zur Navigation zum Inhalt
© Johnson & Johnson Medical Products GmbH
Modell Vertebroplastie.
 
Orthopädie 22. Mai 2013

Altersleiden osteoporotische Wirbelkörperfrakturen

Mit der Vertebroplastie und der Kyphoplastie stehen zwei bewährte Operationsmethoden zur Verfügung.

Osteoporotisch bedingte Wirbelfrakturen sind anfangs sehr gut konservativ zu behandeln. Halten die Beschwerden jedoch an, ist die Indikation zu einer Operation gegeben. Was gängige Methoden wie Vertebroplastie und Kyphoplastie bringen und worauf dabei zu achten ist, war Inhalt eines Moduls der DePuy Synthes Surgery Week 2013.

Aufgrund der demografischen Entwicklung steigt die Anzahl von Personen mit osteoporotischen Frakturen. Gleichzeitig stellen diese Patienten höhere Ansprüche an die eigene Beweglichkeit, denn Mobilität im Alter bedeutet Selbstständigkeit. „In unserem Krankenhaus beispielsweise hat sich der Anteil der über 80-Jährigen, die sich einer Wirbelsäulenoperation unterziehen, von sieben Prozent auf 14 Prozent erhöht“, betonte Prof. Dr. Michael Ogon, Leiter der III. Orthopädischen Abteilung am Orthopädischen Spital Speising.

Konservative Therapie: Standard bei einfachen Brüchen

Bei fortgeschrittener Osteoporose sind vor allem Brust- und Lendenwirbel gefährdet. Osteoporotische Wirbelkörperfrakturen treten typischerweise durch banale Stürze, zum Teil aber auch ohne jegliches Trauma auf. Durch die Fraktur bricht der Wirbelkörper ein, verliert an Höhe und drückt in weiterer Folge auf den Nerv. „Wirbelkörperbrüche können sehr schmerzhaft sein. Viele Patienten haben aber auch nur leichte Schmerzen oder verwechseln akute Symptome mit chronischen Rückenschmerzen, sodass wertvolle Wochen bis zur Therapie vergehen“, erklärte. Prof. Dr. Mehdi Mousavi, Leiter der Abteilung für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie am SMZ Ost Donauspital. Gerade eine rasche Therapie ist bei osteoporotisch bedingten Wirbelfrakturen jedoch wichtig – und auch nur innerhalb einer gewissen Zeit Erfolg versprechend.

Bei einfachen Brüchen ohne neurologische Beeinträchtigung wird meist eine konservative Therapie, bestehend aus analgetischer Therapie, Ruhigstellung durch ein Stützkorsett sowie Physiotherapie, durchgeführt. „Kann man eine Operation und die damit verbundenen Risiken vermeiden, ist das von Vorteil. Allerdings dauert es mindestens zwei Monate, bis der Bruch ausheilt, und es besteht das Risiko, dass der Wirbel weiter zusammensinkt und sich ein Rundrücken bildet“, erklärte Ogon die Vor- und Nachteile der konservativen Therapie. Eine Kyphosierung wiederum führt zu einer vermehrten Belastung angrenzender Wirbelkörper – mit dem Risiko weiterer Frakturen.

Vertebroplastie und Kyphoplastie: minimal invasive Eingriffe

Klagen die Patienten trotz konservativer Therapie noch immer über Schmerzen, oder treten zusätzlich zum Wirbelkörperbruch noch Komplikationen wie eine Einengung des Spinalkanals auf, stehen mit der Vertebroplastie und der Kyphoplastie zwei bewährte Operationsmethoden zur Verfügung. Ziel beider Verfahren ist einerseits die Aufrichtung und Stabilisierung des gebrochenen Wirbels sowie andererseits Schmerzerleichterung. Die Eingriffe erfolgen minimal invasiv entweder unter Lokalanästhesie oder Vollnarkose, Schnitte und Nähte sind in der Regel nicht erforderlich. Unter Röntgenkontrolle wird zunächst eine große Hohlnadel in den geschädigten Wirbel eingeführt. Während bei der Vertebroplastie Knochenzement direkt in den Wirbel eingespritzt wird, führt man bei der Kyphoplastie zuvor noch einen Ballon in den Wirbel ein, bläst ihn auf, und füllt den so entstandenen Hohlraum mit Zement auf.

Schmerzerleichterung und Frakturstabilisierung

„Beide Verfahren führen zu einer raschen Schmerzerleichterung und Frakturstabilisierung. Allerdings lässt sich mit der Kyphoplastie die Wirbelkörperhöhe besser wiederherstellen“, erörterte Mousavi. Auch das Risiko, dass der Knochenzement austritt und in den Wirbelkanal oder in Gefäße fließt und dort Komplikationen verursacht, wird durch die vorherige Einbringung des Ballons minimiert. „In der Praxis besteht zwischen beiden Techniken kein großer Unterschied. Ist jedoch eine stärkere Aufrichtung des Wirbelkörpers nötig, gilt bei uns die Kyphoplastie ebenfalls als Mittel der Wahl - auch wenn sie teurer ist“, so Ogon die Praxis am Orthopädischen Spital Speising. Die Eingriffe, egal ob Vertebroplastie oder Kyphoplastie, dauern 10 bis 20 Minuten pro Wirbel. „Die Erfolgsaussichten sind auf jeden Fall gut – vorausgesetzt, die Operation erfolgt in den ersten sechs bis acht Wochen nach der Fraktur“, so Mousavi. Verheilt der Wirbelkörperbruch bereits von selbst, kann eine entscheidende Verbesserung nur noch schwer erzielt werden.

Wichtige Voraussetzung – Erfahrung in der Wirbelsäulenchirurgie

„Die Wirbelsäule muss einerseits eine hohe Stabilität aufweisen, und andererseits in einzelnen Abschnitten beweglich sein. Diese Komplexität macht die Wirbelsäule zu einem besonderen Organ“, betonte Mousavi und rät dazu, Eingriffe wie Vertebroplastie und Kyphoplastie nur von erfahrenen Ärzten durchführen zu lassen. „Im Grunde ist es egal, welcher Fachrichtung der Operateur angehört. Hauptsache, er hat Erfahrung mit Eingriffen an der Wirbelsäule“, so der Unfallchirurg. „Beide Verfahren sind technisch einfach, doch man muss auch auf Komplikationen rasch reagieren und wenn nötig intraoperativ die Verfahren wechseln können.“ Ähnlich sieht es der Orthopäde Ogon: „Die Kunst besteht darin, die richtige Indikation zu finden und möglichst viele Behandlungsmethoden zu beherrschen.“

Quelle: DePuy Synthes Surgery Week März 2013

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben