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Allgemeinmedizin 2. Februar 2010

Angemessene Dosierung für David und Goliath

Bei der Verschreibung antimikrobieller Mittel sollte das Körpergewicht stärker berücksichtigt werden.

Bei den meisten gängigen antimikrobiellen Substanzen werden die Dosierungsempfehlungen nicht an die Körpermaße des Patienten angepasst. Und selbst wenn entsprechende Hinweise erfolgen, kann es vorkommen, dass sie in der alltäglichen klinischen Praxis nicht ausreichend beachtet werden, wird in The Lancet kritisiert.

Bei einem männlichen Patienten, der 90 Kilogramm wiegt und 1,90 Meter groß ist, ist die Lean Body Mass (LBM, Magermasse oder fettfreie Körpermasse) doppelt so groß wie bei einer weiblichen Patientin mit 56 Kilogramm und 1,50 Meter Größe. Bei beiden beträgt der BMI 24,9. Dass die Anzahl der Übergewichtigen weltweit zunimmt, erleichtert die Arzneimitteldosierung nicht. Erhobene Daten stützen die Beobachtung, dass Antimikrobiotika – wie verschiedene Beta-Laktame, Vancomycin, Fluorochinolone, Makrolide, Linezolid, Sulfonamide und Fluconazol – bei größeren Patienten höher dosiert werden sollten, um die pharmakodynamischen Ziele des Wirkstoffes besser zu erreichen. Das gilt insbesondere bei Antimikrobiotika mit engem Wirkungsspektrum (Aminoglykoside, Daptomycin, Colistin und Amphotericin B) oder bei Präparaten, die bei bestimmten Indikationen in hoher Dosierung gegeben werden (wie Cotrimoxazol und Metronidazol). Im Hinblick auf Kinder machen die Autoren darauf aufmerksam, dass Überlegungen über die angemessene Dosierung auch für Kinder nötig seien, da die Zahl der übergewichtigen Kindern in der Allgemeinbevölkerung steigt. Obwohl bei Kindern Antibiotika bereits je Kilogramm Körpergewicht dosiert werden, müsste den pharmakokinetischen und pharmakodynamischen Kennzahlen womöglich mehr Beachtung geschenkt werden, um bei manchen Antimikrobiotika die optimale Dosierung zu erzielen. „Zudem ist angesichts der großen Zahl an ambulant erworbenen Infektionen durch resistente Erreger in dieser Population dringend anzuraten, Antibiotika bei Kindern nur mit großer Vorsicht anzuwenden“, so die Autoren. „Wir glauben, dass die Einheitsdosierung bei Antimikrobiotika in einer Ära zunehmender Resistenzentwicklungen veraltet ist. Es sind aussagekräftige Studien nötig, die Medizinern bei der häufigen klinischen Frage Hilfestellung geben, wie sich die Wirksamkeit und Sicherheit einer antimikrobiellen Behandlung bei Patienten erzielen lässt, deren körperliche Charakteristika nicht dem Durchschnitt entsprechen“, schließen die Autoren.

Quelle: Falagas, M. E. et al.: Lancet 2010; 375: 248-51

www.thelancet.com/PH, Ärzte Woche 5 /2010

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