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Fotos (2): Caritas Socialis / www.cs.or.at
 
Palliative Care 16. Februar 2010

Rückendeckung bis zum Ende

Hospiz und Palliative Care Teil 2: Niedergelassene Ärzte kommen bei der Begleitung Sterbender an ihre Grenzen.

Hausärzte spielen bei vielen Patienten die Rolle eines Lebensbegleiters – so bleiben sie auch in der Phase von deren Sterben eine wichtige Vertrauensperson. „Niedergelassene Allgemeinmediziner übernehmen hier eine Schlüsselrolle. Sie bleiben im Optimalfall bis zum letzten Atemzug die Hauptansprechpartner für die Patienten und haben ebenso die Situation der Angehörigen im Blickfeld“, betont Dr. Johann Baumgartner, Leiter der Koordination Palliativbetreuung Steiermark. Er verweist aber auch darauf, dass Ärzte manchmal mit dieser Aufgabe überfordert sind. Oft gewünscht wird der intensivere Austausch mit Kollegen oder Fachpflegekräften.

Unterstützung können sich niedergelassene Mediziner von Mobilen Palliativteams (MPT) holen, gerade wenn es um schwierige Situationen bei der Betreuung von Sterbenden geht. Die MPTs verstehen sich als Ratgeber. Manchmal beobachten Ärzte MPTs bei ihrer Tätigkeit und sagen dann: „Die kochen auch nur mit Wasser.“ Für Baumgartner ist es „ganz im Sinn des Konzepts der abgestuften palliativen Betreuung, wenn niedergelassene Ärzte hier selbständig tätig sind“. MPTs bieten Rückhalt bei komplexeren Fällen, also zum Beispiel bei der individuellen Schmerztherapie oder der Linderung von Begleitsymptomen wie Übelkeit, Erbrechen und Atemnot. Auch in der Begleitung von Patienten und Angehörigen in belastenden Situationen und in der Zeit der Trauer sind sie speziell geschult.

Leider sind trotz aller guten Erfolge der MPTs sowie der ehrenamtlichen Hospizteams deren Möglichkeiten, Aufgaben und Angebote noch zu wenig bekannt.

Dazu nennt Baumgartner eine Zahl, die er als „symptomatisch“ empfindet: Etwa 15 Prozent jener Menschen, die an den Grazer Kliniken sterben, kommen aus den Alten- und Pflegeheimen. Dieser Wert ließe sich durch gezielte Maßnahmen deutlich verbessern

Schwierige Versorgungssituation in Heimen

„Vor allem in der letzten Lebensphase braucht es die interdisziplinäre Zusammenarbeit“, meint Mag. Leena Pelttari-Stachl, MAS, Geschäftsführerin von Hospiz Österreich, dem Dachverband der Palliativ- und Hospizeinrichtungen. Die Visiten der Ärzte in Heimen sind aufwendig, aber zugleich schlecht honoriert, Fallbesprechungen werden nicht bezahlt. Eine Rufbereitschaft, mit Ausnahme des Notarzt-Dienstes, besteht nicht.

So kommt es immer wieder zu vermeidbaren Spitalsaufnahmen. Der Transport und der Aufenthalt in der ungewohnten Umgebung können für die Betroffenen traumatisch sein und ihr Gesundheitszustand ist danach oft schlechter als zuvor. Bei Hospiz Österreich läuft zur Zeit ein entsprechendes Qualitätsentwicklungsprojekt in acht Modellheimen (siehe Kasten Modellprojekt im Heimbereich).

Modellprojekt im Heimbereich
Seit 2005 hat Hospiz Österreich seine Bemühungen intensiviert, um Hospiz und Palliative Care in Alten- und Pflegeheimen zu integrieren. Die Hospizbewegung Vorarlberg startete mit den ersten 14 Modellheimen. Die Richtlinien wurden von Hospiz Österreich weiterentwickelt.
Unterstützt mit Mitteln des Fonds Gesundes Österreich, startete ein Qualitätsentwicklungsprojekt von Hospiz Österreich und Landesverband Hospiz Niederösterreich, um Hospizkultur und Palliative Care in Heimen umzusetzen. Ziele umfassender Schulungen sind eine Verbesserung der interdisziplinären Kommunikation und Zusammenarbeit sowie die stärkere Einbindung und Begleitung Angehöriger.
Umgesetzt wird das Projekt in acht Modellheimen in Niederösterreich. Zudem werden österreichweit Schulungen für Projektbegleiterinnen und Projektbegleiter angeboten sowie deren Vernetzung gefördert.

Wichtiger Motor für die Umsetzung ist der im Vorjahr gegründete „Beirat Hospiz und Palliative Care im Pflegeheim“, in dem auch die Österreichische Ärztekammer, das Gesundheits- und Sozialministerium, der Dachverband der Alten- und Pflegeheime, die ARGE Pflegedienstleitungen, die Verbindungsstelle der Länder, die Österreichische Gesellschaft für Allgemeinmedizin und das ÖBIG vertreten sind.

„Das Projekt ist ein wichtiger Schritt und ein Beitrag zur stärkeren Sensibilisierung betreuender Ärzte und Mitarbeiter in den Heimen“, sagt Baumgartner. Aus seiner Sicht wäre parallel der Blick auf vorhandene Strukturen und Ressourcen wichtig: „Ansonsten besteht die Gefahr, dass trotz vorhandenen Wissens über die Möglichkeiten zur Versorgung sterbender Heimpatienten die Umsetzung in der Praxis z. B. am Personalmangel scheitert.“
Das Projekt ist eine Herausforderung für Hausärzte: Sie sollen häufiger an Fallbesprechungen teilnehmen und mehr Zeit für Angehörige haben. „Für diese sicher wichtigen Tätigkeiten fehlen aber entsprechende Abrechnungssituationen“ kritisiert Baumgartner.

Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher , Ärzte Woche 7 /2010

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