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Palliative Care 7. Oktober 2010

European Health Forum Gastein: In Würde altern

Am 9. Oktober ist "World Hospice and Palliative Care Day". Auch während des 13. European Health Forum Gastein ist die alternde Gesellschaft Top-Thema:  Alter wird in Europa zunehmend zum Risikofaktor für ein Leben in Armut. 20 Prozent oder 16 Millionen Europäer, die 65 Jahre sind armutsgefährdet. Das zeigen die Statistiken der Europäischen Union über Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC). Ein Prozentsatz, der deutlich höher liegt,  als in der Durchschnittsbevölkerung. Wobei sich die Ergebnisse innerhalb der 27 EU-Mitgliedstaaten ganz erheblich unterscheiden: In Lettland leben mit 51 Prozent die Senioren mit dem höchsten Armutsrisiko.

Für ein Altern in Würde soll in Zukunft nach den Vorstellungen von Professor Dr. Günther Leiner, Präsident des Europäischen Health Forum Gastein, ein EU-Ausgleichsfonds für ältere Menschen sorgen. "Gerade in Zeiten der Krise und im Windschatten der Finanzkrise ist die Finanzierung alter Menschen schwer gefährdet  - eine Entwicklung, die sich weiter zuspitzen wird. Wir werden zunehmend mit dem Problem konfrontiert, dass man von Pensionen und Renten nicht leben kann." Dazu käme eine regional sehr unterschiedlich und in vielen Fällen völlig unzureichende Versorgung mit würdigen Wohneinrichtungen für ältere Menschen, Pflegeheimen oder mobilen Hilfen für das Leben zu Hause, so Leiner: "Ich fürchte, es ist kein Zufall, wenn zugleich die Debatte um eine Legalisierung der Sterbehilfe immer wieder aufflackert."


Flächendeckende Palliativversorgung: Wer gut betreut ist, will keine Sterbehilfe

Stichwort Betreuung am Lebensende: Trotz aller Fortschritte in der Palliativmedizin für schwerkranke Menschen sei etwa die Versorgung in Europa mit spezialisierten mobilen Hospizdiensten und stationären Palliativeinrichtungen bei weitem nicht flächendeckend gewährleistet, betont EHFG-Vorstandsmitglied Dr. Eberhard Pirich. "Hier gibt es große Unterschiede von Land zu Land, auch innerhalb der EU." Als vorbildlich gelten in der Entwicklung der Palliativbetreuung Großbritannien und skandinavische Länder.

Charta auf europäischer Ebene diskutieren

Dr. Pirich fordert daher eine breite Debatte auf europäischer Ebene. Wichtige Impulse kann die kürzlich verabschiedete Charta liefern, die darauf abzielt, die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit den Themen Sterben und Sterbebegleitung zu fördern."Das Thema Sterben gehört zum Leben, es darf nicht verdrängt oder ausgeklammert werden, sondern gehört in die Mitte der Gesellschaft", so Pirich. "Trotz aller medizinischen Fortschritte und Aussichten, das Leben länger und besser zu gestalten, müssen wir uns auch vergegenwärtigen, dass zum Beispiel allein in Deutschland über 800.000 Menschen, das ist ein Prozent der deutschen Bevölkerung, jährlich sterben – und dies unter ganz unterschiedlichen Bedingungen. Weder in der Gesundheits- noch in der Sozialpolitik, weder bei den Bildungsausgaben noch in der öffentlichen Kommunikation wird ein Sterben in Würde, werden Tod und Trauer explizit bzw. angemessen berücksichtigt", führte Dr. Pirich aus."Aus Sicht der EHFG halten wir es für wichtig, Schwerstkranken und Sterbenden ein Sterben unter würdigen Bedingungen zu ermöglichen und insbesondere Bestrebungen nach einer Legalisierung der Tötung auf Verlangen eine Perspektive der Fürsorge und des menschlichen Miteinanders entgegenzusetzen", sagte Pirich.Link
Charta zur Betreuung Sterbender
 

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