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Foto: Privat

Dr. Klaus Peter Schuh Allgemeinmediziner, Oberwart

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Dr. Wolfgang Wiesmayr Allgemeinmediziner, Vöcklabruck
 
Praxis 9. März 2010

Mobil palliativ tätig

Die Betreuung in der letzten Lebensphase erfordert Engagement.

Die meisten Menschen haben den Wunsch, daheim zu sterben, doch für den Großteil bleibt er unerfüllt – nicht zuletzt, weil die Angehörigen mit der entsprechenden Versorgung überfordert sind. Mobile Palliativteams können sie kompetent unterstützen. Die Rahmenbedingungen sind jedoch nach wie vor mangelhaft.

 

Vor zwölf Jahren hatte der Allgemeinmediziner Dr. Wolfgang Wiesmayr aus Vöcklabruck ein einschneidendes Erlebnis: „Ich begleitete drei junge Frauen, die im Sterben lagen. Damals merkte ich deutlich die Überforderung und beschloss, mich auf diesem Gebiet weiterzubilden.“ Und so absolvierte er unter anderem eine interdisziplinäre Basisausbildung Palliative Care.

„Die Begleitung von Menschen in der letzten Lebensphase ist in der medizinischen Ausbildung kaum ein Thema und schon gar nicht, wie wichtig dabei die interdisziplinäre Kooperation ist“, so Wiesmayr. Er baute in seiner Region eines der ersten Mobilen Palliative Care Teams in Oberösterreich auf, die mittlerweile auch viele Kollegen als wertvoll betrachten.

Die beiden Tätigkeiten – Kassenarzt und Mitglied im Mobilen Palliativteam – ließen sich durch entsprechende Organisation miteinander vereinbaren. Ohne großes Engagement wäre der Einsatz in der Palliativbetreuung aber nicht möglich, denn nach wie vor seien die Bereitschaftsdienste eine ehrenamtliche Tätigkeit, betont Wiesmayr. Er sei zwar nicht bei allen Einsätzen dabei, aber unterstütze das Team mit seinem palliativmedizinischen Fachwissen dort, wo es notwendig sei.

Die interdisziplinären Fallbesprechungen werden aus dem oberösterreichischen Strukturfonds finanziert. Wichtig wäre jedoch, dass palliative Bereitschaftsdienste durch Pauschalen gedeckt werden, so wie Abend-, Wochenend- oder Feiertagsdienste auch.

Die Bedeutung der Mobilen Palliativteams werde, ist sich Wiesmayr sicher, ebenso wie die von Hospizteams in den nächsten Jahren zunehmen. Zur Motivation niedergelassener Ärzte sollten die Rahmenbedingungen allerdings verbessert werden. So wichtig die Einrichtung und der Ausbau palliativer Strukturen im stationären Bereich sei, dürfe keinesfalls der extramurale Bereich vernachlässigt werden. Nur so könne dem Wunsch der meisten Menschen, so lange wie möglich – also bis zum Tod – in den eigenen vier Wänden bleiben zu können, entsprochen werden.

Mithelfende Kollegen

Besonders wichtig ist aus Wiesmayrs Sicht die Rückendeckung durch Kollegen, die für eine Vertretung zur Verfügung stehen. So gebe es einen Kollegen, der ihn regelmäßig in der Gemeinschaftspraxis vertritt, die er mit seiner Frau in Vöcklabruck betreibt.

Wiesmayr: „Einige Zeit war ich überzeugt, alles allein schaffen zu können, zum Glück hat mein Gesundheitssystem die Bremse gezogen – seither lebe ich auch die Kooperation, die ich immer wieder predige.“ Ganz ehrenamtlich ist er zusätzlich als Vorsitzender des Landesverbands Hospiz Oberösterreich aktiv, um auch auf politischer Ebene etwas zu bewegen. Ein notwendige Sache, denn viele im Feld Palliative Care und Hospiz Tätige sind ausgebrannt, „weil zu wenig in den Ausbau extramuraler, mobiler Strukturen investiert wird.“

Als Mitbegründer der Hospizbewegung im Burgenland 1995 ist Dr. Klaus Peter Schuh, niedergelassener Arzt für Allgemeinmedizin in Oberwart, seit dem Sommer 2008 einer von drei Allgemeinmedizinern mit palliativer Zusatzausbildung, die in einem Mobilen Palliativteam (MPT) tätig sind. Sowohl die medizinischen Leistungen als auch jene der involvierten Fachpflegekräfte und Berufsgruppen (etwa Physiotherapeuten) werden aus Landesmitteln finanziert. Der Budgetposten wird dabei jährlich dem Bedarf angepasst.

„Wichtig ist ein gutes Zeit- und Teammanagement, um die Tätigkeit neben jener als Kassenarzt auszuführen“, sagt Schuh. Im MPT gibt es zusätzlich zu interdisziplinären monatlichen Treffen einen geschützten Bereich im Internet, über den die aktuellsten Informationen ausgetauscht werden. „Es geht um eine langfristige koordinierte Planung, bei der der Hausarzt als Hauptansprechpartner des Patienten durch regelmäßige Informationen auch intensiv einbezogen wird.“

Dies beginne schon mit Gesprächen mit der Überleitungspflege, wo geprüft wird, welche palliative Unterstützung bei einem Patienten konkret nötig ist, was davon der Hausarzt selbst leisten kann und wo die Unterstützung des MPT nötig ist. Die konkreten Termine würden mit Patienten und Angehörigen vereinbart, wobei er, Schuh, als Hausarzt in der terminalen Phase über Mobiltelefon jederzeit erreichbar sei. Ein Bereitschaftsdienst, den er ehrenamtlich macht.

Die Tätigkeit im MPT lasse sich mit guter Planung und Koordination auch mit den anderen anfallenden Visiten vereinbaren. Ein wichtiger Faktor sei zudem die gute Aufklärung der Patienten und der Betroffenen, auch hinsichtlich der konkreten Gestaltung der letzten Lebensphase und des Umgangs mit Notfallsituationen.

„Ich bekomme viel zurück, von dem, was ich Menschen in ihrer letzten Lebensphase als Arzt an Zuwendung und auch medizinischem Know-how gebe“, betont Schuh, für den das Thema Sterben „einfach zum Leben gehört“. Hilfreich für den Umgang damit sei zudem der Austausch mit den anderen Ärzten im Team sowie mit den involvierten Pflegefachkräften oder Therapeuten.

Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 10 /2010

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