, das heißt das Fehlen inakzeptabler Nebenwirkungen, ist bislang nicht hinreichend nachgewiesen.

Natürlich heißt nicht sicher

Eine allgemeine Bemerkung zu natürlichen Mitteln: Mittel aus der Natur werden nach weit verbreiteter Meinung generell als wirksam und sicher angesehen. Andererseits haben Untersuchungen der letzten Jahrzehnte gezeigt, dass von einigen anderen Präparaten durchaus Neben- und Wechselwirkungen mit entsprechenden Risiken ausgehen können. Die Annahme, natürliche Mittel seien allein aufgrund ihrer Herkunft automatisch wirksam und sicher, ist daher nicht korrekt. Der Nachweis der Wirksamkeit und Sicherheit ist nicht nur für synthetische, sondern genauso für „natürliche“ Mittel zu fordern. Das bisherige Fehlen von Berichten über Probleme reicht keinesfalls aus: „The absence of evidence is not the evidence of absence.“

Fazit für die Praxis

So verständlich der Wunsch nach einer „natürlichen“ Alternative zu der seit der WHI-Studie kritisch beurteilten Hormonsubstitution sein mag, so kann derzeit die Einnahme von Yamsextrakten keinesfalls befürwortet werden. Sämtliche behaupteten Wirkungen sind wissenschaftlich nicht belegt. Unklar ist auch, welchen metabolischen Prozessen Diosgenin, der derzeit als wichtigster Inhaltsstoff angesehen wird, im menschlichen Organismus unterliegt. Neben der fehlenden Effektivität sind auch Fragen zur Anwendungssicherheit nicht zu beantworten.

Sollten in der Zukunft die Wirksamkeit bei definierten Indikationen sowie die Sicherheit der Yamswurzel durch Studien mit wissenschaftlich anerkannten Methoden nachzuweisen sein, werden dies alle Beteiligten – ratsuchende Frauen ebenso wie beratende Ärzte – erfreut und dankbar aufnehmen. Doch einstweilen, solange das Nutzen-Risiko-Verhältnis noch unklar ist, ist die Verwendung nicht zu empfehlen.

 

Prof. Dr. Klaus Mörike

Klinische Pharmakologie, Universitätsklinikum Tübingen

 

Der Originalartikel inklusive Literaturquellen ist erschienen in „Der Gynäkologe“ 2/2012,

© Springer-Verlag

Von K. Mörike , Ärzte Woche 26 /2012

  • Frau Allheilmittel gegen Frauenleid Durdica Vasiljevic Wirksamkeit von Yams?, 02.11.2014 um 11:16:

    „Sie schreiben, das weder die Wirkung noch die Sicherheit wissenschaftlich belegt sind.

    Sind für Sie die Frauen die es bei sich selbst bereits testen und ihre Erfahrungen bezüglich der Wirksamkeit bestätigen, nicht der exaktere wissenschaftliche Nachweis?

    An wem testen Sie den die Yams Wurzel Präparate?“

  • Frau Katrin Kichererbse, 21.11.2014 um 17:47:

    „Hi, sehr schöner und vor allem ausführlicher Artikel zum Thema!
    Vielen Dank.

    Ich habe eine Studie zum Thema gefunden: http://www.yamswurzel.net/studie-yamswurzel-wirksamkeit.html

    Was halten Sie davon?

    LG
    Katrin“

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