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© Helmut Fohringer / dpa
Vorne Wintersport, im Hintergrund ein fast sommerliches alpines Ambiente. Der Klimawandel lässt sich auch in unseren Breiten kaum verleugnen.
© Mitsuru Tamura / picture alliance
 
Infektiologie 3. Jänner 2016

Die Welt geht kaputt

Der Klimawandel ist brandgefährlich: Eine Viertelmillion Tote zusätzlich werden erwartet.

Die Erderwärmung hat erwartbare Gesundheitsschäden zur Folge: Todesfälle durch Herz-Kreislauf- oder Atemwegskrankheiten bei Hitzewellen. Die indirekten Folgen sind aber auch nicht ohne. In China droht eine Bilharziose-Epidemie, Europa wird von der hochallergenen Ambrosie zugewuchert. Weitere böse Überraschungen sind nicht ausgeschlossen.

Der Klimawandel wird für die Gesundheit der Weltbevölkerung gravierende Folgen haben. Während sich Industrieländer durch Anpassungsprogramme vor den Folgen zu schützen beginnen, sind die am wenigsten entwickelten Länder dazu praktisch nicht in der Lage, Länder mit mittlerem Einkommen nur sehr begrenzt. Sie werden deswegen die Hauptlast der Folgen zu tragen haben, obwohl die historische Ursache die Industrialisierung des Nordens ist. Das schreibt Winfried Zacher im Kapitel „Klimawandel, Gesundheit und Klimaschutz“ des nebenstehenden Standardwerks. Gleich zum Start des Klimagipfels in Paris hat die Europäische Umweltagentur vor der hohen Luftverschmutzung in Europa gewarnt.

Trotz politischer Anstrengungen sind die meisten Stadtbewohner einer Luftverschmutzung ausgesetzt, die die Weltgesundheitsorganisation WHO als unsicher einstuft. Am Dienstag zeigten die Messgeräte in Peking den Wert 500 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft innerhalb der Pkw an. Draußen gingen die Werte bis auf 1.000 hinauf. Die Norm der Weltgesundheitsorganisation liegt bei 25. Luftverschmutzung war 2012 für mehr als 430.000 vorzeitige Todesfälle in Europa verantwortlich. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl ist die Verschmutzung durch Feinstaub dagegen in den osteuropäischen Ländern am gefährlichsten. Feinstaubpartikel dringen tief in die Atemwege ein, können Lungenkrebs, Herz-Kreislauf-Beschwerden und Asthma hervorrufen. Schon heute leiden weltweit 300 Millionen Menschen an Asthma.

Die gefährlichsten Schadstoffe sind Feinstaub, Ozon und Stickstoffoxid. Könnten alle 28 EU-Staaten die WHO-Richtwerte zu Feinstaub einhalten, könnte das die Zahl der vorzeitigen Todesfälle um 144.000 verringern. Als problematisch stuft die Umweltagentur die hohe Konzentration von Benzopyren durch die Nutzung von Holzöfen und Biomasse ein.

Die Belastung durch Feinstaub wird noch steigen, wenn sich die Waldbrände ausweiten und auch nördlichere, bisher verschonte Regionen heimsuchen.

Verpestete Luft ist das größte einzelne Gesundheitsrisiko, aber beileibe nicht das einzige. Laut WHO könnte der Klimawandel von 2030 bis 2050 fast einer Viertelmillion Menschen den Tod bringen: 38.000 älteren Menschen, die Hitze ausgesetzt sind; 48.000 Menschen durch Diarrhö-Epidemien; 60.000 durch Malaria und 95.000 Kindern durch Unterernährung. Dabei sind die Gründe nicht immer direkt: Die Klimaerwärmung führt nicht unmittelbar zu einer Cholera-Epidemie, aber sie schafft Bedingungen, die zur Ausbreitung tödlicher Seuchen führen können. „Es ist schwierig, den exakten Anteil zu messen, der auf höhere Temperaturen zurückzuführen ist“, sagt Robert Barouki vom französischen Institut Inserm.

Zu den direkten Folgen gehören Todesfälle durch Herz-Kreislauf- oder Atemwegskrankheiten bei Hitzewellen. Die Hitzewelle 2003 in Europa kostete 70.000 Menschen das Leben. Starke Sonnenstrahlung kann Hautkrebs verursachen. Und der Klimawandel führt zu häufigeren Naturkatastrophen mit Todesopfern. Nicht zuletzt fördern höhere Temperaturen das Wachstum der allergieauslösenden Ambrosie. Diese aus Amerika eingewanderte Pflanze mit ihren aggressiven Pollen könnte sich bis 2050 auf dem ganzen europäischen Kontinent ausgebreitet haben.

Der Klimawandel ist ein Nährboden für Infektionen, die durch Mücken oder Würmer übertragen werden. Die saisonale Übertragungszeit kann verlängert und die geografische Ausbreitung erweitert werden. So droht in China eine Bilharziose-Epidemie, eine durch Würmer verbreitete Parasiten-Krankheit, von der in den tropischen Regionen 200 Millionen Menschen befallen sind. Malaria und Dengue-Fieber sind auf dem Vormarsch. Die Welt blickt zurecht erwartungsvoll auf die Ergebnisse von Paris.

  • Herr Dr. Franz Reiter, 09.12.2015 um 14:16:

    „Sehr geehrte Damen und Herren,

    danke für Ihren Artikel "Die Welt geht kaputt". Der Titel ist leider falsch gewählt, denn die Welt wird durch den "Bazillus" Mensch ganz sicher nicht kaputt gehen. Es könnten sich bloß die klimatischen Umstände so weit ändern, dass die Spezies Mensch ausstirbt.

    Mit besten Grüßen
    Franz Reiter

    P.S.: Auch ein atomares "Mega-Ereignis" würde die Erde nicht zerstören und in einigen Millionen Jahren würde sich eine neue Spezies, angepasst an die dann herrschenden Lebensbedingungen, unseren Planeten "untertan machen.“

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