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Gefahr Osteoporose

Mangelernährung im Rahmen von Essstörungen birgt das Risiko der Osteoporose. Es kommt zu einer deutlichen Verminderung der Knochenmasse und Veränderungen in der Mikroarchitektur. Stressfrakturen können die Folge sein. Aufgrund der bei Essstörungen schlechten Compliance und Magenunverträglichkeit ist hier die intranasale Calcitonin-Applikation von Vorteil.

Sportlich aktive Menschen mit Essstörungen sind einem erhöhten Risiko für medizinische Komplikationen ausgesetzt. Hierzu zählen vor allem Schwankungen im Elektrolythaushalt und Herzrhythmusstörungen bis hin zum Herzstillstand.
Der Körper wird neben der gesteigerten Aktivität durch den Sport zusätzlich durch die Essstörung geschädigt. Generell birgt jede Form einer Essstörung infolge der Mangelernährung das Risiko der Osteoporose. Es kommt zu einer deutlichen Verminderung der Knochenmasse und zu Veränderungen in der Knochenmikroarchitektur.

Erhöhtes Frakturrisiko

Das Skelettsystem kann folglich den erhöhten biomechanischen Belastungen nicht mehr Stand halten, wodurch Stressfrakturen beispielsweise des Oberschenkelhalses, des Unterarms und der Wirbelkörper gehäuft auftreten.
Dass eine infolge einer Essstörung aufgetretene Knochenstoffwechselstörung bereits in jungen Jahren zu einer manifesten Osteoporose und schwerwiegenden Veränderungen am Knochenskelett führen kann, schildern Prof. Dr. Heinrich Resch und Dr. Petra Georg, 2. Med. Abteilung am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Wien:
"Nach einem Sportunfall mit Beckenfraktur kam es bei einer jungen Patientin mit sekundärer Osteoporose zu einem komplizierten Genesungsverlauf, da die Kallusbildung ausblieb und weitere atraumatische Knochenfrakturen hinzutraten. Erst die antiresorptive Therapie mit Calcitonin Nasalspray brachte eine Trendumkehr und leitete die Kallusbildung und Frakturkonsolidierung ein.

Gestörte Frakturkonsolidierung

Die 24 Jahre junge Patientin wurde vorstellig, nachdem sie im Rahmen sportlicher Betätigung mit einem Skateboarder zusammengestoßen war. Aus der Anamnese war zu erfahren, dass es vor zwei Jahren zu einer rapiden Gewichtsabnahme gekommen war, das aktuelle Gewicht der Patientin betrug 44 kg und der Body Mass Index (BMI) 14 kg/m2. Erst auf intensivere Exploration gab die Patientin an, dass bei ihr seit drei Jahren eine Amenorrhoe bestanden hatte. Abgesehen davon waren bei der Patientin keine ernsteren Vorerkrankungen oder Spitalsaufenthalte zu erheben.
Die durchgeführte Röntgenuntersuchung des Beckens zeigte neben einer Osteopenie auch eine Fraktur des oberen und unteren Schambeinastes rechts. Ein Kontrollröntgen nach einem Monat belegte eine ausbleibende Kallusbildung sowie eine zusätzliche Fraktur des oberen und unteren Schambeinastes links ohne ein neuerlich einwirkendes Trauma. Nach weiteren vier Monaten fand sich radiologisch nach wie vor eine nur unzureichende Kallusbildung an den Frakturstellen."

Antiresorptive Therapie mit Calcitonin

Bei der Patientin wurde die Diagnose einer juvenilen Osteoporose auf Basis einer Essstörung mit sekundärer Amenorrhoe gestellt (s. Abb. Laborwerte).
Aufgrund der bei Essstörungen bekannten extrem schlechten Compliance und Magenunverträglichkeit hatte die Patientin die orale medikamentöse Therapie nicht eingenommen. Erst die intranasale Medikamentenapplikation führte zu einer zufriedenstellenden Akzeptanz sodass eine osteotrope Therapie mit Calcitonin "Novartis" Nasenspray 200 I.E. täglich über 12 Monate durchgeführt werden konnte.
Als Begleitmedikation erhielt die Patientin hoch dosiert Kalzium und Vitamin D. Unter dieser Therapie kam es zur Stabilisierung der Knochendichte, gemessen mittels DEXA (dual energy x-ray absorptiometry) im Bereich des Schenkelhalses und der Lendenwirbelsäule. Sechs bis acht Monate nach Therapiebeginn wurde die Kallusbildung und Frakturkonsolidierung radiologisch nachweisbar.
Medikamentös kann in den Knochenstoffwechsel bzw. die negative Bilanz des Knochengewebes eingegriffen werden. Dabei bremsen bzw. normalisieren antiresorptive Substanzen den Knochenabbau, und der Knochenstoffwechsel wird auf ein physiologisches Maß eingependelt. Seit nunmehr fast 30 Jahren ist die hemmende Wirkung von Calcitonin, einem körpereigenen Peptidhormon, auf die Osteoklasten-Tätigkeit bekannt. Die primäre Indikation für das Medikament stellt heute nach wie vor die akute und schmerzhafte Fraktur im Rahmen einer Osteoporose dar, insbesondere dann, wenn andere first-line Medikamente, wie Bisphosphonate, aufgrund von zumeist gastrointestinalen Nebenwirkungen nicht verwendet werden können.
Calcitonin ist in Form des Nasensprays besonders verträglich und magenschonend, es müssen keine besonderen Einnahmeregeln beachtet werden, wodurch die Einnahme, wie auch dieser Fallbericht zeigt, für den Patienten erleichtert beziehungsweise erst möglich wird.

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