zur Navigation zum Inhalt
 
Allgemeinmedizin 21. November 2006

Generika in der Therapie der Osteoporose

Bisphosphonate zählen zu den bedeutendsten Medikamenten in der Osteoporose-Therapie. Seit April 2006 sind Alendronsäure ratiopharm 70 mg-Tabletten als generische Vertreter dieser Substanzklasse für die einmal wöchentliche Gabe in der Green-Box verfügbar.

In der letzten Zeit ist eine intensive Debatte über Bisphosphonat-Generika entstanden. Es wird beispielsweise argumentiert, dass unterschiedliche Zerfallsgeschwindigkeiten der Tabletten Nebenwirkungen z.B. im Ösophagus oder eine variable Resorption bedingen können. Die Zulassung von Alendronsäure ratiopharm erfolgte wie beim Original über ein europäisches Zulassungsverfahren, ein so genanntes gegenseitiges Anerkennungsverfahren. Das Produkt wurde somit von mehreren EU-Zulassungsbehörden genauestens geprüft. Voraussetzung war eine dem Arzneimittelgesetz entsprechende lückenlose Dokumentation von Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit des Präparates. Es wurden auch galenische Eigenschaften der Präparate überprüft. Diese müssen sich einschließlich der Zerfallsdaten in den vorgeschriebenen Bereichen befinden. Für Generika Präparate muss vor Zulassung Bioäquivalenz gezeigt werden, d.h. an einer substanzabhängig definierten Anzahl an ProbandInnen im Mittel gleiche Blutspiegel (oder eine gleiche Ausscheidung im Harn) wie beim Originator nachweisbar sein (Pharmainformation, Jahrgang 21 / Nr.3, Innsbruck, September 2006). Der Nachweis der therapeutischen Gleichwertigkeit von Alendronsäure ratiopharm zum Original erfolgte über eine Bioäquivalenzstudie, die wegen der außerordentlich geringen Bioverfügbarkeit oral verabreichter Alendronsäure auf Wirkstoffbestimmungen im Urin basierte.

Schwankende Blutspiegel offensichtlich kein Problem

Nur ein minimaler, für die Wirkung jedoch ausreichender Prozentsatz der Substanz gelangt nach oraler Gabe in den Blutkreislauf. Am/an den/r einzelnen Patienten/in kann der Blutspiegel bei der niedrigen Bioverfügbarkeit stark schwanken, allerdings gilt das nicht nur für Generika, sondern auch für das Originalpräparat. Von Tag zu Tag schwankende Blutspiegel stellen für Bisphosphonate jedoch offensichtlich kein Problem dar. Dies zeigt sich auch darin, dass auch eine einmal wöchentliche oder sogar einmal jährliche Gabe eine ausreichende Wirkung entfalten kann (Pharmainformation, Jahrgang 21 / Nr.3, Innsbruck, September 2006). Der Wirkstoff Alendronat besitzt große therapeutische Breite. Ein Teil davon wird dauerhaft in den Knochen eingelagert und entfaltet dort seine Wirkung. Der Rest wird nahezu ausschließlich unverändert über die Nieren ausgeschieden (Anne Barrett Ragsdale, MD, et al., Arch Fam Med/Vol 7, Nov/Dec 1998). Dass Alendronsäure nicht metabolisiert und fast ausschließlich renal eliminiert wird, stellt laut Experten eine Voraussetzung dar, die Pharmakokinetik anhand von Urinmessungen zu beurteilen (Porras AG et al., Clin Pharmacokinet. 1999 May;36(5): 315-28; Cocquyt V. et al., J Clin Pharmacol. 1999 Apr;39(4):385-93). Es besteht eine klare Relation zwischen im Harn nachgewiesener Konzentration und Blutspiegel, die eindeutige Aussagen über die Bioverfügbarkeit von Alendronsäure-Präparaten erlaubt. Arzneimittelbehörden auf nationaler und auf internationaler Ebene haben sich dieser Auffassung angeschlossen. Nach eingehender Prüfung der gesamten Dokumentation wurde die Zulassung für das generische Alendronsäure-Präparate erteilt. Wie sehr sich die Galeniken des Generikums und des Erstpräparates im Falle von Alendronsäure 70 mg-Tabletten ähneln, zeigt sich nicht zuletzt auch in der qualitativ gleichwertigen Hilfsstoffzusammensetzung. Weitere – für die pharmazeutische Qualität wesentliche – Parameter sind die Zerfallszeit und Wirkstofffreisetzung der Tabletten. Alle für Alendronsäure ratiopharm nach dem aktuellen Stand des Wissens durchgeführten Messreihen waren Bestandteil der Evaluierung durch die Zulassungsbehörden. In Österreich wurde übrigens doppelt geprüft. Neben der behördlichen Zulassung erfolgte eine weitere Prüfung durch die Heilmittel-Evaluierungs-Kommission im Zuge der Aufnahme in die Green-Box. Das Ergebnis bestätigte Alendronsäure ratiopharm 70 mg als therapeutisch gleichwertige Alternative zum entsprechenden Erstpräparat.

Nähere Informationen bei: ratiopharm, Mag. Rainer Astl, Tel. 01/970 07-550, Fax-DW: 66, Email:

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben