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Innere Medizin 26. August 2013

Kaffee schlägt nicht auf die Knochen

Entwarnung für das Heißgetränk.

Ein lange gehegter Verdacht im Zusammenhang mit übermäßigem Kaffeekonsum konnte jetzt widerlegt werden: Das Risiko für osteoporotische Frakturen wird durch Kaffee, auch in rauen Mengen genossen, nicht erhöht.

Dass sich zu viel Kaffee negativ auf die Knochenfestigkeit auswirken könnte, ist eine Befürchtung, die sich aus mehreren Beobachtungsstudien speist: So gibt es Hinweise auf eine Hemmung der Osteoblastentätigkeit, auf die negative Beeinflussung der Knochendichte, auf ein erhöhtes Osteoporoserisiko und ein erhöhtes Risiko für Frakturen bei Kaffeetrinkerinnen; die Datenlage war bislang allerdings reichlich inkonsistent.

Schwedische Forscher haben diese Zusammenhänge nun in einer großen Longitudinalstudie mit 61.433 Frauen der Geburtsjahrgänge 1914 bis 1948 untersucht. Die Daten stammen aus der Swedish Mammography Cohort. Bei Studienbeginn im Jahr 1987 waren die Frauen im Mittel zwischen 50 und 57 Jahre alt.

Frakturrisiko selbst bei acht Tassen täglich nicht erhöht

Innerhalb einer Beobachtungszeit von durchschnittlich 14 Jahren hatten 14.738 Frauen Frakturen erlitten, davon 3.871 an der Hüfte. Die Multivariablen-Analyse ergab jedoch keinen Zusammenhang zum Kaffeekonsum: Kaffeetrinkerinnen brachen sich im Studienzeitraum nicht signifikant häufiger die Knochen als Verächterinnen des Genussmittels (< 1 Tasse täglich).

Die Hazard Ratio (HR) für Frakturen insgesamt lag bei 0,99, die für Hüftfrakturen bei 0,97, bezogen jeweils auf eine Tasse (ca. 200 ml) Kaffee täglich. Frauen, die täglich vier Tassen oder mehr tranken, hatten ein Risiko von 0,96 bzw. 0,88 für Frakturen insgesamt bzw. für Hüftfrakturen. Und auch wer dem Bohnensaft geradezu exzessiv zusprach, musste nicht übermäßig um seine Knochen fürchten: Bei acht Tassen und mehr lagen die entsprechenden Hazard Ratios bei 1,20 bzw. 0,95; die Unterschiede zu Nicht-Kaffeetrinkerinnen waren auch hier nicht signifikant.

Geringfügige Abnahme der Knochendichte

Bei der Knochendichte machte sich zwar ein Zusammenhang bemerkbar, aber erst ab einer ordentlichen Tagesration, und auch dann nur in geringem Ausmaß: Ab vier Tassen Kaffee sank die Knochendichte in der Lendenwirbelsäule um 4%, im proximalen Oberschenkelknochen um 2%. Das relative Osteoporoserisiko gegenüber Nichtkonsumentinnen lag bei den Vieltrinkerinnen bei 1,28, und zwar nachdem man eine ganze Reihe möglicher Einflüsse herausgerechnet hatte (BMI, Aufnahme von Kalzium, Vitamin D, Kalium, Phosphor und Protein mit der Ernährung, Alkohol, körperliche Aktivität, Komorbiditäten, Kortisoneinnahme, Hormonersatztherapie, Therapie mit Bisphosphonaten). Die Odds Ratio pro 200-ml-Tasse betrug 1,06.

Keinen Unterschied fanden die Forscher um Helena Hallström von der National Food Agency in Uppsala zudem für das Sturzrisiko im Vorjahr (OR 0,98 bei Konsum von mindestens vier Tassen täglich).

Fazit

Ausgeprägter Kaffeekonsum mag zu einer geringfügigen Abnahme der Knochendichte führen. Dies schlägt sich jedoch offenbar weder in einem nennenswert erhöhten Osteoporoserisiko noch in puncto Frakturen nieder, so die Wissenschaftler. Damit könne man die über Jahre geführte Debatte um Kaffee als möglichen Risikofaktor für osteoporotische Frakturen als beendet betrachten, schreiben Hallström und Kollegen.

Originalpublikation:

Hallström H et al.: Am J Epidemiol 2013; doi: 10.1093/aje/kwt062

springermedizin.de, Ärzte Woche 35/2013

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