zur Navigation zum Inhalt
 
Pflege 1. Juli 2010

Postmortale Trauerverarbeitung betreuender Angehöriger in Deutschland: Prospektive interviewbasierte Untersuchung

HINTERGRUND: Unterstützende Aspekte ambulanter Palliativdienste umfassen medizinische, psychologische und spirituelle Bedürfnisse von Patienten und ihren betreuenden Angehörigen. Die Zielsetzung der vorliegenden Arbeit ist die Untersuchung der postmortalen Trauerverarbeitung betreuender Angehöriger.

METHODIK: In der Studie wurde der Einfluss eines ambulanten Palliativdienstes auf die postmortale Trauerverarbeitung von 50 betreuenden Angehörigen verstorbener Patienten untersucht. Die Interviews wurden mithilfe eines für die Untersuchung erstellten Fragebogens in Bezug auf die validierten Kriterien von Prigerson, Horowitz sowie der Definition nach ICD-10 zur Trauerverarbeitung erstellt. Eingeschlossen wurden alle Personen im Alter von über 18 Jahren, die den Patienten während seiner Krankheit überwiegend betreuten.

ERGEBNISSE: Es konnten insgesamt 46 betreuende Angehörige entsprechend der definierten Kriterien in die Untersuchung eingeschlossen werden. Gemäß den Kriterien von Prigerson, Horowitz sowie nach ICD-10 wurde bei bis zu 30% der Untersuchten eine komplizierte Trauerverarbeitung festgestellt. Bezüglich der drei Kriterien konnte kein statistisch signifikanter Unterschied festgestellt werden (P > 0,05). Ebenfalls konnte unter Berücksichtigung des Alters, des Geschlechts der Angehörigen, der Art der Tumorerkrankung, der Dauer der Erkrankung oder der Qualitätsempfindung der Betreuung durch den ambulanten Palliativdienst kein statistisch signifikanter Unterschied der Trauerverarbeitung bzw. des Risikos für eine pathologische Trauerreaktion ermittelt werden (P > 0,05). Insgesamt waren 97% der Angehörigen mit der Betreuung durch den Palliativdienst zufrieden.

SCHLUSSFOLGERUNG: Die Ergebnisse unserer Untersuchung lassen vermuten, dass die Unterstützung betreuender Angehöriger das Risiko einer pathologischen Trauerreaktion vermindern kann. Eine sorgsame Exploration möglicher Faktoren, die auf eine pathologische Trauerreaktion deuten, ist in der Betreuung von besonderer Bedeutung. Unterstützende spezialisierte ambulante palliativmedizinische Hilfsangebote sind zu empfehlen, um zahlreiche Probleme zu reduzieren und die Trauerreaktion positiv zu beeinflussen. Deshalb scheint es notwendig, Hilfe sowohl vor als auch nach dem Tod eines Patienten anzubieten, um die Trauerverarbeitung positiv beeinflussen zu können.

Christoph H. R. Wiese, Hannah C. Morgenthal, Utz E. Bartels, Andrea Voßen-Wellmann, Bernhard M. Graf, Gerd G. Hanekop, Wiener klinische Wochenschrift 13/14/2010

Volltext dieses Beitrags / entire article auf SpringerLink

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben