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Orthopädie 30. Juni 2005

Handlungsbedarf bei Osteoporose

Im Rahmen des internationalen Kongresses "Osteologie 2002" fand in Graz am 8. März 2002 unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Klaus Klaushofer, ärztlicher Direktor des Wiener Hanuschspitals, das Symposium "Ein Meilenstein in der Osteoporosetherapie" statt. Dabei konnte zweifelsfrei mit großem Konsens festgehalten werden, dass die Diagnose "Osteoporose" viel zu selten gestellt und noch wesentlich seltener adäquat behandelt wird.

Altersassoziierte Erkrankung

Der Altersschwund des Knochens entsteht aufgrund eingeschränkter körperlicher Aktivität und Beeinflussung des Biofeedback-Mechanismus der Osteoblasten mit negativen Auswirkungen auf das Remodelling. Die Varianz der Knochendichte ist mit +/- 20 Prozent g/cm2 sehr groß. Da diese Varianz im Alter gleich bleibt, kann dies als Argument herangezogen werden, dass die Osteoporose altersassoziiert ist. Rund 30 Prozent der Frauen und 13 Prozent der Männer über 50 Jahre leiden an Osteoporose. Die altersspezifischen Prävalenzzahlen für Wirbelkörperdeformitäten nehmen laut EU-Osteoporose-Bericht 1998 in Mitteleuropa vom 50. bis zum 85. Lebensjahr bei Frauen von rund 10 Prozent auf über 50 Prozent zu, bei Männern von etwa 13 Prozent auf bis zu 30 Prozent. Pro Jahr erleiden in Österreich aufgrund ihrer fortgeschrittenen Osteoporose 520.000 Menschen Wirbelkörperfrakturen und 12.000 Menschen Schenkelhalsfrakturen. Allein die stationäre Behandlung dieser Patienten kostet 150 Millionen Euro.

Die "Awareness" für dieses altersassoziierte Krankheitsbild stellt jedoch ein trauriges Kapitel der Medizin- und Sozialgeschichte dar. Laut Prof. Dr. Harald Dobnig, Medizinische Univ.-Klinik Graz, werden 52 Prozent der betroffenen Patienten nicht diagnostiziert und 25 Prozent trotz Diagnose nicht therapiert. Es bleiben somit nur 23 Prozent von etwa 750.000 Österreichern mit Osteoporose, die adäquat behandelt werden. Dobnig: "Die Bedeutung der Osteoporose wird drastisch unterschätzt. Die Folge sind häufig, mitunter sehr schmerzhafte Frakturen, die oft zur Invalidisierung führen. Es drohen auch Depression, soziale Isolierung und vorzeitiger Tod."

Im Jahr 2001 wurden in 95 Alters- und Pflegeinstitutionen in Österreich mehr als 2.000 Personen auf Osteoporose untersucht. 80 Prozent der Untersuchten wiesen einen Serum-Vitamin-D-Spiegel unter 10 ng/ml auf und 40 Prozent starke Parathormon-Erhöhungen. Nur knapp zwei Prozent der Personen wurden mit einem Kombinationspräparat gegen Osteoporose behandelt. Prof. Dr. Helmut Minne, Klinik "Der Fürstenhof", Bad Pyrmont, BRD: "Das Ziel der Osteoporosetherapie ist die Reduktion des Frakturrisikos. Dazu müssen Diagnostik und Therapie der Osteoporose deutlich intensiviert werden. Es spricht für eine schreckliche menschliche Ignoranz, wie in westlichen Wohlstandsgesellschaften mit den betroffenen Patienten umgegangen wird. Die Spätkomplikationen der Osteoporose werden zur Katastrophe! Die Fraktur bei Osteoporose stellt ebenso eine vermeidbare Spätkomplikation einer chronischen Krankheit dar wie der Herzinfarkt bei der koronaren Herzkrankheit oder der Schlaganfall bei arterieller Hypertonie. Zumindest die Hälfte der osteoporotischen Frakturen können durch eine adäquate Therapie verhindert werden." Bei knappen Mitteln gibt es, so Minne, einen Konkurrenzkampf der Diagnosen und Fachdisziplinen, bei dem die Osteologen derzeit noch im Nachteil sind. Es bedürfe handfester Regelmechanismen auf den Prinzipien der Evidence based Medicine. Solche Leitlinien richten sich an die behandelnden Ärzte, die damit ein starkes Argument für die ökonomische Durchsetzung einer notwendigen Therapie erhalten und an die Kostenträger.

Therapie durch EBM begründbar

Eine eindeutig positive Bewertung gibt es in der Osteoporosetherapie bisher nur für Kalzium und Vitamin D, für die Bisphosphonate Alendronat und Risedronat sowie für Raloxifen. Fluoride, Calcitonin und Sexualsteroide bei der Frau haben aufgrund fehlender großer Studien eine schlechtere Bewertung. Minne: "Die Therapie der Osteoporose ist nach Zugrundelegung von EBM Prinzipien medizinisch begründbar. Sie dient dem Patienten aufgrund der Verbesserung von Lebensqualität und Prognose und der Gesellschaft aufgrund der kostengünstigen Therapie." Prospektive, placebokontrollierte Doppelblind-Studien mit dem Bisphosphonat Alendronat zeigen einen signifikanten Knochendichtezugewinn unter Alendronat mit einer deutlichen Abnahme der Frakturneigung. Auch die schmerzbedingte Liegedauer kann unter Alendronat wesentlich verkürzt werden. Prof. Dr. Rene Rizzoli, Abteilung für Knochenerkrankungen, Hospital Cantonal, Genf, präsentierte rezente Alendronat-Studienergebnisse, die die äquivalente therapeutischen Wirkung einer 70 mg-Wochentablette im Vergleich zur täglichen 10 mg-Tablette demonstrierten, bei gleichzeitigen Vorteilen bezüglich Verträglichkeit und Therapieadhärenz.

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