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Pathologie 6. November 2008

Ursache der Vaskulitis entdeckt

Etappensieg gegen einen unsichtbaren Feind.

Pathologen der MedUni Wien konnten einen fundamentalen Zusammenhang zwischen bakteriellen Infektionen und schweren entzündlichen Gefäßerkrankungen (Vaskulitis) aufdecken.

 

Die Vaskulitis führt zu einem Spektrum von Organveränderungen, die von kleinen punktförmigen Hautblutungen bis zur Zerstörung von inneren Organen, z. B. in Niere und Lunge, führen und nicht selten tödlich verlaufen. In Österreich ist sie etwa so häufig wie die multiple Sklerose. Als Ursache wurde bisher vermutet, dass die Immunabwehr des Organismus Bestandteile der Blutgefäßwand oder körpereigene Entzündungszellen als fremd erkennt und dagegen Antikörper bildet, welche die Zerstörung von Blutgefäßen mit zum Teil verheerender Folgewirkung verursacht.

Dies ist notwendig, weil die bisherigen Behandlungsmethoden eine massive medikamentöse Lähmung des gesamten Immunsystems zur Grundlage haben und oft schwere Nebenwirkungen aufweisen. Eine gezielte Therapie ist nur dann möglich, wenn man die genauen molekularen Krankheitsmechanismen kennt und Achillesfersen in dieser Reaktionskette gezielt angreifen kann. Der Arbeitsgruppe um Dr. Renate Kain, Prof. Dr. Andrew Rees und Prof. Dr. Dontscho Kerjaschki ist dabei ein wichtiger Durchbruch gelungen.

„Verwechslung“ führt zu Schädigung

Die Wiener Forschergruppe hat in der letzten Ausgabe des renommierten internationalen Fachjournals Nature Medicine eine umfassende Arbeit präsentiert, welche erstmalig einen Zusammenhang zwischen bakteriellen Infektionen und der Entstehung von entzündlichen Gefäßerkrankungen beweist. Die Arbeiten belegen, dass das Immunsystem von Patienten Antikörper gegen eine bestimmte Stelle der bakteriellen Oberfläche produziert. Allerdings tragen auch Endothelzellen, welche die Innenseite von Blutgefäße auskleiden, an ihrer Oberfläche ein ähnliches Molekül wie die Bakterien. Durch diese „Kreuzreaktivität“ zwischen Bakterien- und Endothel-Antigen kommt es zu einer „Verwechslung“ durch das Immunsystem. In der Folge werden nicht nur Bakterien durch die Antikörper abgewehrt, sondern auch die Endothelzellen der Blutgefäße schwer beschädigt und durch eine heftige Entzündungsreaktion teilweise zerstört.

MedUni Wien/EM n

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