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Geschichte 1. Mai 2007

Der Körper – Eine Sehenswürdigkeit Zankapfel Anatomie

Nach rund tausend Jahren Stillstand in der Astronomie und Anatomie, die fast nur mit alten Texten unterrichtet wurden, lernte man zu Beginn der Neuzeit, wieder den eigenen Augen zu trauen. Dabei bewirkte der forschende Blick auf den gestirnten Himmel und in den geöffneten Körper außer belehrender Aufklärung auch befriedigte Neugierde, angenehm schaudernden Nervenkitzel, demütige Selbsterkenntnis des Einzelnen als sterblichen und unerheblichen Lebewesens sowie andächtige Ehrfurcht vor der göttlichen Schöpfung. Nach dem Rückzug der Anatomie aus der Öffentlichkeit hinter die Mauern der Universitäten im 19. Jhd. blieb von diesen Perspektiven nur noch das wissenschaftliche Experteninteresse übrig. Erst in der Gegenwart werden außerwissenschaftliche Sichtweisen wieder stärker als Interessen eigenen Rechts gewürdigt, nachdem feststeht, dass anatomische Ausstellungen weder die Totenruhe stören noch die Totenwürde verletzen. Weltweit erfreuen sich anatomische Ausstellungen großer Beliebtheit bei der Bevölkerung aber nicht nur, weil sie deren neugierige Angst- und Schaulust stillen, sondern auch weil sie den Einzelnen mit den zerbrechlichen Voraussetzungen der eigenen Existenz konfrontieren und dabei offen bleiben für die vom persönlichen Standpunkt der Betrachter abhängigen Menschenbilder. Bedauerlicherweise wird dieses Bedürfnis der Menschen von den etablierten medizinhistorischen, anatomischen und pathologischen Museen kaum gesehen, geschweige denn einen Nutzen für sich daraus gezogen.

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