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Anästhesie 22. Oktober 2009

Riskante Sparsamkeit

Probleme bei Retard-Generika

Immer größer wird der Druck, bei Medikamenten auf die kostengünstigsten Präparate zurückzugreifen. Bei potenten Opioid-Arzneimitteln kann das problematisch sein, warnen Experten aus Anlass der Schmerzwochen der Österreichischen Schmerzgesellschaft.

„Zunehmend hat man den Eindruck, es solle nicht mehr nach dem letzten Stand, sondern nach dem billigsten Stand der Medizin behandelt werden“, kritisiert PD Dr. Christian Lampl, Vorstand der Abteilung für Neurologie im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz und Vorstandsmitglied der Österreichischen Schmerzgesellschaft (ÖSG).

Kostendämpfend soll sich nach der Vorstellung vieler Gesundheitspolitiker und Sozialversicherer vor allem die verstärkte Verschreibung von Generika auswirken. „Natürlich sind kostengünstigere Arzneimittel nicht automatisch schlechter, doch gerade im Bereich der Schmerztherapie kann die Anwendung von Generika ihre Tücken haben, vor allem bei den hoch potenten Opioiden“, stellt Lampl klar. Die Zulassung von Präparaten, die sich in der Qualität der Wirkstofffreisetzung unterscheiden, ist jedenfalls eine problematische Sparmaßnahme auf dem Rücken der Patienten. Ein Beispiel: Bei Retard-Arzneiformen kann es unter Alkoholeinfluss zu unerwünscht rascher Freisetzung größerer Wirkstoffmengen kommen. Die in Österreich verfügbaren originalen Präparate mit dem Wirkstoff Hydromorphon und Oxycodon zeigen unter experimentellen Bedingungen kein „Alcohol Dose Dumping“. Ein Vorteil oraler Retard-Opioid-Analgetika liegt dank ihrer Galenik in der kontinuierlichen Freisetzung einer genau definierten Opiatmenge über einen Zeitraum von zwölf Stunden. Wird Alkohol konsumiert, kann bei einigen Retard-Produkten die Wirkstofffreisetzung beschleunigt werden. Im Falle von Opioiden kann das gegebenenfalls zu Atemdepression oder sogar zu Atemstillstand mit letalem Ausgang führen.

Weil das Originalpräparat mit Oxycodon unter experimentellen Bedingungen kein Problem mit der Alkohol-Empfindlichkeit zeigt, kommt es nun erstmalig zu unterschiedlichen Sicherheitshinweisen in der Fachinformation und Gebrauchsinformation des Generikums im Vergleich zum Originalpräparat. Bei den Oxycodon-Generika findet sich ein Warnhinweis bezüglich gleichzeitiger Einnahme alkoholhaltiger Getränke, den es beim Original-Oxycodon nicht gibt, so Lampl. Daraus ergeben sich Schwierigkeiten für den verschreibenden Arzt, der darauf vertraut, ein Original problemlos durch ein Generikum ersetzen zu können. Daher warnt Lampl: „Es ist ein Fehler, anzunehmen, dass das billigste Medikament automatisch die geringsten Kosten verursacht.“

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