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Orthopädie 18. Oktober 2016

VIDEO Das große Bröseln

Trotz erwarteter starker Zunahme der osteoporotischen Frakturen bis Mitte des Jahrhunderts, sprechen Experten von einer Erfolgsgeschichte der Medizin. Klingt paradox, ist aber trotzdem wahr.

Wenn alles zerbröselt, wie kann man es dann zusammenhalten? Damit beschäftigt sich unter anderem Prim. Prof. Dr. Elisabeth Preisinger. Auf dem Wiener Osteoporosetag tritt sie als Expertin auf und empfiehlt kontinuierliches Training und Muskelaufbau, das bereits in der Jugend mit vorwiegenden „Impact-Sportarten" wie Laufen, Springen oder Tanzen beginnen sollte.

Die Knochenmasse, von der man ein Leben lang zehrt, werde nur durch starke Belastung aufgebaut. Diese „Vorarbeit" sei wichtig, denn ein beginnender Knochenschwund, der sich im fortgeschrittenen Alter, durch Krankheit oder in der Menopause bemerkbar macht, könne mit gezieltem Krafttraining verlangsamt werden.

Passieren Frakturen dennoch, komme die individualisierte Medizin zum Einsatz, erläutert OA Doz. Dr. Jochen Hofstätter. Von 1990 bis 2050 gerechnet, sei eine 300-prozentige Steigerung der osteoporotischen Frakturen zu erwarten. Dennoch könne man von einer Erfolgsgeschichte der Chirurgie sprechen.

Die Ursache für die erwartete Zunahme der Fälle liegt an der steigenden Lebenserwartung. Bedingt durch verminderte Knochendichte kommt es aus scheinbar nichtigem Anlass zu Frakturen von Wirbeln, Elle und Speiche oder Oberschenkelhals. Binnen eines Jahres nach einem Oberschenkelhalsbruch sterben rund 20 Prozent der Patienten.

Minimalinvasive Eingriffe, eine Vielzahl an Prothesen, Platten, Nägeln und verbesserte Narkosen werden mit neuen Nachbehandlungsmethoden kombiniert, sodass sich lange stationäre Aufenthalte in nur wenige Tage verwandelt haben.

Besonders erwähnenswert sei die Entwicklung winkelstabiler Plattensysteme und zementaugmentierter Schrauben, die auch bei fortgeschrittener Osteoporose noch Halt finden.

Internationale Vergleiche zeigen, dass 95 Prozent der Implantate auch nach mehr als zehn Jahren in Verwendung sind, sagt der Orthopäde an der Spezialambulanz für Hüft- und Kniegelenksendoprothetik Wien-Speising.

Hop on/Hop off-Prinzip

Themenwechsel. Nach einer Operation beginnt die palliative Versorgung üblicherweise mit Opiaten. Die Nebenwirkungen lassen sich gut mit Cannabinoiden kompensieren, erklärt Dr. Martin Pinsger, MSc. Er hat mehr 1.000 Patienten mit Cannabinoiden behandelt und kann diese Medikation bei vorsichtiger Dosierung und Ausschluss der Risikogruppen nur empfehlen.

Schwangere, Jugendliche und psychotische Patienten stellen diese Risikogruppe dar und sind daher von einer Behandlung ausgeschlossen. Bei normaler Anwendung werden die Medikamente auch von selbst wieder abgesetzt oder bei Bedarf nach dem Hop On/Hop Off-Prinzip verwendet. Diese Erfahrung zeige, dass die Gefahr, eine Abhängigkeit zu entwickeln, extrem gering ist.

Anschließend werde ein gezieltes Training eingesetzt, sagt Preisinger. In diesem Fall ist es aber nicht mehr das Impact Training, sondern schnelles Gehen, das die gewünschten Effekte bringen soll. Ziele aller Maßnahmen sind die Wiederherstellung der Beweglichkeit, Reduktion der Schmerzen und ein Gewinn an Lebensqualität.

Michael Janousek, Ärzte Woche 42/2016

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