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Pflege 30. Juni 2005

Die Suche nach der Osteoporose forcieren!

"Osteoporose stellt uns heute schon vor Probleme, in den nächsten Jahrzehnten wird sie uns aber noch viel mehr zu schaffen machen", so Prof. Dr. Harald Dobnig, Medizinische Universitätsklinik Graz. "Das Leiden entwickelt sich schleichend etwa ab dem 50. Lebensjahr, führt aber meist erst bei über 65-Jährigen zu Frakturen", erklärte Dobnig. Zirka 40 Prozent aller Frauen erleiden nach dem 50. Lebensjahr zumindest eine osteoporotische Fraktur. Die Folgen von Knochenmasseverlust, Kortikalisverdünnung und Entstehen einer Platten-Stäbchen-Struktur hängen großteils von der Ausgangssituation ab, d.h. von der maximalen Knochenmasse. Diese ist zu 80 Prozent genetisch determiniert. 

Abgesehen von der verminderten mechanischen Beanspruchung des Bewegungsapparates spielt der sekundäre Hyperparathyreoidismus im Alter eine große Rolle in der Genese des erhöhten Knochenumbaues. Eine verminderte kutane Vitamin-D-Synthese, zu geringe Kalziumzufuhr bei herabgesetzter Resorptionsrate und Einschränkung der Nierenfunktion sind Hauptverursacher der gesteigerten Parathormonproduktion.

Ein weiterer Frakturfaktor ist nach neuen Erkenntnissen aber auch im gesteigerten Knochenumbau an sich zu sehen. Bei gleicher Knochendichte und gleich häufigen Stürzen entstehen bei jüngeren Menschen weniger Brüche als bei älteren. Dazu kommt dann natürlich noch die gesteigerte Sturzrate im Alter. Bei Männern liegt die Situation etwas günstiger. Der Umbau findet zwar auch bei ihnen statt, aber es kommt nicht zu einer derartigen "Aushöhlung von innen".

Die Werkzeuge der Diagnostik

Als "Werkzeuge der Diagnostik" bezeichnet Dobnig:

  • Röntgen (Form, Dichte): bevorzugt wird die Schenkelhalsregion, da in der Lendenwirbelsäule degenerative Veränderungen eine zu geringe Dichte vortäuschen können
  • Densitometrie (Dichte) 
  • Ultraschall (Dichte, Struktur): die Ergebnisse sind vorsichtig zu verwenden. Geeignet ist das Verfahren allerdings zum Screening, etwa bei Pflegeheiminsassen
  • Biopsie (Zellaktivität, Mineraldefekte, Knochenmarksprozesse) 
  • Blut/Harn (Differenzialdiagnose): Leber- und Nierenwerte, Serum-Kalzium, Alkalische Phosphatase, Blutbild, Elektropherese (multiples Myelom) und Vitamin D.

Auch die typische Frakturanamnese, das Erheben von Balance- und Gangstörungen und bestimmter Erkrankungen sowie die Medikamentenanamnese müssen in die diagnostischen Überlegungen einbezogen werden. Das therapeutische Schema beginnt mit einer gezielten Förderung der Gangsicherheit durch Physikalische Medizin und Verschreibung von Gehhilfen. Regelmäßige Bewegung alleine (zumindest 3x wöchentlich über eine halbe Stunde) bewirkt viel.

Auch der allgemeine Lebensstil (Nikotin, Koffein, Alkohol, Diät etc.) sollte besprochen werden, ebenso die Sicherheit in der Wohnung (Sturzfallen). Bei Patienten mit ausgeprägter Sturzneigung bewähren sich Hüftprotektoren.Dobnig: "Schon die Nahrungssupplementierung mit 1200 mg Kalzium und 800 IE Vitamin D allein ist imstande, die Anzahl der nicht-vertebralen Frakturen deutlich zu reduzieren!" Auch Bisphophonate beeinflussen den kortikalen Knochenanteil gut, nicht jedoch Calcitonin oder Raloxifen.

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