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Allgemeinmedizin 12. September 2014

Unkompliziert, aber aussagekräftig

Tandem-Test gibt Hinweis auf Knochendichte.

Frauen ab 60 Jahren, die im Stehen nicht die Balance halten, werden nicht nur mit größerer Wahrscheinlichkeit stürzen, sondern haben auch häufiger eine geringe Knochendichte – also ein stärker erhöhtes Frakturrisiko als bisher angenommen.

25 bis 33 Prozent der über 65-Jährigen stürzen einmal pro Jahr, erinnert Prof. Dr. Dieter Felsenberg beim Symposium der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) in Dresden: „Das kann schwere Folgen haben: Fünf Prozent von ihnen erleiden Frakturen und bis zu 20 Prozent weitere Verletzungen; häufig entstehen Kopfverletzungen“, gibt der Leiter des Zentrums für Muskel- und Knochenforschung an der Charité Berlin zu bedenken. Und: „An den Folgen eines Treppensturzes sterben fast ebenso viele Menschen wie bei Autounfällen.“

„Einfach so“ gestürzt

80 Prozent der Stürze im Alter sind nicht durch Synkopen oder äußere Faktoren wie Hindernisse und schlechte Beleuchtung bedingt; sie passieren „einfach so“. Deshalb sollten Senioren nach Gleichgewichtsstörungen und bereits erlebten Stürzen gefragt werden. Bejahen sie, sind weitere Tests angezeigt. Dazu gehören einfache Assessments wie der Romberg-, Tandem- und Semi-Tandem-Test, bei denen der Proband jeweils zehn Sekunden lang mit offenen Augen eine bestimmte Standposition halten soll.

Unkomplizierte Tests mit hoher Aussagekraft

Beim DGE-Symposium stellte Felsenberg eine eigene Studie in Kooperation mit dem Kuratorium Knochengesundheit vor, die Erstaunliches zutage gebracht hatte. Demnach können die genannten Gleichgewichtstests nicht nur das Sturzrisiko vorhersagen, sondern sie sind auch mit einer erniedrigten Knochendichte an der Hüfte assoziiert, zumindest bei postmenopausalen Frauen.

Felsenberg und sein Team ließen bundesweit 1.197 Frauen ab 60 Jahren, die ohne Hilfsmittel gehen konnten, alle drei Tests durchführen. Zudem ermittelten sie im „Osteomobil“ die Knochendichte (mittels DXA) und weitere Parameter. Das Ergebnis: Probandinnen, die nicht in der Lage waren, die Balance zehn Sekunden lang zu halten, hatten nicht nur im Durchschnitt eine ungünstigere Sturzanamnese, sondern auch eine verdoppelte Wahrscheinlichkeit für eine erniedrige Knochendichte am proximalen Femur.

Öfter nach Sturzanamnese fragen

„1,25 Prozent der Probandinnen haben den Rombergtest mit parallel gestellten Füßen nicht bestanden“, berichtete der Osteologe. „7,2 Prozent konnten beim Semi-Tandem-Test nicht lange genug mit leicht nach vorn und hinten versetzten Füßen stehen. Und 12,9 Prozent schafften den Tandem-Test mit eng voreinander gestellten Füßen nicht. Von ihnen allen hatten jeweils etwa 26 bis 28 Prozent einen T-Wert von ≤ 2,5 am Femur; von den Übrigen waren es nur 12 bis 14 Prozent“, so Felsenberg. Ein möglicher kausaler Zusammenhang wurde in der Studie nicht untersucht. Jedenfalls sollte aber das überzufällig häufige gemeinsame Auftreten von Balance- und Knochenmineralisationsstörungen bei postmenopausalen Frauen ein Warnsignal und Anlass zu häufigeren Assessments zur Sturzprävention sein.

springermedizin.de, Ärzte Woche 38/2014

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