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Orthopädie 30. Juni 2005

Osteoporose ist nicht nur eine Frauenkrankheit

"Osteoporose muss zwar korrekterweise als eine Erkrankung der postmenopausalen Frau gesehen werden, aber sie kommt auch bei Männer vor", sagt Prof. Dr. Peter Pietschmann vom Institut für Pathophysiologie der Universität Wien.

Häufige Ursachen für Osteoporose bei Männern

"11 Prozent der über 65-Jährigen oder 10 Prozent aller Männer zwischen 34 und 94 Jahren sind betroffen", nennt Pietschmann die Zahlen. Idiopathische Formen bei normalem Testosteronspiegel kämen vor, weitere Ursachen seien starker Alkohol- und Nikotinkonsum, Glukokortikoidtherapie, Hypogonadismus und Laktasedefizienz. Glukokortikoide hemmen die Knochenneubildung, die Harn-Calzium-Ausscheidung kann ansteigen. Alkohol beeinflusst die Synthese des Osteokalzins und wirkt toxisch auf Osteoblasten.

Für die klinische Praxis fordert Pietschmann: "Suchen Sie die Ursachen!" In seltenen Fällen können hinter einem Knochenschwund auch einmal ein multiples Myelom, eine Mastozytose oder ein Plasmozytom dahinterstecken.

Zur Therapie der Osteoporose beim Mann existierten bisher nur sehr kleine, kurzfristige Studien, die weder randomisiert noch kontrolliert sind, also nicht den Kriterien einer "evidence based medicine" entsprächen, stellt Pietschmann fest.

Zur antiresorptiven Therapie mit Alendronat (Fosamax®) wurde vor wenigen Monaten eine Studie im "New England Journal of Medicine" publiziert. 240 Patienten zwischen 31 und 87 Jahren nahmen daran teil. Sie hatten entweder eine Knochendichte von T 2.0 Standardabweichungen, gemessen am Oberschenkelhals, oder eine Fraktur in der Anamnese. Die Teilnehmer erhielten entweder Placebo oder Alendronat zusammen mit Kalzium und Vitamin D. Die Studie war randomisiert und dreifach verblindet. 36 Prozent der Studienteilnehmer hatten laborchemisch ein erniedrigtes Testosteron, aber keine klinischen Zeichen, die darauf hinwiesen.

Anstieg der Knochendichte

Unter Alendronat stieg die Knochendichte gegenüber Placebo um 7 Prozent - ein signifikanter Wert. Das Ansprechen auf das Bisphosphonat war unabhängig von Ausgangstestosteronspiegel. Beim sowohl laborchemisch als auch klinisch festgestellten Hypogonadismus sei die Testosterontherapie ein sehr kausaler Therapieansatz, der zum Anstieg der Knochendichte führt.

Therapieoptionen

"Beim partiellen Testosterondefizit des älteren Mannes, ohne klinische Zeichen eines Androgenmangels, wenn die Osteoporose das Hauptproblem ist, muss man mit Testosteron schon vorsichtiger sein. Die mögliche Entstehung eines Prostatakarzinoms muss in die therapeutischen Überlegungen miteinbezogen werden", so Pietschmann. Der Stellenwert der Fluoride ist unklar, ob sie tatsächlich die Wirbelkörperfrakturrate beeinflussen, sei auch bei Frauen unklar.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Da bei der männlichen Osteoporose sekundäre Ursachen häufig sind, sollte zunächst einmal nach den Ursachen geforscht und diese gegebenenfalls behandelt werden. "Sonst empfiehlt sich die Gabe von Kalzium plus Vitamin D plus Alendronat", so Pietschmann .

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