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© Knut Wiarda / Fotolia.com
Patienten mit Knochenbruch profitieren von einem präoperativen Rauchstopp.
 
Innere Medizin 5. Mai 2014

Raucherknochen heilen schlechter

Mit dem Absinken der Nikotinspiegel ist es binnen weniger Wochen möglich, die Gewebshämodynamik zu normalisieren.

Raucher scheinen nach einem Knochenbruch im Nachteil zu sein: Die Wahrscheinlichkeit, dass es während der Frakturheilung Probleme gibt, ist um zwölf Prozent höher als bei Nichtrauchern. Orthopäden aus den USA fordern nun ein perioperatives Entwöhnungsprogramm.

Mit ihrer Metaanalyse haben Forscher aus den Universitäten Washington und Pennsylvania bestätigt, was schon lange vermutet wurde: dass Zigarettenrauchen der Frakturheilung abträglich ist. Sieben prospektive und zwölf retrospektive Kohortenstudien liefern hierzu umfangreiches Datenmaterial.

In der Zusammenschau der Ergebnisse war das Risiko einer Heilungsstörung (Nonunion) bei Frakturen der langen Röhrenknochen bei Rauchern gegenüber Nichtrauchern allgemein um den Faktor 2,32 erhöht. In Studien, die sich auf Tibiafrakturen beschränkten, lag die Odds Ratio (OR) bei signifikanten 2,16. Für beide Kategorien ermittelten die Orthopäden um Dr. John A. Scolaro, Seattle, eine Risikoerhöhung durch das Rauchen um jeweils zwölf Prozent. Bei offenen Frakturen mussten Raucher mit einem um neun Prozent höheren Risiko einer Pseudarthrose rechnen. Im Durchschnitt vergingen bis zur Heilung bei Rauchern 30,2 Wochen, bei Nichtrauchern 24,1 Wochen; speziell bei Tibiafrakturen waren es 32,0 bzw. 25,1 Wochen, bei offenen Frakturen 37,2 gegenüber 29,1 Wochen. Diese Unterschiede waren allerdings nicht signifikant.

Bei der Definition der „Nonunion“ klaffen die einzelnen Studien allerdings weit auseinander: Die zugrunde gelegten Zeiträume reichten von sechs Monaten bis zu zwei Jahren. Und auch zu Dauer und Intensität des Rauchens sind die Angaben in den Studien inkonsistent. Beides schränkt die Aussagekraft der Metaanalyse ein.

Auch das Weichgewebe betroffen

Wie die Forscher berichten, wirkte sich das Rauchen auch auf die Häufigkeit der Weichgewebsinfektionen nach Knochenbrüchen aus. Allerdings wurde auch hier kein signifikantes Ergebnis, sondern nur ein starker Trend beobachtet (OR 1,38). Die Rate der oberflächlichen Infektionen betrug bei den Rauchern sieben Prozent, bei den Nichtrauchern vier Prozent. Tiefe Infektionen wurden bei ebenfalls sieben Prozent (gegenüber 2 %) gefunden.

Im Zigarettenrauch sind Substanzen enthalten, die dem Weichgewebe schaden, erklären Scolaro und Kollegen. So führt Nikotin über Vasokonstriktion und Plättchenaggregation zu einer schlechteren Durchblutung des Gewebes. Kohlenmonoxid löst Sauerstoffmoleküle aus dem Hämoglobin, was eine Gewebshypoxämie bedingt. Und schließlich hemmt Rauchen offenbar direkt die biologische Funktion von Fibroblasten, roten Blutkörperchen und Makrophagen. In der Literatur häufen sich Berichte zu postoperativen Wundheilungsstörungen und Wundinfektionen bei Rauchern, so die Wissenschaftler. Aber auch auf den Knochenstoffwechsel wirke sich der Nikotinkonsum negativ aus. Berichtet wurde über eine Hemmung der Osteoblasten, der Kollagensynthese und der Angiogenese.

Auf der anderen Seite gibt es Hinweise, dass ein Absinken der Nikotinspiegel binnen wenigen Wochen dazu führt, dass sich die Gewebshämodynamik normalisiert. In einer früheren Studie war bei Patienten, die vier Wochen vor einem orthopädischen Eingriff an einem Anti-Rauch-Programm teilgenommen hatten, die postoperative Komplikationsrate deutlich gesunken. Für Scolaro und sein Team ist das Grund genug, die Patienten präoperativ auf die Vorzüge eines Rauchstopps hinzuweisen.

Originalpublikation: Scolaro JA et al. J Bone Joint Surg Am 2014; 96: 674–81; doi: 10.2106/JBJS.M.00081

springermedizin.de, Ärzte Woche 19/2014

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