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Die chemische Struktur von IL-6, einem wichtigen Akteur bei Lupus.
 
Pathologie 12. April 2016

In der Haut liegt der Wolf begraben

Neue mögliche Therapie gegen „Lupus“-Krankheit.

Wissenschafter haben an Mäusen die Wirksamkeit einer neuen Behandlung von Systemischer Lupus Erythematosus gezeigt: die Hemmung der Wirkung des Botenstoffs Interleukin-6.

Rund 4.000 Menschen dürften in Österreich an der schweren Autoimmunkrankheit Systemischer Lupus Erythematosus (SLE) leiden. Die ersten Krankheitszeichen zeigen sich oft an der Haut. Doch das ist längst nicht alles. „Bei dieser Erkrankungen kann eine Vielzahl von Organen in Mitleidenschaft gezogen werden, wobei die Haut und die Nieren am häufigsten betroffen sind. Die bisherige Therapie der Erkrankungen bestand im Wesentlichen aus lebenslanger Immunsuppression, die zum Teil deutliche Nebenwirkungen aufweist“, erläutert Prof. Dr. Lukas Kenner vom Klinischen Institut für Pathologie der MedUni Wien und des AKH.

Unbehandelt kann die Erkrankung zu schweren Komplikationen bis hin zum Tod führen. Bisher bestand die medikamentöse Therapie in einer Art Stufenleiter vor allem aus nichtsteroidalen Antirheumatika, Malariamitteln (Chloroquin), Kortison sowie aus Immunsuppressiva wie Azathioprin, Cyclosporin A etc. Ohne entsprechende formelle Zulassung blieb bisher die Verwendung von monoklonalen Antikörpern wie Belimumab, Rituximab oder von bei schwerer chronischer Polyarthritis eingesetztem Tocilizumab.

Es besteht jedenfalls starker Bedarf nach neuen und spezifischen Therapien gegen die SLE. Bereits 2009 konnten Kenner und seine Arbeitsgruppe in Studien an Mausmodellen zeigen, dass der Erkrankung ein Defekt im JunB-Gen von Hautzellen (Keratinozyten) zugrunde liegt. Bei den Versuchen wurde damals in transgenen Mäusen das JunB-Gen in der Haut ausgeschaltet. Daraufhin zeigte sich eine unterschiedliche Wirkung in der Haut bzw. im Gesamtorganismus. Während in der Haut die Produktion von Interleukin-6 sank, kam es zu einer sehr hohen IL-6 Konzentration im Gesamtorganismus, was zum Auftritt eines SLE-ähnlichen Krankheitsbildes und binnen kurzer Zeit zum Tod der Tiere führte.

IL-6 blockieren

Jetzt haben die Wissenschafter ihre Studien weitergeführt und publiziert ( Birner P et al., Exp Dermatol 2016 Apr;25(4):305-10 ). Dabei ging es darum, mit neuen Arzneimitteln die Bindung von IL-6 an seinen Rezeptor (IL-6R-alpha) zu blockieren. Während bei rheumatischer Arthritis der Nachweis der Wirkung einer solchen Strategie schon vor Jahren erfolgt ist, gab es bisher noch keine Daten zu solchen Therapien bei SLE.

Der Forschergruppe um Kenner gelang mit Kollegen aus Graz, Deutschland und Japan nun erstmals der experimentelle Nachweis, dass eine Blockade von IL-6 auch bei SLE im Tiermodell einen signifikanten Heilungseffekt haben kann. Dabei wurde der Antikörper MR16-1 bei den SLE-Mäusen verwendet. Er besetzt den Rezeptor für IL-6 und verhindert so dessen entzündungsfördernde Wirkung. Bei den Tieren kam es zu einer signifikanten Besserung der Hautsymptome, allerdings hatte die Behandlung offenbar keinen Einfluss auf die Nierenkomplikationen im Rahmen der Autoimmunerkrankung.

Erstautor Prof. Dr. Peter Birner vom Klinischen Institut für Pathologie in Wien sagte dazu: „Die Blockade von IL-6-Rezeptor-alpha könnte eine neuartige und nebenwirkungsarme Therapieoption für SLE- Patienten mit primärem Befall der Haut darstellen. Dies würde einen großen Fortschritt bei der Therapie dieser schweren chronischen Erkrankung bedeuten.“

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