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Orthopädie 18. Oktober 2005

Die Osteoporose verliert allmählich an Schrecken

Die Osteoporose kann aufgrund ihrer Häufigkeit zu Recht als Volkskrankheit bezeichnet werden. Sie ist jedoch heutzutage kein Schicksalsschlag mehr, der einfach hingenommen werden muss. Aktuelle Erkenntnisse über die Pathogenese haben in jüngster Zeit verschiedenste Ansätze für Frühdiagnostik, Prävention und Therapie eröffnet. In der Pipeline warten bereits neue Substanzen mit Zukunftspotenzial.

Die Osteoporose ist gekennzeichnet durch eine Verringerung der Knochenmasse und Veränderungen der Knochenmikroarchitektur, wodurch das Risiko von Frakturen steigt. „Dadurch können nicht nur übermäßige Kräfte, wie zum Beispiel bei Unfällen, sondern auch alltägliche mechanische Belastungen zu Knochenbrüchen führen“, erklärt OA Dr. Marcus Köller, Universitätsklinik für Innere Medizin III, Klinische Abteilung für Rheumatologie, AKH Wien. Die Osteoporose ist nach WHO-Definition eine Abnahme der Knochen(mineral)dichte um 2,5 Standardabweichungen (SD) oder mehr unter jener junger Erwachsener (T-Score). Die Weltgesundheitsorganisation WHO reiht Osteoporose bereits unter die zehn häufigsten Erkrankungen weltweit, Tendenz angesichts der demographischen Entwicklungen stark steigend. „Die absolute Zahl der Schenkelhalsfrakturen wird in Österreich von etwa 12.000 im Jahr 2000 auf geschätzte 25.000 im Jahr 2040 zunehmen. Die Zahl der Wirbelkörperfrakturen wird bis zum Jahr 2050 auf etwa 910.000 anwachsen“, prognostiziert Prof. Dr. Kurt Weber, Medizinische Universitätsklinik Graz, Leiter der „Aktion gesunde Knochen“. „Osteoporotische Frakturen werden neben dem menschlichen Leid überproportional hohe Kosten im Gesundheitssystem verursachen.“ So werden allein die im Jahr 2040 zu erwartenden 25.000 Schenkelhalsfrakturen nach derzeitigen Kalkulationen jährliche Kosten von 900 Millionen Euro verursachen. Für die Pathogenese der erhöhten Knochenbrüchigkeit sind bereits viele Risikofaktoren und auslösende Ursachen bekannt. An vorderster Stelle sind die natürliche sowie die künstlich induzierte Menopause zu nennen, gefolgt vom altersbedingten Knochenverlust bis zu Ernährungsfaktoren, UV-Mangel, diversen Erkrankungen und Arzneimittelnebenwirkungen (vor allem Steoridosteoporose) sowie genetischen Defekten.

Osteodensitometrie und biochemische Marker

Für die Diagnostik stehen radiologische Verfahren zur Knochendichtemessung (Osteodensitometrie) und Abschätzung des Frakturrisikos zur Verfügung. „Durch die geringe Strahlenexposition, einfache Handhabung und die international anerkannte Standardisierung ist die DXA-Methode (Dual-Energy-X-Ray-Absorptiometry) mit Bestimmung der Knochendichte an der Lendenwirbelsäule und am Schenkelhals am weitesten verbreitet“, erklärt OA Dr. Christian Krestan, Universitätsklinik für Radiodiagnostik, Abteilung für Osteoradiologie, AKH Wien. Noch höhere Präzision besitzt die QTC (Quantitative Computed Tomography) als volumetrische Messung. Neben diesen gebräuchlichsten Verfahren ist auch die computertomographische Messung am Unterarm eine interessante Alternative zur Messung an der Wirbelsäule. Aufgrund seiner guten Praktikabilität gewinnt auch der Ultraschall an Bedeutung.„In der Praxis können die radiologischen Verfahren der Osteodensitometrie nicht immer einen Beitrag zur frühzeitigen Erkennung von Knochenstoffwechsel-Erkrankungen leisten und dynamische Veränderungen widerspiegeln. Darüber hinaus ist die Knochendichtemessung für die Verkaufskontrolle einer effizienten Osteoporosetherapie nur in großen Intervallen – mindestens zwölf bis 18 Monate – geeignet“, betont Prim. Prof. Dr. Heinrich Resch, Vorstand der II. Medizinischen Abteilung, Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern, Wien. „Am einfachsten und in den frühesten Phasen gelingt die Einschätzung der Dynamik des Knochenstoffwechsels nur durch biochemische Analysen.“ Unterschieden werden hierbei Laborparameter für den Knochenaufbau und für den Knochenabbau.

Ernährung und Sport haben bedeutenden Einfluss

Sowohl in der Prävention als auch als Therapieunterstützung spielen Ernährung und gezielte Bewegung eine wichtige Rolle.„Milch und Milchprodukte sind wichtige Lebensmittel zur Deckung des Kalziumbedarfes. So ist der durchschnittliche Tagesbedarf an Kalzium mit einem halben Liter Milch oder Joghurt etc. und 50 Gramm magerem Käse gedeckt“, erklärt Birgitt Schwarzinger, Dipl. Diätassistentin und ernährungsmedizinische Beraterin, Wilhelminenspital, Wien. Daneben sollten viel Gemüse, Salat, Obst und Vollkornprodukte eingeplant werden. Weiters sollte der Fleisch- und Wurstkonsum reduziert und durch Vitamin-D-reiche Fischmahlzeiten ergänzt werden. Das American College of Sport Medicine hat allgemeine Empfehlungen hinsichtlich sportlicher Aktivität zur Prävention von Osteoporose erstellt. Das wissenschaftlich entwickelte Trainingsprogramm differenziert zwischen Osteoporose-Prophylaxe (ohne manifeste Erkrankung), klinisch manifester Osteoporose sowie Frauen im Leistungs- oder Breitensport mit Menstruationsstörungen beziehungsweise gestörtem Essverhalten.„Besonders wird darauf hingewiesen, dass Patienten unabhängig vom individuellen Osteoporoserisiko ein breit gefächertes Trainingsprogramm empfohlen werden sollte. Am effektivsten dürfte sich eine Kombination aus Muskelkraft-, Ausdauertraining und Flexibilitätsübungen erweisen“, resümiert OA Dr. Edmund Cauza, 5. Medizinische Abteilung, Rheumatologie, Diabetes und Stoffwechselerkrankungen, Wilhelminenspital, Wien.

 

Dr. Monika Steinmaßl-Wirrer, Ärzte Woche

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