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Bei einer systematischen Aknetherapie mit Isotretinoin sollten die Patienten über möglicherweise auftretende Augenprobleme aufgeklärt werden.
 
Dermatologie 23. Mai 2012

Aknetherapie kann ins Auge gehen

Die Behandlung mit dem Retinoid Isotretinoin erhöht die Gefahr von okulären Erkrankungen.

Bei jedem siebenten Patienten, der wegen Akne mit Isotretinoin behandelt wird, treten okuläre Nebenwirkungen auf. Vor allem mit einer Konjunktivitis müssen die Patienten rechnen.

Zu okulären Nebenwirkungen einer Aknetherapie mit Isotretinoin hat es viele Einzelfallberichte und auch kleinere retrospektive Studien gegeben. Genannt werden dabei oft trockene Augen, Kontaktlinsen-Intoleranz, Blepharokonjunktivitis, Photophobie, eine schlechte Hell-Dunkel-Anpassung oder eine Verschlechterung des Sehvermögens. Allerdings gab es in solchen Studien selten eine Kontrollgruppe, sodass unklar blieb, welche Nebenwirkungen tatsächlich auf die Therapie zurückzuführen sind und welche Probleme durch die Akne selbst entstehen.

Israelische Dermatologen um Dr. Meira Neudorfer aus Tel Aviv haben nun mithilfe eines großen Registers versucht, hier etwas Klarheit zu schaffen (Neudorfer M et al.: Arch Dermatol 2012; online April 16). Sie analysierten die Inzidenz okulärer Erkrankungen bei knapp 15.000 Patienten mit einer Isotretinoin-Therapie gegen Akne, bei ebenso vielen Aknepatienten ohne Isotretinoin sowie bei knapp 15.000 gesunden Kontrollpersonen.

Okuläre Probleme um 70 Prozent häufiger

In der Isotretinoin-Gruppe kam es in den ersten zwölf Monaten nach Therapiebeginn bei 13,8 Prozent der Patienten zu okulären Problemen. Bei Aknepatienten ohne die Arznei lag die Rate im selben Zeitraum bei 9,6 Prozent und damit nur wenig höher als in der Kontrollgruppe ohne Akne (7,1%).

Insgesamt traten okuläre Probleme mit Isotretinoin um 70 Prozent häufiger auf als bei Personen ohne Akne. Häufigstes Problem war dabei eine Konjunktivitis (bei 4,0% versus 1,9% ohne Akne), gefolgt von Hordeolum (1,4% versus 0,2%), Chalazion (1,4% versus 0,2%) und Blepharitis (1,0% versus 0,2%). Auch trockene Augen machten den Aknepatienten mit Isotretinoin gelegentlich zu schaffen: 4,3 Prozent benötigten Augentropfen, aber nur 0,7 Prozent der Aknepatienten ohne das Medikament sowie 0,3 Prozent ohne Akne. Ein Rezept für ein topisches ophthalmologisches Präparat erhielten innerhalb eines Jahres knapp 20 Prozent der Isotretinoin-Patienten und immerhin 10 Prozent der Aknepatienten ohne Isotretinoin, aber weniger als 5 Prozent der Personen ohne Akne.

Hemmung der Meibom-Drüsen

Insgesamt bestätigt die Analyse folglich die erhöhte Gefahr von okulären Erkrankungen unter einer Aknetherapie mit Isotretinoin. Erklärt wird dies mit einer Hemmung der Meibom-Drüsen. Diese sondern bekanntlich Lipide ab, welche die Tränenflüssigkeit stabilisieren. Eine Unterdrückung der Drüsenfunktion durch Isotretinoin könnte daher die Verdunstung der Tränenflüssigkeit begünstigen und über ein trockenes Auge zu okulären Problemen führen. Deutlich wird zudem, dass Augenprobleme auch bei Aknepatienten gehäuft auftreten, die nicht mit dem Medikament behandelt werden, wenngleich hier die Inzidenz deutlich geringer ist als bei einer Isotretinoin-Therapie. Allerdings, so geben die Dermatologen zu bedenken, sind Patienten mit Isotretinoin deutlich stärker von Akne betroffen als solche ohne. Daher sei nicht ganz auszuschließen, dass ein Teil der okulären Probleme bei solchen Patienten auf die Akne selbst zurückzuführen ist. In jedem Fall sollten die Patienten mit einer Isotretinoin-Therapie über mögliche Augenprobleme aufgeklärt werden.

springermedizin.de , Ärzte Woche 21 /2012

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