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Nephrologie 29. April 2013

Mikro-RNA stört Glomeruli

Defekte Gen-Regulation als Auslöser der Nierenerkrankung FSGS.

Am Klinischen Institut für Pathologie der MedUni Wien wurde ein bisher unbekannter Mechanismus in der Regulation der Genexpression entdeckt, der zur Entstehung einer chronischen Nierenerkrankung, der fokal segmentalen Glomerusklerose (FSGS) führt.

Die primäre FSGS ist derzeit nicht behandelbar und führt unter anderem zum nephrotischen Syndrom mit schweren Ödemen, bis hin zur Zerstörung der Nierenfunktion. „Der Rückstau der nicht ausscheidbaren harnpflichtigen Substanzen im Blut der Patienten vergiftet den gesamten Organismus, und kann nur durch chronische Blutwäsche oder eine Nierentransplantation verhindert werden“, erklärt Prof. Dr. Dontscho Kerjaschki, Leiter des Klinischen Instituts für Pathologie der MedUni Wien.

Filterfunktion geht verloren

Jährlich werden am Klinischen Institut für Pathologie der MedUni Wien, einem der größten Zentren für Nierenbiopsien in Europa, rund 1.600 Nierenbiopsien befundet, von denen rund 50 die Diagnose einer FSGS ergeben.

Die FSGS ist eine chronische Krankheit, bei der Teile der harnbildenden Nieren-Glomeruli nach und nach vernarben. Die Filterfunktion der Niere geht dadurch langsam und meist unbemerkt verloren. In den Nieren-Glomeruli – von denen der Mensch etwa eine Million pro Niere besitzt – überwacht eine hochspezialisierte Art von Zellen die Filtrationsleistung und verhindert, dass wichtige Eiweißstoffe, z.B. Albumin, aus dem Blut in den Urin verloren werden.

Heißes Thema

Diese Zellen sind der Zielpunkt der FSGS. Ein international „heißes“ Thema in der Erforschung der Nierenkrankheiten ist die Entdeckung der molekularen Ursachen dieser Erkrankung, als Voraussetzung für die Entwicklung einer gezielten, derzeit nicht vorhandenen Therapie.

„Bei etwa 20 Prozent der FSGS-Fälle kennt man eine genetische Ursache, bei etwa 30 Prozent gibt es offensichtlich einen zirkulierenden Faktor, der die Wiederkehr der Erkrankung im Transplantat auslösen kann. Aber für die übrigen 50 Prozent wusste man bis jetzt keine Ursache“, berichtet Kerjaschki.

Mikro-RNA mir-193a

In Zusammenarbeit mit der Forschungsgruppe von Javier Martinez am IMBA (Institute of Molecular Biotechnology) haben die Wissenschaftler der MedUni Wien die unmittelbare Ursache für die Schädigung in der größten Gruppe der Fälle entdeckt.

Sie haben gezeigt, dass eine bestimmte Mikro-RNA (mir-193a) in den kritischen glomerulären Zellen massiv überproduziert wird und das gesamte Programm der notwendigen koordinierten Gen-Regulation dieser Zellen abschaltet. Dadurch werden die Zellen des Filterapparates so sehr geschädigt, dass dies zum Zusammenbruch der gesamten Filtrationsleistung führt und die Blut-Harn-Schranke zerstört wird.

Regulation abgedreht

„Die Mikro-RNA mir-193a dreht die wichtige Regulation der für die Nierenfunktion wichtigsten Zellen ab“, fasst Kerjaschki das Ergebnis der Studie zusammen. Aufbauend auf diesen Resultaten sind weitere Studien geplant, in denen herausgefunden werden soll, so Kerjaschki, „warum mir-193a überexprimiert ist, was daran schuld ist und wie wir dieses krankheitsauslösende System gezielt abschalten können“.

 

Originalpublikation:

Gebeshuber CA et al.: Nat Med 2013; 19 (4): 481–87

MedUni Wien/CL, Ärzte Woche 18/2013

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